12 Monkeys – Sinnvolles Remake als TV-Serie?

10. Sep. 2017 | Blog | 0 Kommentare

Beginn:

Die Geschichte der Serie „Twelve Monkeys“ ist schon etwas länger. Es begann mit einem animierten Fotoroman von 1962 mit dem Titel „Am Rande des Rollfelds“. Der Film erzählt in Standbildern eine interessante Geschichte von einem Kind, das Zeuge eines Mordes auf dem Flughafen Orly wird. Nachdem er in ein Zeitreiseprojekt eingebunden war merkt er schließlich, dass er damals seinen eigenen Tod gesehen hatte.

Die Story war so eindringlich dass daraus 1995 ein amerikanischer Spielfilm gemacht wurde. Regie übernahm Terry Gilliam, der mit „Brazil“ seinen ersten großen Spielfilmerfolg erzielt hatte. Für die Schauspieler Brad Pitt und Bruce Willis wurde „12 Monkeys“ zu großen Achtungserfolgen. Mit dem unverwechselbaren Look und den grandiosen Schauspielern gelang es  Terry Gilliam auch seinem zweiten fremd produzierten Film einen großen Erfolg zu feiern. Die Geschichte wurde von David Webb Peoples und Janet Peoples adptiert und erweitert.

James Cole (Bruce Willis) ist Insasse einer Strafanstalt, die von der Umwelt abgeschottet ist. Draußen hat sich ein Virus verbreitet, der einen Großteil der Menschheit ausgerottet hat. Als man ihn von der Erdoberfläche holte stellte sich heraus, dass er offenbar gegen das Virus immun ist. Man bietet ihm Straffreiheit an wenn er dafür per Zeitmaschine ins Jahr 1996 zurückreist und eine Probe des unmutierten Virus besorgt und dabei auch die Hintermänner ausfindig macht, die das Virus entwickelt haben. Cole findet in der Gegenwart Hinweise darauf, dass eine Gruppe namens „Armee der 12 Monkeys“ wohl am Ausbruch der Seuche schuld ist. Mithilfe der Ärztin Kathryn Reilly (Madeline Stowe) findet er schließlich den mental instabilen Jeffrey Goines (Brad Pitt), dessen Vater (Christopher Plummer) das Forschungslabor unterhält, in dem das Virus gezüchtet wurde. Jeffrey gehört der Gruppe „12 Monkeys“ an und hat Zugang zu den Forschungslaboren seines Vaters. Doch auch die Pläne von Cole und Reilly das Virus zu vernichten werden vereitelt. Cole will, bevor die Seuche ausbricht einmal ans Meer, das er noch nie gesehen hat. Auf dem Flughafen kommt es schließlich zu einer Schießerei und er begreift, sterbend, dass eine Kindheitserinnerung, die ihn jahrelang plagt, tatsächlich eingetreten ist. Er war als Kind Zeuge seines eigenen Todes.

 

 

Cassie und Cole auf Zeitreise

Die Serie:

Nachdem der visuell außergewöhnliche, dabei auch noch sehr spannende, Film aus dem Jahre 1995 große Erfolge gefeiert hatte wurde die Ankündigung, dass man aus dem Stoff eine TV-Serie machen würde, mit gemischten Gefühlen bei den Fans aufgenommen. Wie sich herausstellen sollte entpuppte sich die TV-Serie durchaus als sehenswert und lief im Frühjahr 2017 in der bereits dritten Staffel. Eine vierte, abschließende, Staffel ist für 2018 geplant.

Die Änderungen zum Kinofilm sind glücklicherweise nicht allzu groß. Die Story wurde naturgemäß erweitert und der Look von den Terry Gilliam üblichen Schnickschnack befreit. Der Fokus liegt erneut auf James Cole (Aaron Stanford), der in einer desolaten Zukunft lebt. Eine Seuche hat drei Milliarden Menschen dahingerafft und Cole schlägt sich, zusammen mit seinem besten Freund José Ramse (Kirk Acevedo) durchs Leben. Das Leben ist hart und entbehrungsreich. Die Menschen leben in kleinen Gruppen in Zelten und Ruinen und müssen täglich um das Überleben kämpfen. Cole und Ramse treffen bei ihren Streifzügen schließlich in einem alten Forschungsgebäude auf eine Gruppe von Wissenschaftlern, die unter der Leitung der verhärmten Katarina Jones (Barbara Sukowa) eine Zeitmaschine entwickelt haben. Sie plant Menschen in die Vergangenheit zu schicken um den Virus aufzuhalten, der die Menschheit dezimieren würde. James Cole scheint gegen das Virus immun zu sein und wird in das Jahr 2016 zurückgeschickt. Dort macht er Bekanntschaft mit der jungen Ärztin Cassandra Reilly, die ihm zunächst medizinisch hilft, dann aber in seine Mission hineingezogen wird.

Cole entdeckt, dass auch hier eine Gruppe namens „Die Armee der 12 Monkeys“ hinter der Verbreitung des Virus steckt. Nachdem mehrere Versuche das Virus zu vernichten fehlschlagen werden Cole und Reilly zur Zielscheibe der Organisation, die offenbar sehr mächtig ist und von der einige Mitglieder offenbar spezielle Fähigkeiten haben. Die sogenannten „Primaries“ könnten der Schlüssel sein um die Seuche aufzuhalten. Cole und Reilly treffen bei ihrer Suche auf die eingewiesene Jennifer Goines, die wohl auch über unglaubliche seherische Fähigkeiten verfügt. Glücklicherweise erweist sie sich in manchen Dingen als große Hilfe als sie begreift, dass ihre Visionen und Zeichnungen etwas zu bedeuten haben.

 

 

 

Ramse hat ein Problem

Was ist besser: Film oder Serie?

