Alien Covenant – Von Alien zu Prometheus und weiter.

Alien Covenant – Von Alien zu Prometheus und weiter.

Inhalt:

Das Raumschiff „Covenant“ ist ein Siedlerschiff mit 2000 Menschen in Tiefschlafkammern, die zu einem fernen Planeten unterwegs sind. An Bord wacht der Androide David über die Schläfer und die, ebenfalls im Tiefschlaf befindlichen, Besatzungsmitglieder. Sieben Jahre vor ihrer Ankunft fängt der Bordcomputer „Mutter“ ein Funksignal auf, das wohl menschlichen Ursprungs ist. Die Besatzung wird geweckt um zu entscheiden, was zu tun ist. Die Crew stellt bei der Datenbankabfrage fest, dass der Planet wohl auch in der Lage wäre die Siedler aufzunehmen und so entschließt man sich dem Funksignal nachzugehen. Wie so oft geht die Landung des Shuttles nicht ohne Blessuren ab und während eine Technikerin an Bord bleibt um Reparaturen durchzuführen bricht der Rest des Erkundungsteams auf um das Funksignal zu finden. Leider infizieren sich zwei Crewmitglieder mit winzigen Pilzsporen, die in ihrem Körpern schnell zu „Neomorphen“ heranwachsen. Während einer der Infizierten an Bord gebracht werden kann und dort Chaos anrichtet ist die aufgeteilte Gruppe im Gelände auf dem Rückweg. Doch das im Shuttle ausgebrachte Alien sorgt für eine Explosion des Raumschiffs. Die Überlebenden kämpfen gegen das inzwischen zweite geschlüpfte Alien als sie unerwartete Hilfe von „Walter“ bekommen, jenem Androiden, der vor zehn Jahren mit der Prometheus verschwand. Der „Bruder“ von Android David erzählt ihnen, dass die damals entkommene Astronautin ihn wieder repariert hatte bevor sie auf diesem Planeten abstürzten. Dabei sei sie zu Tode gekommen. Während die Covenant-Crew auf die Rettung durch ihre Kollegen vom Raumschiff im Orbit hoffen kristallisiert sich langsam heraus, dass der als harmlos angesehene Walter wohl selbst Gott spielen wollte indem er an den Aliensporen herumexperimentierte. Als die Crew ihren tödlichen Irrtum bemerkt ist es fast schon zu spät.

Filmplakat

Analyse:

Dass aus dem Film „Alien“ einmal ein solch großes Franchise werden würde hatte sich Regisseur Ridley Scott sicher nicht vorstellen können. Der Film war 1978 eine Auftragsarbeit von 20th Century Fox, die nach dem großen Erfolg von „Krieg der Sterne“ einen weiteren SciFi-Film produzieren wollte. Zum Glück schlummerte in den Archiven des Studios noch ein abgelehnter Drehbuchentwurf namens „Starbeast“ von Dan O’Bannon und Ronald Shusett. Die Idee von O’Bannon war, und so bot er es auch den Studios an, einen „Weißen Hai im Weltraum“ zu drehen. Bereits vor der Produktion war O’Bannon von den Werken H.R.Gigers, einem schweizer Designer, begeistert und richtete seinen Drehbuchentwurf danach aus.

Schon früh wurde klar, dass der Titel „Starbeast“ eher Assoziationen zu billig produzierten Monsterfilmen weckte und so kam die Idee auf den Begriff „Alien“ (fremd) zu verwenden weil er nicht nur einen Einwanderer bezeichnete sondern auch als Adjektiv verwendet werden konnte. Frühe Entwürfe zum Raumschiffdesign des Künstlers Chris Foss wurden angefertigt, schließlich aber nicht verwendet weil der Regisseur Ridley Scott eigene Ideen und Storybooks einbrachte.

Als der Film 1979 in die Kinos kam war er, nach dem eher naiven „Krieg der Sterne“, ein ernstzunehmender Erwachsenenfilm, der mehr dem Horrorgenre zuzuordnen war. Außerdem wurde gerade die schaurige Geburtsszene an Bord der Nostromo zum absoluten Zugpferd für den Film, da man im Mainstreamkino damals eher auf Splatterszenen verzichtete. Das Marketing ging sogar soweit dass man freiwilligen Zuschauern EKG-Elektroden auf die Brust klebte um später damit werben zu können wie aufgeregt die Besucher waren (Ja, auch in Deutschland). Nach dem riesigen Erfolg des Films war es nur eine Frage der Zeit bis das Studio einen zweiten Film in Auftrag gab.

