Alien Covenant – Von Alien zu Prometheus und weiter.

27. Jun. 2017 | Blog, Kinofilme, Reviews | 0 Kommentare

Inhalt:

Das Raumschiff „Covenant“ ist ein Siedlerschiff mit 2000 Menschen in Tiefschlafkammern, die zu einem fernen Planeten unterwegs sind. An Bord wacht der Androide David über die Schläfer und die, ebenfalls im Tiefschlaf befindlichen, Besatzungsmitglieder. Sieben Jahre vor ihrer Ankunft fängt der Bordcomputer „Mutter“ ein Funksignal auf, das wohl menschlichen Ursprungs ist. Die Besatzung wird geweckt um zu entscheiden, was zu tun ist. Die Crew stellt bei der Datenbankabfrage fest, dass der Planet wohl auch in der Lage wäre die Siedler aufzunehmen und so entschließt man sich dem Funksignal nachzugehen. Wie so oft geht die Landung des Shuttles nicht ohne Blessuren ab und während eine Technikerin an Bord bleibt um Reparaturen durchzuführen bricht der Rest des Erkundungsteams auf um das Funksignal zu finden. Leider infizieren sich zwei Crewmitglieder mit winzigen Pilzsporen, die in ihrem Körpern schnell zu „Neomorphen“ heranwachsen. Während einer der Infizierten an Bord gebracht werden kann und dort Chaos anrichtet ist die aufgeteilte Gruppe im Gelände auf dem Rückweg. Doch das im Shuttle ausgebrachte Alien sorgt für eine Explosion des Raumschiffs. Die Überlebenden kämpfen gegen das inzwischen zweite geschlüpfte Alien als sie unerwartete Hilfe von „Walter“ bekommen, jenem Androiden, der vor zehn Jahren mit der Prometheus verschwand. Der „Bruder“ von Android David erzählt ihnen, dass die damals entkommene Astronautin ihn wieder repariert hatte bevor sie auf diesem Planeten abstürzten. Dabei sei sie zu Tode gekommen. Während die Covenant-Crew auf die Rettung durch ihre Kollegen vom Raumschiff im Orbit hoffen kristallisiert sich langsam heraus, dass der als harmlos angesehene Walter wohl selbst Gott spielen wollte indem er an den Aliensporen herumexperimentierte. Als die Crew ihren tödlichen Irrtum bemerkt ist es fast schon zu spät.

Filmplakat

Analyse:

Dass aus dem Film „Alien“ einmal ein solch großes Franchise werden würde hatte sich Regisseur Ridley Scott sicher nicht vorstellen können. Der Film war 1978 eine Auftragsarbeit von 20th Century Fox, die nach dem großen Erfolg von „Krieg der Sterne“ einen weiteren SciFi-Film produzieren wollte. Zum Glück schlummerte in den Archiven des Studios noch ein abgelehnter Drehbuchentwurf namens „Starbeast“ von Dan O’Bannon und Ronald Shusett. Die Idee von O’Bannon war, und so bot er es auch den Studios an, einen „Weißen Hai im Weltraum“ zu drehen. Bereits vor der Produktion war O’Bannon von den Werken H.R.Gigers, einem schweizer Designer, begeistert und richtete seinen Drehbuchentwurf danach aus.

Schon früh wurde klar, dass der Titel „Starbeast“ eher Assoziationen zu billig produzierten Monsterfilmen weckte und so kam die Idee auf den Begriff „Alien“ (fremd) zu verwenden weil er nicht nur einen Einwanderer bezeichnete sondern auch als Adjektiv verwendet werden konnte. Frühe Entwürfe zum Raumschiffdesign des Künstlers Chris Foss wurden angefertigt, schließlich aber nicht verwendet weil der Regisseur Ridley Scott eigene Ideen und Storybooks einbrachte.

