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[/media-credit] Serienlogo

Es ist nun schon Jahrzehnte her, da steckte das deutsche Kabelfernsehen noch in den Kinderschuhen. Obwohl man in der Lage gewesen wäre mehr Programme einzuspeisen, so war die deutschsprachige TV-Landschaft doch noch sehr überschaubar. Deshalb füllte man das Kabel mit ausländischen Sendern auf, sodass auch Sender wie der „NBC-Superchannel“ den Weg ins deutsche Kabelnetz fand. Damals gefiel mir eine TV-Serie recht gut, die in einer dystopischen, zukünftigen Welt spielte und eine der ersten Serien war, die auf computergenerierte Gegenspieler setzte. „Captain Power And The Soldiers Of The Future“.

Schaut man sich die Serie heute an, dann fallen die, für heutige Begriffe, unrealistischen Roboter auf, die aber den Stand der Entwicklung 1987 in der Computergrafik (fürs TV) darstellten. Außerdem gibt es Gegner, die merkwürdig flackernde Brustpanzer tragen, die irgendwie ziehmlich störend sind. Wie ich damals herausfand war das von der Spielzeugfirma Mattel so gewünscht, denn es gab spezielle Spielzeuge, Waffen und Schilde zu kaufen, die auf die codierten Lichtreize reagierten. Kinder konnten so selbst auf die Bösewichte „schießen“ und wenn die Fotozelle den Gegner erkannte, hatte man getroffen.

Inhalt

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[/media-credit] Der Captain in Action

Die Serie handelt von einer kleinen Gruppe von Soldaten, die mithilfe spezieller Rüstungen, besonders geeignet waren um gegen den Alien-Widersacher zu kämpfen und in verschiedenen Scharmützeln die Oberhand zu gewinnen. Zentrale Figur der „Soldaten der Zukunft“ war ein gewisser „Captain Power“, Sohn eines Wissenschaftlers, der einen Supercomputer namens „OverMind“ erschaffen wollte. Da sein Assistent, ein gewisser Lyman Taggert, zu ungeduldig wurde, verband dieser sich mithilfe von kybernetischen Implantaten mit „OverMind“ und wurde wahnsinnig und nennt sich nun „Lord Dread“. Zusammen mit „OverMind“ versucht er nun mithilfe von roboterähnlichen BioDreads die Erde zu beherrschen und greift ständig Captain Power und seine Leute an.

Die Exoskelett-Anzüge, die Powers Vater konstruiert hatte, sind nur Prototypen und versagen auch schon mal ihren Dienst. Aber sie müssen die Menschen, die während des „MetalWars“ in den den Untergrund gegangen sind, beschützen und suchen immer wieder eine Möglichkeit zum Schlupfwinkel Dreads, der Stadt Vulkania, vorzudringen um das Projekt „New Order“ aufzuhalten.

Produktion

Captain Power Werbung

[/media-credit] Flop am Spielzeugmarkt

Die Serie wurde von Gary Goddard und Tony Christopher erfunden und von Marc Scott Zicree fürs Fernsehen weiterentwickelt. Trotzdem gilt ein Mann als treibende Kraft hinter dem Projekt, der später mit „Babylon 5“ Weltruhm erlangen sollte: J. Michael Straszynski.  Die Serie wurde weitestgehend von Spielzeugfabrikant Mattel finanziert um die Figuren und interaktiven Waffen zu verkaufen. Da die Umsatzzahlen jedoch hinter den Erwartungen zurückblieben – und die Spielzeuge auch nicht so funktionierten wie es beabsichtigt war – blieb es bei einer Staffel von 24 Episoden. Eine zweite Staffel war in der Vorbereitung, die dann allerdings nur 18 Episoden umfassen sollte.

Einer der Gründe für das Scheitern der Serie waren die Kritiken, die die Serie einstecken musste. Einerseits richtete sie sich an Kinder, andererseits war das düstere Setting und die erwachsenen Themen, aber auch die aggressive Sprache weniger für jüngere Zuschauer geeignet. Straszynski und Co-Autor Larry DiTillio hatten bewusst ein ernsteres Setting gewählt und konnten die Kritik durch die Produzenten und die Öffentlichkeit nicht wirklich nachvollziehen. Einige Produzenten verlangten mehr Startrek-ähnliche Folgen oder Terminator-Anklänge. Straszynski sagte jedoch: „Wenn Sie ein weiteres Terminator wünschen, dann rufen Sie James Cameron an!“