Regisseur James Cameron gelang das Kunststück den ersten Film nicht einfach zu wiederholen sondern einen eigenständigen, neuen Alienfilm zu produzieren. Mit viel Action und vielen Aliens vermochte es Cameron die Ausrichtung des Spektakels zu verändern und konnte sich glücklicherweise nicht nur auf bessere Aliendesigns verlassen sondern auch auf die erneute Mitwirkung von Darstellerin Sigourney Weaver, die im ersten Film überlebt hatte. Gleichzeitig festigte Cameron die Rolle „starke Heldin“. Während „Ripley“ sich im ersten Film noch eher zufällig als Überlebende aus dem Cast herauskristallisiert hatte war in „Aliens“ ihre Figur eindeutig die Heldin und wurde damit zur Stilikone für zukünftige Heldinnen. Cameron hatte in seinem Film „Terminator“ bereits mit Sarah Connor eine starke Frauenfigur eingeführt, in „Aliens“ wiederholte er dies.

Die Fans des Franchise halten die ersten beiden Alienfilme noch  immer für die Besten. „Alien“ wegen seines Gothic-Horrors und „Aliens“ wegen seiner Actionhandlung. Leider bewies das Studio jedoch kein gutes Händchen mehr als es darum ging weitere Teile in Auftrag zu geben. „Alien 3“ wurde von David Fincher inszeniert, einem Regisseur, der sich mit dem Horrordrama „Se7en“ einen Namen gemacht hatte. Der typische Stil Finchers mit monochromen Bildern und das Setting in einer Strafanstalt im All war nicht übermäßig publikumswirksam und so floppte der Film.

Auch wenn man in dem folgenden Teil 4 versuchte an die Action aus Teil 2 anzuknüpfen wurde auch das Werk des Franzosen Jean-Pierre Jeunet kein finanzieller Erfolg trotz bekannter Namen wie Wynona Rider und Ron Pearlman und Joss Wheadon als Drehbuchautor blieb das Einspielergebnis hinter den Erwartungen zurück. Lange Zeit sah es so aus als ob nach 1997 keine weiteren Auftritte des Aliens mehr folgen würden.

Doch dann besann man sich auf einen erfolgreichen Comic in dem das Alien gegen den Trophäenjäger aus dem Film „Predator“ antrat. Immerhin reichte es für zwei Filme um das Franchise am Leben zu erhalten. Umso erstaunter waren die Fans als Ridley Scott bekannt gab, dass er vorhätte die Vorgeschichte zu „Alien“ zu inszenieren.

In „Prometheus“ trifft eine Raumschiffbesatzung tatsächlich auf eines der ringförmigen Raumschiffe das man aus dem ersten Teil kennt. Und auch hier gibt es bald Probleme mit fremden Organismen, die sich in menschlichen Körpern ausgesprochen wohlfühlen bevor sie schlüpfen. Am Ende überlebt mal wieder eine Frau (mit dem Kopf des Androiden Walter im Gepäck) und hebt mit dem Alienschiff ab. Die philosophisch angehauchte Geschichte enttäuschte die Fans doch sehr. Die vertrauten Aliens traten kaum auf, stattdessen wurden merkwürdige Tentakelmonster angeboten, denen man ihre CGI-Herkunft allzu deutlich ansah. Auch wenn sich Ridley Scott wieder selbst in den Regiestuhl gesetzt hatte vermochte er es nicht die Fans von der neuen Szenerie zu überzeugen. Wie so häufig bei Prequels ist es immer schwierig Spannung zu erzeugen wenn der Zuschauer zu wissen glaubt wohin die Sache hinführen soll. Dementsprechend blieb die Frage ob es tatsächlich noch zu einer Fortsetzung von „Prometheus“ kommen würde. Immerhin deutete das Ende ja an, dass die Geschichte weitergeführt werden könnte. Nun ist mit „Alien:Covenant“ ein neuer Film erschienen und als Fan möchte man gerne wissen wie es weitergeht.