Als der Film 1979 in die Kinos kam war er, nach dem eher naiven „Krieg der Sterne“, ein ernstzunehmender Erwachsenenfilm, der mehr dem Horrorgenre zuzuordnen war. Außerdem wurde gerade die schaurige Geburtsszene an Bord der Nostromo zum absoluten Zugpferd für den Film, da man im Mainstreamkino damals eher auf Splatterszenen verzichtete. Das Marketing ging sogar soweit dass man freiwilligen Zuschauern EKG-Elektroden auf die Brust klebte um später damit werben zu können wie aufgeregt die Besucher waren (Ja, auch in Deutschland). Nach dem riesigen Erfolg des Films war es nur eine Frage der Zeit bis das Studio einen zweiten Film in Auftrag gab.

Regisseur James Cameron gelang das Kunststück den ersten Film nicht einfach zu wiederholen sondern einen eigenständigen, neuen Alienfilm zu produzieren. Mit viel Action und vielen Aliens vermochte es Cameron die Ausrichtung des Spektakels zu verändern und konnte sich glücklicherweise nicht nur auf bessere Aliendesigns verlassen sondern auch auf die erneute Mitwirkung von Darstellerin Sigourney Weaver, die im ersten Film überlebt hatte. Gleichzeitig festigte Cameron die Rolle „starke Heldin“. Während „Ripley“ sich im ersten Film noch eher zufällig als Überlebende aus dem Cast herauskristallisiert hatte war in „Aliens“ ihre Figur eindeutig die Heldin und wurde damit zur Stilikone für zukünftige Heldinnen. Cameron hatte in seinem Film „Terminator“ bereits mit Sarah Connor eine starke Frauenfigur eingeführt, in „Aliens“ wiederholte er dies.

Die Fans des Franchise halten die ersten beiden Alienfilme noch  immer für die Besten. „Alien“ wegen seines Gothic-Horrors und „Aliens“ wegen seiner Actionhandlung. Leider bewies das Studio jedoch kein gutes Händchen mehr als es darum ging weitere Teile in Auftrag zu geben. „Alien 3“ wurde von David Fincher inszeniert, einem Regisseur, der sich mit dem Horrordrama „Se7en“ einen Namen gemacht hatte. Der typische Stil Finchers mit monochromen Bildern und das Setting in einer Strafanstalt im All war nicht übermäßig publikumswirksam und so floppte der Film.

Auch wenn man in dem folgenden Teil 4 versuchte an die Action aus Teil 2 anzuknüpfen wurde auch das Werk des Franzosen Jean-Pierre Jeunet kein finanzieller Erfolg trotz bekannter Namen wie Wynona Rider und Ron Pearlman und Joss Wheadon als Drehbuchautor blieb das Einspielergebnis hinter den Erwartungen zurück. Lange Zeit sah es so aus als ob nach 1997 keine weiteren Auftritte des Aliens mehr folgen würden.

Doch dann besann man sich auf einen erfolgreichen Comic in dem das Alien gegen den Trophäenjäger aus dem Film „Predator“ antrat. Immerhin reichte es für zwei Filme um das Franchise am Leben zu erhalten. Umso erstaunter waren die Fans als Ridley Scott bekannt gab, dass er vorhätte die Vorgeschichte zu „Alien“ zu inszenieren.

In „Prometheus“ trifft eine Raumschiffbesatzung tatsächlich auf eines der ringförmigen Raumschiffe das man aus dem ersten Teil kennt. Und auch hier gibt es bald Probleme mit fremden Organismen, die sich in menschlichen Körpern ausgesprochen wohlfühlen bevor sie schlüpfen. Am Ende überlebt mal wieder eine Frau (mit dem Kopf des Androiden Walter im Gepäck) und hebt mit dem Alienschiff ab. Die philosophisch angehauchte Geschichte enttäuschte die Fans doch sehr. Die vertrauten Aliens traten kaum auf, stattdessen wurden merkwürdige Tentakelmonster angeboten, denen man ihre CGI-Herkunft allzu deutlich ansah. Auch wenn sich Ridley Scott wieder selbst in den Regiestuhl gesetzt hatte vermochte er es nicht die Fans von der neuen Szenerie zu überzeugen. Wie so häufig bei Prequels ist es immer schwierig Spannung zu erzeugen wenn der Zuschauer zu wissen glaubt wohin die Sache hinführen soll. Dementsprechend blieb die Frage ob es tatsächlich noch zu einer Fortsetzung von „Prometheus“ kommen würde. Immerhin deutete das Ende ja an, dass die Geschichte weitergeführt werden könnte. Nun ist mit „Alien:Covenant“ ein neuer Film erschienen und als Fan möchte man gerne wissen wie es weitergeht.

