Jonathan Creek – Eine vergessene Krimiserie

Jonathan Creek – Eine vergessene Krimiserie

Wer ist Jonathan Creek?

Die BBC startete die Krimiserie „Jonathan Creek“ im Jahre 1987 mit zunächst fünf Folgen. Sie handelt von dem talentierten Designer Jonathan Creek der für einen befreundeten Bühnenmagier die Trickvorrichtungen konstruierte und baute. Als eine Journalistin von einem unmöglichen Mordfall erfährt zieht sie Creek zu Rate. Seine Kenntnis der Ablenkung und Showtricks verhelfen zu der richtigen Lösung des Falls. In weiteren Fällen wird Creek immer wieder hinzugezogen wenn Todesfälle von übernatürlichen oder magischen Erscheinungen begleitet werden. Er glaubt nicht an Übersinnliches und kann sämtliche Fälle auf mentale oder mechanische Begleitumstände zurückführen. Unerschütterlich grübelt er über logische Erklärungen, auch wenn seine Mitmenschen bereits übernatürliche Lösungen akzeptiert haben.

Die Serie brachte es zwischen 1987 und 2004 auf immerhin vier Staffeln und einige Weihnachtsspecials bevor sie zunächst für fünf Jahre pausierte. Zwischen 2009 und 2014 wurden immerhin noch einzelne Weihnachtsepisoden ausgestrahlt bevor die Serie mit einer fünften Staffel im Jahr 2014 mit drei Folgen fortgesetzt wurde. 2016 wurde ein weiteres Xmas-Special ausgestrahlt.

Darsteller Alan Davies beklagte die zu langen Arbeitszeiten und die verringerten Gehaltszahlungen weswegen er sich nicht mehr auf komplette Staffeln einließ. Trotzdem genießt die Serie in Großbritannien inzwischen einen großen Kultstatus, da die Fälle und deren Auflösung derart skurril sind, dass die Zuschauer ständig nach mehr verlangen.

Jonathan Creek erinnert sicherlich in manchen Dingen an Sherlock Holmes, ist charaktermäßig aber aus anderem Holz geschnitzt. Die Kriminalfälle interessieren ihn eigentlich weniger und auch seine Ehefrau tut so Einiges um zu verhindern, dass merkwürdige Fälle an ihn herangetragen werden. Allerdings ist sie auch gerne bereit als Assistentin zu fungieren wenn erst einmal der Jagdinstinkt erwacht ist.

Es ist eigentlich erstaunlich, dass die originelle Serie es noch nicht nach Deutschland geschafft hat. Der eigenwillige Humor und die haarsträubenden Fälle würden sich nahtlos in das Programmschema des ZDF zwischen Inspector Barnaby und anderen britischen Ermittlerrn eingliedern. Inzwischen gibt es 32 Fälle, was reichlich Sendestoff für deutsche Fernsehstationen abgeben würde.

 

 

Jonathan und Maddie

(BBC – 1987)

Best scene ever

In einem Fall der fünften Staffel konnte ich mich vor Lachen kaum halten. Ich beschreibe einmal die Szene, die sehr gut den Humor der Serie illustriert:

Polly, Jonathan Creeks Ehefrau, wird von einer älteren Dame in ihr Cottage geben weil sie fragen möchte, ob sich Jonathan ihres Falles annehmen könne. Sie war am Vormittag mit der Urne ihres verstorbenen Mannes im Hause herumgewandert als ihr einfiel, dass sie ja eigentlich eine dringende Verabredung hatte. In ihrer Hektik kippte sie die Urne um sodass die Asche ihres Mannes auf den Parkettfußboden fiel. Sie hatte allerdings keine Zeit sich um das Malheur zu kümmern und verließ erst einmal eilig das Haus. Als sie jedoch zurückkam war die Asche ihres Mannes verschwunden! War ihr Mann etwa von den Toten auferstanden und lief nun im Dorf herum? Oder sind sogar Geister verantwortlich?

Was würde Jonathan Creek dazu sagen?

Polly bittet die Witwe sich erst einmal zu beruhigen und ein Stück Kuchen zu sich zu nehmen während sie sich eine plausible Erklärung überlegen. Schon ist Polly bereit Jonathan doch wegen der verschwundenen Asche um seine Meinung zu bitten und lässt versehentlich ein paar Kuchenkrümel auf den Fußboden fallen.