Eines der Aliens

Ein Xenomorph greift an

Kritik:

Um es gleich vorwegzunehmen. Wirklich befriedigend ist auch „Alien: Covenant“ nicht. Wir erleben nicht die weiteren Abenteuer der überlebten Dr.Elizabeth Shaw sondern treffen irgendwann den reparierten Androiden Walter, von dem in „Prometheus“ nur ein Kopf übriggeblieben war. Genau genommen ist der neue Film nichts Anderes als eine Ansammlung von Versatzstücken aus den bisherigen Filmen. Ein Raumschiff, das auf ein Funksignal reagiert, eine Mannschaft, die von herumlaufenden Aliens dezimiert wird bis zum actionreichen Showdown. Dabei ist der komplette Film so düster gehalten dass man sich ständig wünscht, dass mal jemand den Lichtschalter findet.

Die Inszenierung ist routiniert und die tricktechnisch vielleicht beeindruckendste Szene ist komischerweise eine Einstellung wenn Michael Fassbender als Walter sich selbst bzw. seinem Gegenpart David, den er auch darstellt, Blockflöte spielen beibringt. Es ist beinahe schon faszinierender zu beobachten wie toll heutzutage Doppelgängeraufnahmen koordiniert werden können als alle CGI-Aliens und Raumschiffszenen zusammen. Leider liegt der Fokus des Filmes mehr auf der Doppelrolle von Michael Fassbender als auf den Aliens.

Wie schon in „Prometheus“ ergründet Ridley Scott eher die Frage „Wer hat uns erschaffen“ bzw. „Können wir selbst Gott spielen?“ Ridley Scott deutete an, dass die neue Filmreihe die Entwicklung der Xenomorphen zeigen würde. Dabei dürfte David mit seinen Zuchtexperimenten Erfolg haben und als Fan kann man sich bereits auf den nächsten Film freuen, der 2018 gedreht werden soll. Es ist für Ridley Scott sicherlich nicht einfach. Eigentlich sollte neben einer Prometheus-Filmreihe auch eine separate Alien-Reihe entstehen. Nun wurden die beiden Konzepte  zusammengelegt. Dementsprechend macht der Film „Alien: Covenant“ den Eindruck als ob Scott zwei Filme vorgelegt hat: Einerseits die Geschichte von David, der gerne Schöpfer spielt. Andererseits aber ein Alien Actionfilm, der erst gegen Ende wirklich in Fahrt kommt. Die Szenen, in denen die Aliens schlüpfen, sind beinahe schon nebensächlich geworden und gehen in der Hektik der Szenen unter. Da war selbst in „Prometheus“ die Geburtsszene mit Dr.Shaw noch spannender inszeniert.

FAZIT:

Es ist ein wenig schade, dass Ridley Scott nicht die Geschichte der Ärztin aus dem letzten Teil erzählt sondern das Hauptgewicht auf die Identitätsfindung des Androiden legt. Dabei hätte Scott ausreichend Gelegenheit gehabt dieses Thema in dem gerade anstehenden Film „Blade Runner: 2049“ (Deutscher Start: 5.Oktober 2017) zu erörtern. Die Aliens sind als Actionelement zwar vorhanden, verschwinden aber auch genauso schnell wie sie gekommen sind von der Leinwand.

Der Film „Alien: Covenant“ ist sicherlich keine Offenbarung. Einerseits als klischeebehaftetes „Zehn kleine Negerlein“-Spielchen konzipiert langweilt der Film mit seinen philosophischen Betrachtungen. Die Actionszenen sind mal wieder äußerst hektisch und geben dem Zuschauer kaum Gelegenheit einen vernünftigen Blick auf die verschiedenen Alien-Varianten zu werfen. Auch sind die menschlichen Figuren mal wieder dermaßen farblos dass man niemanden eine Träne nachweint wenn es ihn erwischt hat. Hoffen wir auf einen weiteren Film, der mehr richtig macht.

Dumm gelaufen für Dr. Shaw

Daniels ist die neue Ripley

SciFi – Made by Roger Corman

SciFi – Made by Roger Corman

Weltraumabenteuer aus der Cormanfactory

Inhalt:

Als 1977 der Film „Krieg der Sterne“ ein Vermögen an den Kinokassen einspielte wurden auch andere Studios wach. Dass man mit SciFi Geld verdienen konnte war bis zu diesem Zeitpunkt nicht denkbar. Und während die Top-Studios ihre Schubladen nach eingelagerten Drehbüchern abklapperten zogen auch Billigfilmer nach und produzierten ihre eigenen Weltraumabenteuer. Neben zahlreichen italienischen und spanischen Studios wollte sich auch Produzent Roger Corman nicht lumpen lassen und ließ in seinen Produktionsstätten ebenfalls Weltraumopern produzieren.