Werbung für das Spielzeug

Und so ist die TV-Serie einerseits auf Kinder fixiert, verfehlt aber ein wesentlich dankbareres, älteres Publikum indem sie die merkwürdigen Leuchteffekte für die Spielzeuge aufblitzen lässt, die die Serie eigentlich unanschaubar machen. Wer trotzdem dranbleibt kann eine Mischung aus Vorläufer von Babylon5  und Terminator zu Zeiten der Roboterkriege sehen. Die Effekte sind, was die Modellarbeit betrifft, auf der Höhe der Zeit. Auch die aufwändigen Kostüme für die Soldaten, aber auch für die bösen Gegnersoldaten, sind sehenswert. Einzig die computeranimierten, fliegenden BioDreads stören das Gesamtbild, da sie sich nicht richtig in die Szenen einzufügen vermögen.

BioDread

[/media-credit] BioDread in Action (Ja, es ist wirklich ein Filmbild)

Dass die Idee große Ähnlichkeit mit den japanischen Roboter- und Mecha-Animes aufweist ist sicher kein Zufall. Exoskelette und mechanische Kampfroboter sind dort ja üblich und viele Filmemacher versuchten den Trend aus Japan in die USA zu holen – ohne das meist quietschbunte Design zu übernehmen. „Captain Power“ mit seiner Tagline „Power on“ erinnert daher nicht von ungefähr an Ultraman und Kamen Rider. Und die Power Rangers atmen sicherlich die gleiche Luft, sind aber auch nicht so düster wie „Captain Power and the soldiers of the Future“

Während die meisten Schauspieler aus der Serie später kaum noch Rollenangebote bekamen verhalf die Serie der Schauspielerin Jessica Steen zu größeren Auftritten. So war sie eine der Hauptdarstellerinnen in der SciFi-Serie „Earth2“, trat in drei Episoden von „The Outer Limits“ auf und spielte von 2007 bis 2009 in „Heartland – Paradies für Pferde“ mit. Im Michael Bay Film „Armageddon“ war sie, wie bereits bei CaptainPower, die Pilotin des Space Shuttles.

Hauptdarsteller Tim Dunnigan war eigentlich als Templeton „Face“ Peck in der Serie „Das A-Team“ vorgesehen, wurde damals jedoch durch Dirk Benedict ersetzt. Seit 2002 hat er die Schauspielerei an den Nagel gehängt und arbeitet als Grundstücksmakler.

In Deutschland wurde „Captain Power And The Soldiers Of The Future“ 1989 montags auf RTL-Plus ausgestrahlt. Eine deutschsprachige DVD gibt es bisher noch nicht. Eine amerikanische DVD scheint hingegen mehr schlecht als recht erstellt worden zu sein. Es wäre wünschenswert wenn man diese Serie einmal remastert und eventuell dabei die Flimmerpanzer entfernt. Dann würde sich ein Kauf sicherlich lohnen.

Fazit:

Soldiers

[/media-credit] Die Besetzung 1.Staffel

Die Serie war erstaunlich erwachsen und es störte eigentlich nur das Spielzeuggeflimmer. Die Charaktere sind sehr herzlich miteinander umgegangen sodass man sich leicht mit ihnen und ihren Problemen identifizieren konnte. Die Brutalität und auch das schockierende Ende zum Staffelfinale heben es über das damalige Serieneinerlei heraus. Die komplexe Handlung und der übergreifende Story-Arc sollte in der zweiten Staffel weitergeführt und aufgelöst werden. Doch leider wurde die Serie, trotz schon existierender Drehbücher, vor Produktionsbeginn eingestellt.

Es ist ein wenig schade, dass damals die Bildqualität der Ausstrahlung durch die ständige Schummerbeleuchtung sehr schlecht war. Die damalige Aufnahmetechnik ließ die Serie noch zusätzlich „schmutzig“ aussehen. Heutzutage, mit entsprechenden HD-Kameras gefilmt und den visuellen Effekten, würde die Serie sicherlich ein Hit auf den Sendern sein – sofern man auf die überflüssigen Blitzeffekte verzichtet. Dass Exoskelette visuell heute überzeugend dargestellt werden können beweist der überraschend kurzweilige Kinofilm „Edge Of Tomorrow“ mit Tom Cruise.

Intro zur Serie:

https://www.youtube.com/watch?v=M678PVOf5F0