Ich muss sagen, dass mich die Serie weitaus mehr beeindruckt als der Terry-Gilliam-Film. Natürlich stellt das Werk des früheren Monty-Python-Mitglieds ein außergewöhnliches Independent-Werk dar. Mir waren jedoch einige Szenen einfach nur viel zu übertrieben. Gilliams Look alleine ist schon abgefahren genug, aber in den Szenen im Irrenhaus, als sowohl Bruce Willis als auch Brad Pitt verrückt agieren, sind für mich einfach zuviel des Guten. Irgendwie sorgt die Kombination von Look und Spiel dafür, dass man der Geschichte darüber gar nicht richtig folgen kann.

Im Gegensatz dazu gefällt mir die Serie wesentlich besser. Die Zukunftsszenen draußen sehen wirklich bedrohlich aus und das Forschungslabor ist spartanisch, aber zweckmäßig eingerichtet. Die Zeitmaschine, die wie eine riesige Kanone aussieht macht einen äußerst wuchtigen Eindruck und man möchte den Menschen fast bedauern, der sich im Fokus der Strahlenkanone auf den Liegestuhl setzt um „gesplintert“ zu werden.

Die Darsteller sind, im Gegensatz zum Kinofilm, durchaus normale Menschen, die in ihrem Spiel die düstere Stimmung gut herüberbringen. Aaron Stanford bringt den abgeklärten James Cole gut herüber. Er ist so gar nicht verrückt wie Bruce Willis damals. Stattdessen ist er voll bei der Sache und – auch wenn es wenig Humor gibt – durchaus sympathisch. Sein Kumpel Ramse war im Spielfilm zwar auch zugegen, bekam aber durch den Fokus des Films keine größere Aufgabe. Ramse dient in der Serie einerseits als Avatar für den Zuschauer, den man Dinge erläutert. Trotzdem hat er durchaus gute eigene Handlungsstränge (der Verlust seines Sohnes). Es ist schön Kirk Acevedo in einer so großen Nebenrolle zu sehen, da er sich in fünf Staffeln „Fringe“ als FBI-Agent in die Herzen der Zuschauer spielen konnte.

Für die Deutsche Barbara Sukowa dürfte die Rolle der Wissenschaftlerin Katarina Jones sicher mal etwas Anderes sein. Die renommierte Schauspielerin darf hier eine verhärmte, aggressive Wissenschaftlerin spielen, der die Rettung der Menschheit alles bedeutet und dabei mitunter eine große Härte an den Tag legt. Es ist schön zu hören, dass man ihr die deutsche Herkunft in der Serie gelassen hat und dass sie mitunter in der Originalfassung akzentfreies Deutsch sprechen kann. In ihrer Rolle wird sie zwar bewusst mit strengen Haaren und dickerandigen Brille zur „hässlichen“ Forscherin gemacht. In einigen Episoden darf sie aber auch selbst auf Zeitreise gehen und darf sich dann auch mal „schön“ präsentieren. Ich muss zugeben, dass ich mich sehr gefreut habe, dass sie eine so große Rolle in einer amerikanischen TV-Serie bekommen hat.

 

 

Cole beim „splintern“

Cole bereitet sich vor

Die Umsetzung

 

Aus dem abgefahrenen Kinofilm ist eine wirklich fesselnde Zeitreisegeschichte geworden. Cole wird auf verschiedene Missionen durch die Zeit geschickt. Immer auf der Suche nach Hinweisen nach den „Primaries“ oder auch dem sogenannten „Zeugen“, der angeblich hinter Allem steckt. Dabei geht die Serie auch dezent mit den Auswirkungen von Coles Ausflügen um. Es gibt tatsächlich Beeinflussungen, die so manches bewirken, jedoch nie die Vermeidung der Seuche.

Eine sehr gefährliche Auswirkung äußert sich in Folge eines Zeitsturms, der in Form eines roten Gewitters das Forschungslabor bedroht. Ein Hauptthema der zweiten Staffel ist dabei die Hoffnung diesen Sturm abzuwenden denn sonst wäre die Existenz Aller bedroht. Glücklicherweise spielt die Primary Jennifer Goines eine wesentliche Rolle. Ihre Visionen führen Cole, Ramse und auch Railly schließlich zum Ziel. Dabei entdeckt das Team allerdings, dass die „Armee der 12 Monkeys“ nicht einfach nur Umweltaktivisten, wie im Kinofilm, sind sondern eine Organisation, die selbst Zeitreisen durchführen können und Katarinas Zeitreiseteam immer wieder über den Weg laufen.

Die Geschichte ist im Laufe von drei Staffeln äußerst komplex geworden und folgt dabei einer Storyline, die nicht zusammengeschustert, sondern wohl durchdacht zu sein scheint. Glücklicherweise hat der Sender zwar den Abschluss der Serie bekanntgegeben aber immerhin noch eine abrundende vierte Staffel in Auftrag gegeben. Da freuen sich die Fans, zumal die dritte Staffel sich als äußerst spannend präsentiert hatte.

Man muss der Serie bescheinigen, dass sie es meisterhaft verstanden hat das Konzept des Kinofilms zu übernehmen, alle Gilliamtypischen Zutaten zu beseitigen und eine großartig, wohldurchdachte, spannende Handlung geschaffen hat. Die visuellen Effekte sind angemessen, die Schauspieler talentiert.

Natürlich muss man gewillt sein sich auf eine durchgehende Handlung einzulassen. Am besten genießt man die Serie per Binge-Watching. Denn natürlich gibt es am Ende jeder Folge einen Cliffhanger und man brennt darauf zu erfahren wie es weitergeht.

Für mich ist die Serie auf jeden Fall dem ausgeflippten Film gegenüber vorzuziehen.

 

Jones bereitet die nächste Reise vor