Roger Corman ist ein Filmemacher, der sich bereits seit den sechziger Jahren einen Ruf als „Billigfilmer“ erarbeitet hat. Legendär ist die Geschichte von „Der kleine Horrorladen“, ein Film der nur entstand weil man noch schnell eine Kulisse verwenden wollte, die ansonsten abgerissen worden wäre. Mit zahlreichen, günstig produzierten Filmen erarbeitete er sich nicht nur einen guten Ruf, sondern war auch in der Lage eine Filmschule einzurichten.

Viele heute bekannte Regisseure wie Joe Dante, Ron Howard, James Cameron und andere Filmschaffende haben in der „Roger Corman Filmschool“ ihre ersten Sporen verdient. Aber auch Schauspieler wie Sylvester Stallone feierten hier ihr Spielfilmdebüt. Die Studenten nutzten dabei häufig Archivaufnahmen von Stunts oder Spezialeffekte aus anderen Filmen um ihre Werke aufzuwerten und Geld zu sparen.  Immerhin ging es in erster Linie darum das Handwerk zu erlernen. Dass man mit den Arbeiten auch noch Geld verdienen kann war für Corman die treibende Feder. Dabei setzte er auf Action, tolle Typen und auch die eine oder andere springende Damenbrust. Und das Konzept ging auf.

Sador – Herrscher im Weltraum

(Bild: New World Pictures – 1980)

Sador – Herrscher im Weltraum – 1980

Als sich abzeichnete, dass „Star Wars“ für die großen Studios ein großer Reibach werden würde investierte Corman in programierbare Konstruktionsroboter, an denen er Filmkameras befestigen ließ um ähnlich hochklassige Effekte zu erzielen wie das große Vorbild. Corman führte nicht selbst Regie sondern überließ es einem Regisseur namens Jimmy T. Murakami auf dem Regiestuhl platz zu nehmen.

Das Drehbuch schrieb John Sayles, der sich an der bereits mehrfach verfilmten Geschichte „Die sieben Samurai“ orientierte. Das Ergebnis war „Battle Beyond The Stars“, dessen deutscher Titel „Sador, Herrscher im All“ recht unpassend daherkommt. Roger Corman investierte für den Film nicht nur in die Tricktechnik sondern auch in namhafte Schauspieler, deren Gagenforderungen einen Hauptanteil des Budgets ausmachten. Die reinen Produktionskosten betrugen (geschätzt) 2 Millionen Dollar, ein Schnäppchen gegenüber der für „Star Wars“ veranschlagten 9,6 Millionen Dollar. Der Film spielte 11 Millionen Dollar wieder ein.

In „Sador – Herrscher im Weltall“ ging es um eine Weltraumkolonie, die von einem Bösewicht mit einem Riesenraumschiff erpresst wird ihre Ernte herauszugeben. Da man den Forderungen Sadors nicht mehr nachkommen kann wird der junge Shad (dargestellt von „John-Boy Walton“ Richard Thomas) mit einem Raumschiff namens „Nell“ losgeschickt um Söldner zu engagieren, die den Planeten beschützen sollen und die Bewohner an den Waffen ausbilden sollen. Es gelingt Shad sieben Söldner zusammenzutrommeln, die sich aus verschiedener Motivation bereiterklären die Mammutaufgabe zu übernehmen. Es sind einige Schlachten und Verluste hinzunehmen bevor Sador endgültig geschlagen wird.

Die Schauspielerriege ist durchweg prominent besetzt. Mit Robert Vaughn, George Peppard und John Saxon versammelten sich so einige Darsteller, die sich wohl ähnlich in Erinnerung bringen wollten wie die Söldner, die sie darstellten. Hinter den Kulissen werkelten zahlreiche Spezialisten daran die Effekte von „Star Wars“ nachzuahmen. Das Ergebnis kann man als durchaus gelungen bezeichnen.