Und dann biegt der automatische Putzroboter um die Ecke um die Krümel aufzusaugen……

Dialogbeispiel:

Jonathan bekommt von einem Mädchen auf einem Reiterhof einen Fotoapparat in die Hand gedrückt. Er soll jemanden vor den Ställen fotografieren, weil sie gerade woanders hin soll. Jonathan fotografiert und gibt dem Mädchen später den Apparat zurück.

Jonathan: „Ich fürchte, ich habe Deinem Pferd den Kopf abgeschnitten!“

Mädchen: „Sie Mörder!!!!“

 

Jonathan und Polly

(BBC – 2015)

Tatort – Til Schweiger zerlegt Hamburg

Tatort – Til Schweiger zerlegt Hamburg

Tatort "Der Große Schmerz" und "Fegefeuer"

Inhalt:

In diesem Zweiteiler werden Nick Tschillers Tochter und seine Ex-Frau entführt damit er einen türkischen Gefangenen befreit. Dabei wird er in einen Strudel von Gewalttaten gerissen, die das eine oder andere Opfer verlangen. Als dann auch noch die Redaktion der ARD-Nachrichten als Geisel genommen wird beginnt ein Countdown zu ticken. Nick kann nur mit dem türkischen Mafiaboss untertauchen und wird von allen Seiten gejagt.

Nick gräbt etwas aus.

(Bild: ARD)

Analyse:

Wenn Til Schweiger in Hamburg ermittelt fliegen die Fetzen. Er ist kein normaler LKA-Beamter, der sich penibel an die Vorschriften hält – vor Allem nicht wenn es um seine eigene Familie geht. Der Schauspieler versprach im Vorwege „Action a la Hollywood“ und dementsprechend kracht und scheppert es an allen Enden. Schießereien, Autoverfolgungsjagden und Explosionen sowie eine Story, die sich kaum Zeit für Atempausen nimmt. Das Versprechen wurde tatsächlich gehalten. Für einen Tatort ist diese Orientierung ungewöhnlich wenngleich man ein paar Abstriche machen muss.

Die Geschichte, die diesmal erzählt wird ist am ehesten mit „24“ mit Kiefer Sutherland vergleichbar. Eine Familie, die entführt wird um einen Mafiaboss aus dem Knast zu holen. Und später von Polizei und Verbrechersyndikaten gejagt zu werden, all dies gab es bei „24“ auch. Til Schweiger wird immer gern als „deutscher Bruce Willis“ gehandelt. Hier wirkt er aber eher wie ein „deutscher Kiefer Sutherland“. Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied zwischen den Beiden. „Jack Bauer“ wirkt bei all seinen Aktionen sehr vielschichtig, trotz seiner Gewaltbereitschaft immer noch sympathisch. Leider kann man das von Herrn Schweiger nicht behaupten. Es ist schade, dass die Geschichte es ihm nicht erlaubt auch menschliche Züge zu zeigen. Im ersten Teil des Tatorts „Der große Schmerz“ blitzt nur kurz etwas wie Emotion auf wenn er seine Tochter befreien kann. Ansonsten läuft Nick Tschiller ständig miesgelaunt durch die Gegend und verspielt damit jegliche Sympathiepunkte, die man für die Figur haben könnte. Lediglich sein türkischer Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) ist eine Identifikationsfigur für den Zuschauer.

Es ist schon etwas befremdlich wenn man kaum Mitgefühl für die Hauptfiguren aufbringen kann. Und so prasselt das Actionfeuerwerk auf den Zuschauer ein ohne jemals wirklich das Gefühl von Gefahr zu vermitteln. Dabei kann man der Produktion durchaus zugestehen, dass die Actionmomente gelungen sind und sich nicht hinter amerikanischen Vorbildern verstecken müssen. Auch Kampfszenen sind in deutschen TV-Serien eher selten und so darf Til Schweiger auch schon Mal die Fäuste sprechen lassen. Diese sprechen dann eine deutliche Sprache, was bei den Dialogen leider nicht immer der Fall ist. Man hat schon viel über Schweigers Nuscheln geschrieben und es gab auch hier so einige Szenen, in denen das vorkam. Allerdings hatten auch die anderen Charaktere ständig etwas heimlich zu besprechen und flüsterten und raunten sich etwas zu. Wenn man dann noch die türkischen und russischen Figuren berücksichtigt, deren Deutsch manchmal nur gebrochen rüberkam, dann hat man als Zuschauer doch so seine Probleme den Dialogen zu folgen. Ich hätte vielleicht doch die Untertitel einschalten sollen…

Selbst die groß angekündigte Helene Fischer, die als Auftragskillerin eigentlich eine gute Figur machte, durfte nur in gebrochenen Deutsch palavern und ansonsten russische Brocken von sich geben. Ihr Auftreten als Killerin war nicht schlechter als die Performance so mancher anderen Laiendarsteller, die als Randfiguren auftraten. Da fiel schon Til Schweigers Tochter eher negativ auf. Aber das sind Details, die nicht unbedingt ins Gewicht fallen.

