Remake der Woche

And Then There Were None

Mal ganz ehrlich. Wie oft wurden Agatha Christie Romane schon verfilmt? Die Königin des Krimis hat nicht nur viele Bücher verkauft sondern auch die Verfilmungen für Kino und Fernsehen dürften so Einiges an Lizenzgebühren in die Kassen der Christie-Erben gespült haben. Das britische Fernsehen wird nicht müde immer wieder neue Verfilmungen ins Rennen zu schicken. Anfang des Jahres floppte allerdings die Verfilmung „Partners in Crime“ und wird (leider) nicht fortgesetzt. An der Inszenierung lag es sicherlich nicht, eher an den eher unbekannten Stories.

Zwischen Weihnachten und Neujahr strahlte die BBC nun eine Neuverfilmung einer der wohl bekanntesten Romane der Autorin aus. „And then there were none“, deutsch „Und dann gabs keines mehr“. Manchen Lesern und Zuschauern wird die Geschichte wohl eher unter dem Namen „Zehn kleine Negerlein“ bekannt sein. Der Titel wurde jedoch, wegen der rassistisch wirkenden Formulierung geändert. Auch der englische Originaltitel „Ten little Indians“ ist da nicht besser. Folgerichtig hat auch die TV-Sendung aus der Bevölkerungsgruppe „Kleine Kindersoldaten“ gemacht. Nach sieben Verfilmungen für TV und Kino ist die neueste Adaption auf drei Folgen ausgelegt und hält sich eng an die Literaturvorlage.

Die Schauspielerriege ist, wie so oft bei Agatha Christie-Verfilmungen, prominent besetzt. Charles Dance, der in „Game Of Thrones“ und zahlreichen Kinofilmen brillierte spielt hier den Richter Wargrave. Burn Gorman ist Torchwood-Fans ein Begriff und Sam Neill wurde mit dem Film „Jurassic Park“ zum Star. Ein bisher kaum beachteter Darsteller namens Noah Taylor ist in jüngerer Zeit immer öfters in führenden Rollen zu sehen. In der Serie „Powers“ war er ein teleportierender Antiheld und auch in „Game Of Thrones“ war sein narbiges, markantes Gesicht in acht Episoden zu sehen. Maeve Dermody ist bisher noch in keinen großen Produktionen zu sehen gewesen. Dafür ist Anna Maxwell Martin eine gefragte Darstellerin, die jüngst in „The Frankenstein Chronicles“ die Rolle der Mary Shelley spielte.

Der Dreiteiler hält sich an das Buch und dessen originalem Ende – anders würde der Titel auch keinen Sinn machen. In anderen Verfilmungen gelingt es am Ende einigen Leuten den Killer auszutricksen und zu überleben. Die Verfilmung nutzt die dreistündige Spielzeit voll aus und fügt auch Rückblenden in Form von Erinnerungen ein, sodass man auch noch mehr Charaktere zu sehen bekommt als nur die zehn potentiellen Opfer. Leider nutzt der Regisseur manchmal auch Stilmittel wie Zeitlupen, die den Episoden nicht gut bekommen. Dafür hat die lange Spielzeit den Vorteil, dass die beklemmende Stimmung gut rüberkommt.

Die Darsteller bekommen, dank der zur Verfügung stehenden Zeit, auch die Gelegenheit etwas ausführlicher mit ihrer Kunst zu brillieren. Da macht sich der Einsatz der routinierten Theaterschauspieler wirklich bezahlt. Auch die Einsamkeit der Insel wurde durch die Kameraperspektiven und durch imposante Wolkengebilde noch unterstrichen.

Das einzig blöde an dieser Verfilmung ist, dass man die Geschichte sicherlich aus der einen oder anderen Verfilmung – oder gar aus dem Roman kennt. In sofern ist die Story leider nicht mehr überraschend. Nur wer die Spielfilme oder Bücher nicht kennt wird von der düsteren Stimmung gefangengenommen. Wahrscheinlich ist es auch besser wenn man alle drei Folgen direkt nacheinander konsumiert. Die Trennung in mehrere Episoden ist leider eher kontraproduktiv.

Die Verfilmung ist auf jeden Fall sehenswert.

Sam Neill ist General John MacArthur

(Bild: BBC)

Noah Taylor ist Thomas Rogers

(Bild: BBC)

Anna Maxwell Martin ist Ethel Rogers

(Bild: BBC)

Charles Dance ist Richter Laurence  Wargrave

(Bild: BBC)