Den Soundtrack zu dem Film komponierte der junge James Horner, für den der Score der erste rein symphonische wurde. Seine Anleihen bei „Star Wars“ sind teilweise schon recht deutlich wahrzunehmen. Glücklicherweise bedeutete dieser Score jedoch gleichzeitig den Beginn seiner Karriere und in den folgenden Jahren etablierte er einen eigenen, markanten Stil, der ihn zahlreiche Aufträge und Oscarnominierungen einbrachte. Für TITANIC erhielt er den Oscar für beste Filmmusik und besten Filmsong. Seine  Musik zu „Battle Beyond The Stars“ wurde jedoch von Roger Cormans Filmstudio auch fleißig in anderen Filmen eingesetzt.

Battle Beyond The Stars – Amerikanisches Cover

(Bild: New World Pictures)

Battle Beyond The Stars

Raumschiff Nell verfügt nicht nur über eine erotische Stimme! Designed by James Cameron.

(Bild: New World Pictures)

Erstmal ein bischen abhängen

(Bild: New World Pictures)

Peter Klöppel bei der Arbeit

(Bild: New World Pictures)

Planet des Schreckens – 1981

Der Film „Planet des Schreckens“ entstand im Gefolge der Horror-Alienwelle, die durch Ridley Scotts Film „Alien“ losgetreten wurde. Nach aufregenden Weltraumschlachten traten im Kino vermehrt Filme auf, in denen es um böse Außerirdische geht, die am liebsten in fremde Körper eindringen – oder diese auffressen. Einer der ersten Vertreter dieses Subgenres ist „Galaxy of Terror“, wie der Film im Original heißt.

Darin geht es um ein Team von Raumfahrern, das auf einem Planeten strandet, auf dem sich zahlreiche abgestürzte Raumschiffe versammelt haben. Der Besatzung ist überhaupt nicht wohl als sie die Wracks durchforstet. Dabei werden sie nach und nach Opfer von Bedrohungen, die sich direkt aus ihren Ängsten zu manifestieren scheinen.

Der Film ist durchaus gruselig und genießt aufgrund einer sehr expliziten Szene, in der ein weibliches Besatzungsmitglied von einer Riesenmade sexuell belästigt wird, Kultstatus. Die Tode spiegeln auf faszinierende Weise die Erwartungen der Zuschauer wieder. Jeden Moment erwartet man – mit den Charakteren – irgendwelche Fallen oder Kreaturen aus dunklen Winkeln springen zu sehen. Und diese Erwartungen (der Raumfahrer) werden dann auch erfüllt. Dabei spielt die gekonnte Kameraführung eine wesentliche Rolle. Leider läßt die Spannung zum Ende zwar ein wenig nach, die Auflösung ist aber dennoch recht kreativ im Vergleich mit anderen Kino-Schnellschüssen.

Die Darstellerriege ist durchaus prominent besetzt. Mit dem „Onkel vom Mars“ Ray Walston und dem späteren Freddie-Krüger-Star Robert Englund hat man zwei, auch heute noch, recht bekannte Gesichter gecastet. Auch der „Held“ der Geschichte, Edward Albert, war in den Achtzigern ein durchaus gefragter Darsteller.

Interessanterweise war wieder James Cameron für das kreative Setdesign verantwortlich. Nachdem er bereits für mehrfach für die Trickabteilung von „New World Pictures“ tätig war erhielt er danach die Regie für die Fortsetzung des Joe Dante Hits „Piranha“.  Zwar floppte die Rückkehr der Killerfische, dafür konnte Cameron aber mit seiner Partnerin Gale Anne Hurd ein weiteres Projekt umsetzen, dass wesentlich erfolgreicher wurde: „Terminator“.

„Planet des Schreckens“ war in Deutschland jahrelang wegen der Madenszene indiziert. Inzwischen ist der Film aber wieder frei auf DVD erhältlich.

Planet des Schreckens

Das deutsche Plakatmotiv hat zwar eigentlich nichts mit dem Film zu tun. Allerdings ist die Szene schon einer gewissen Kultszene recht ähnlich. (Bild: New World Pictures – 1981)

Planet des Schreckens

Das Grauen lauert an jeder Ecke. (Bild: New World Pictures – 1981)

Planet des Schreckens

Vor seiner Freddie Krüger Zeit – Robert Englund als „Opfer“ (Bild: New World Pictures – 1981)