Viel schlimmer war in meinen Augen, dass man sich zwar fleißig aus dem Fundus von Actionfilmen bediente, dafür aber das Gesamtbild irgendwie nicht stimmte. Ein eher unsympathischer Hauptdarsteller, sehr viele klischeebehaftete Bösewichte und dazu noch ein Colorgrading der besonderen Art. Das Einfärben von Szenen ist leider in der heutigen Zeit zu einem Stilmittel geworden, das den Zuschauer eher auf Distanz hält als dass es ihm Zusatzinformationen vermittelt.

Warum muss das Polizeihauptquartier im goldgelben Look eingefärbt sein? Warum werden Schauplätze, wo es düster zugeht immer türkis oder blau gefärbt? Es spricht nichts dagegen Szenen dezent farbzukorrigieren. Aber dieses auffällige Einfärben der Szenen ist kontraproduktiv. Das ist zwar kein rein deutsches Problem, aber es stört mich jedes Mal wenn es mir derart deutlich vorgeführt wird.

Ein anderes Problem, das ich hier sehe, ist der fehlende Humor. In den „Stirb Langsam“-Filmen mit Bruce Willis hatte der Hauptdarsteller immer einen lustigen Spruch auf den Lippen und auch wenn er dutzendweise Terroristen umbringen musste, so konnte man sich doch mit ihm identifizieren. Herr Schweiger steht so oft in der Kritik wegen seines stoischen Spiels. Andererseits kann er in Komödien durchaus auch lustig sein. Warum hat man die Figur des Nick Tschillers so bierernst gemacht, dass es aussieht, als ob Tschiller nur zwei Gesichtsausdrücke drauf hätte? Was könnte der Hamburger Tatort für ein Erfolgsmodell sein, wenn man Tschiller als sarkastischen Typen konzipiert hätte, der ein paar ulkige Oneliner drauf hätte? Er würde schlagartig sympathischer rüberkommen. Stattdessen erschießt er zwei Handys anstatt sie zu zertreten. Soll das etwa witzig sein?

Wenn ich sagen sollte, welche Szenen mir beim zweiten Teil „Fegefeuer“ am besten gefallen haben, dann müsste ich sagen: Die Szene als man den korrupten Senator mithilfe von fingierten SMS unter Druck setzte bis dieser am Ende die Konsequenzen zog. Dabei spielte Nick Tschiller allerdings keine Rolle, sondern sein türkischer Partner und eine Mitarbeiterin aus dem Hauptquartier. Das sagt eigentlich schon alles.

Nun schickt sich Til Schweiger an mit einem dritten Teil namens „Off Duty“ im Kino den Oberbösewicht endgültig das Handwerk zu legen. Sicher werden wieder zahlreiche Schweiger/Tschiller-Fans ins Kino gehen um den (Anti-)Helden im exotischen Ambiente zu erleben. Ich werde jedoch mein Geld lieber selbst behalten…..

 

Störe meine Kreise nicht,
Sonst werde ich noch böse, Wicht!

(Bild: ARD)

Wieder vereint. Nick und Familie

(Bild: ARD)

Leichen pflastern seinen Weg

(Bild: ARD)

Ines Kalloway schickt SMS

(Bild: ARD)

Helene kann auch anders!

(Bild: ARD)

Yalcin Gümer kann genauso!

(Bild: ARD)

Credits

Besetzung:

  • Nick Tschiller     Til Schweiger
  • Yalcin Gümer     Fahri Yardim
  • Lenny     Luna Schweiger
  • Isabella Schoppenroth     Stefanie Stappenbeck
  • Holger Petretti     Tim Wilde
  • Ines Kallwey     Britta Hammelstein
  • Constantin Revenbrook     Arnd Klawitter
  • Firat Astan     Erdal Yildiz
  • Hanna Lennerz     Edita Malovcic
  • Aleksej Brotzki     Sascha Reimann
  • Leyla     Helene Fischer

Team

  • Musik:     Martin Todsharow
  • Kamera:     Jakub Bejnarowicz
  • Buch:     Christoph Darnstädt
  • Regie:     Christian Alvart