Eines der Aliens

Ein Xenomorph greift an

Kritik:

Um es gleich vorwegzunehmen. Wirklich befriedigend ist auch „Alien: Covenant“ nicht. Wir erleben nicht die weiteren Abenteuer der überlebten Dr.Elizabeth Shaw sondern treffen irgendwann den reparierten Androiden Walter, von dem in „Prometheus“ nur ein Kopf übriggeblieben war. Genau genommen ist der neue Film nichts Anderes als eine Ansammlung von Versatzstücken aus den bisherigen Filmen. Ein Raumschiff, das auf ein Funksignal reagiert, eine Mannschaft, die von herumlaufenden Aliens dezimiert wird bis zum actionreichen Showdown. Dabei ist der komplette Film so düster gehalten dass man sich ständig wünscht, dass mal jemand den Lichtschalter findet.

Die Inszenierung ist routiniert und die tricktechnisch vielleicht beeindruckendste Szene ist komischerweise eine Einstellung wenn Michael Fassbender als Walter sich selbst bzw. seinem Gegenpart David, den er auch darstellt, Blockflöte spielen beibringt. Es ist beinahe schon faszinierender zu beobachten wie toll heutzutage Doppelgängeraufnahmen koordiniert werden können als alle CGI-Aliens und Raumschiffszenen zusammen. Leider liegt der Fokus des Filmes mehr auf der Doppelrolle von Michael Fassbender als auf den Aliens.

Wie schon in „Prometheus“ ergründet Ridley Scott eher die Frage „Wer hat uns erschaffen“ bzw. „Können wir selbst Gott spielen?“ Ridley Scott deutete an, dass die neue Filmreihe die Entwicklung der Xenomorphen zeigen würde. Dabei dürfte David mit seinen Zuchtexperimenten Erfolg haben und als Fan kann man sich bereits auf den nächsten Film freuen, der 2018 gedreht werden soll. Es ist für Ridley Scott sicherlich nicht einfach. Eigentlich sollte neben einer Prometheus-Filmreihe auch eine separate Alien-Reihe entstehen. Nun wurden die beiden Konzepte  zusammengelegt. Dementsprechend macht der Film „Alien: Covenant“ den Eindruck als ob Scott zwei Filme vorgelegt hat: Einerseits die Geschichte von David, der gerne Schöpfer spielt. Andererseits aber ein Alien Actionfilm, der erst gegen Ende wirklich in Fahrt kommt. Die Szenen, in denen die Aliens schlüpfen, sind beinahe schon nebensächlich geworden und gehen in der Hektik der Szenen unter. Da war selbst in „Prometheus“ die Geburtsszene mit Dr.Shaw noch spannender inszeniert.

FAZIT:

Es ist ein wenig schade, dass Ridley Scott nicht die Geschichte der Ärztin aus dem letzten Teil erzählt sondern das Hauptgewicht auf die Identitätsfindung des Androiden legt. Dabei hätte Scott ausreichend Gelegenheit gehabt dieses Thema in dem gerade anstehenden Film „Blade Runner: 2049“ (Deutscher Start: 5.Oktober 2017) zu erörtern. Die Aliens sind als Actionelement zwar vorhanden, verschwinden aber auch genauso schnell wie sie gekommen sind von der Leinwand.

Der Film „Alien: Covenant“ ist sicherlich keine Offenbarung. Einerseits als klischeebehaftetes „Zehn kleine Negerlein“-Spielchen konzipiert langweilt der Film mit seinen philosophischen Betrachtungen. Die Actionszenen sind mal wieder äußerst hektisch und geben dem Zuschauer kaum Gelegenheit einen vernünftigen Blick auf die verschiedenen Alien-Varianten zu werfen. Auch sind die menschlichen Figuren mal wieder dermaßen farblos dass man niemanden eine Träne nachweint wenn es ihn erwischt hat. Hoffen wir auf einen weiteren Film, der mehr richtig macht.

Dumm gelaufen für Dr. Shaw

Daniels ist die neue Ripley