And Then There Were None – BBC Neuverfilmung

And Then There Were None – BBC Neuverfilmung

Remake der Woche

And Then There Were None

Mal ganz ehrlich. Wie oft wurden Agatha Christie Romane schon verfilmt? Die Königin des Krimis hat nicht nur viele Bücher verkauft sondern auch die Verfilmungen für Kino und Fernsehen dürften so Einiges an Lizenzgebühren in die Kassen der Christie-Erben gespült haben. Das britische Fernsehen wird nicht müde immer wieder neue Verfilmungen ins Rennen zu schicken. Anfang des Jahres floppte allerdings die Verfilmung „Partners in Crime“ und wird (leider) nicht fortgesetzt. An der Inszenierung lag es sicherlich nicht, eher an den eher unbekannten Stories.

Zwischen Weihnachten und Neujahr strahlte die BBC nun eine Neuverfilmung einer der wohl bekanntesten Romane der Autorin aus. „And then there were none“, deutsch „Und dann gabs keines mehr“. Manchen Lesern und Zuschauern wird die Geschichte wohl eher unter dem Namen „Zehn kleine Negerlein“ bekannt sein. Der Titel wurde jedoch, wegen der rassistisch wirkenden Formulierung geändert. Auch der englische Originaltitel „Ten little Indians“ ist da nicht besser. Folgerichtig hat auch die TV-Sendung aus der Bevölkerungsgruppe „Kleine Kindersoldaten“ gemacht. Nach sieben Verfilmungen für TV und Kino ist die neueste Adaption auf drei Folgen ausgelegt und hält sich eng an die Literaturvorlage.

Die Schauspielerriege ist, wie so oft bei Agatha Christie-Verfilmungen, prominent besetzt. Charles Dance, der in „Game Of Thrones“ und zahlreichen Kinofilmen brillierte spielt hier den Richter Wargrave. Burn Gorman ist Torchwood-Fans ein Begriff und Sam Neill wurde mit dem Film „Jurassic Park“ zum Star. Ein bisher kaum beachteter Darsteller namens Noah Taylor ist in jüngerer Zeit immer öfters in führenden Rollen zu sehen. In der Serie „Powers“ war er ein teleportierender Antiheld und auch in „Game Of Thrones“ war sein narbiges, markantes Gesicht in acht Episoden zu sehen. Maeve Dermody ist bisher noch in keinen großen Produktionen zu sehen gewesen. Dafür ist Anna Maxwell Martin eine gefragte Darstellerin, die jüngst in „The Frankenstein Chronicles“ die Rolle der Mary Shelley spielte.

Der Dreiteiler hält sich an das Buch und dessen originalem Ende – anders würde der Titel auch keinen Sinn machen. In anderen Verfilmungen gelingt es am Ende einigen Leuten den Killer auszutricksen und zu überleben. Die Verfilmung nutzt die dreistündige Spielzeit voll aus und fügt auch Rückblenden in Form von Erinnerungen ein, sodass man auch noch mehr Charaktere zu sehen bekommt als nur die zehn potentiellen Opfer. Leider nutzt der Regisseur manchmal auch Stilmittel wie Zeitlupen, die den Episoden nicht gut bekommen. Dafür hat die lange Spielzeit den Vorteil, dass die beklemmende Stimmung gut rüberkommt.

Die Darsteller bekommen, dank der zur Verfügung stehenden Zeit, auch die Gelegenheit etwas ausführlicher mit ihrer Kunst zu brillieren. Da macht sich der Einsatz der routinierten Theaterschauspieler wirklich bezahlt. Auch die Einsamkeit der Insel wurde durch die Kameraperspektiven und durch imposante Wolkengebilde noch unterstrichen.

Das einzig blöde an dieser Verfilmung ist, dass man die Geschichte sicherlich aus der einen oder anderen Verfilmung – oder gar aus dem Roman kennt. In sofern ist die Story leider nicht mehr überraschend. Nur wer die Spielfilme oder Bücher nicht kennt wird von der düsteren Stimmung gefangengenommen. Wahrscheinlich ist es auch besser wenn man alle drei Folgen direkt nacheinander konsumiert. Die Trennung in mehrere Episoden ist leider eher kontraproduktiv.

Die Verfilmung ist auf jeden Fall sehenswert.

Sam Neill ist General John MacArthur

(Bild: BBC)

Noah Taylor ist Thomas Rogers

(Bild: BBC)

Anna Maxwell Martin ist Ethel Rogers

(Bild: BBC)

Charles Dance ist Richter Laurence  Wargrave

(Bild: BBC)