Der Android – 1982

Ein weiterer, bemerkenswerter SciFi-Film aus der Talentschmiede „New World Pictures“ ist der Film „Der Android“ von Aaron Lipstadt. Zwar nahm man den Film in Amerika als eher lahm wahr, in Europa wurde er jedoch wegen seiner interessanten Charakterzeichnung gelobt. SpecialFX gibt es so gut wie keine. Die wenigen, vorhandenen wurden aus „Sador“-Schnipseln zusammengesetzt. Die Story bezieht ihren Reiz aus dem Geschehen auf einer Raumstation, auf der Doctor Daniel (Klaus Kinski) an Robotern herumschraubt. Er hätte sich sehr gerne eine weibliche Androidin als Begleiterin gebastelt und ist entzückt als ein Android namens Max 404 (Don Opper) ein Raumschiff andocken lässt, unter deren Crew sich eine Frau befindet. Doch die Raumfahrer sind entflohene Sträflinge und nutzen die Naivität des funktionierenden Androiden aus, da sie immer noch von der irdischen Polizei Terrapol verfolgt werden.

Klaus Kinski kann hier einmal mehr den Verrückten spielen und den weiblichen Darstellern an die Busen grapschen. Durch die kammerspielartigen Szenen wird man allerdings als Zuschauer schon durch die Performance in den Bann gezogen. Doch auch Don Opper als Android spielt hier glänzend auf. Er ist am Drehbuch beteilligt und spielt hier erstmals einen trotteligen, aber liebeswerten Charakter. Eine Rolle, die er in den verschiedenen Critters-Filmen oft wiederholen konnte.

Kleines Schmankerl am Rande: Die Terrapol-Agentin, die nach den Sträflingen sucht, ist Rachel Talalay, die in den letzten beiden DoctorWho-Staffeln jeweils Regie bei den letzten beiden Episoden führen durfte.

Der Android

(Bild: New World Pictures – 1982)

Kinski bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Ein Artikel über Roger Corman Filmproduktionen wäre nicht vollständig, wenn es keinen Busenblitzer geben würde…. (Sorry, couldn’t resist)

(Bild: New World Pictures – 1982)

Herr und Geschöpfe

Ein Artikel über Roger Corman Filmproduktionen wäre nicht vollständig, wenn es keinen Busenblitzer geben würde…. (Sorry, couldn’t resist)

(Bild: New World Pictures – 1982)

Space Raiders – 1983

Mit dem Auslaufen der SciFi-Welle lieferte „New World Pictures“ noch einen dritten Beitrag ab, der zum Einen recht sympathisch daherkommt, zum anderen aber auch höchst dramatisch ist.

Space Raiders erzählt die Geschichte des kleinen Peter, der sich an Bord eines Raumschiffes schleicht, das von einer Gruppe von Weltraumhasadeuren gesteuert wird. Die bunt zusammengewürfelte Mannschaft ist entsetzt als sie ihren blinden Passagier entdeckt. Der gutmütige Anführer Hawk (Vince Edwards) verspricht Peter zwar, ihn an der nächsten Raumstation abzugeben, doch inzwischen hat sich herausgestellt, das der Junge offenbar Sohn eines hohen Tieres der Transportbehörde ist. Zwar hat die Mannschaft kein großes Interesse an der Belohnung, dafür aber andere Weltraumschmuggler. Bevor Peter wieder nachhause kann gibt es leider so manches Opfer zu beklagen.

Eigentlich ist die Story recht charmant und die Mannschaft wirkt auch sehr freundlich. Dummerweise hat der Drehbuchautor keinen Sinn für Happy Ends und so ist es recht schade, dass die immerhin fünfköpfige Crew nach und nach dezimiert wird. Möglicherweise hätte die Besatzung mit ihrem Schiff das Zeug für eine Fortsetzung gehabt wenn Regisseur und Drehbuchautor Howard R. Cohen nicht auch noch den Sensenmann mit an Bord genommen hätte.

Hauptdarsteller Vince Edwards war jahrelang als „Ben Casey“ in der gleichnamigen Arzt-TV-Serie unterwegs. Nach zahlreichen Einsätzen als Schauspieler ging er auch dazu über Regie zu führen und inszenierte unter anderem einige Episoden von „Kampfstern Galactica“.

Der kleine Junge „Peter“ wurde von David Mendenhall gespielt und ist bis heute als Schauspieler aktiv. Eine der wenigen Jungdarsteller, die dem Beruf treu geblieben sind.

An Bord des Raumschiffs gibt es auch den telepathisch begabten „Flightplan“, der von Thom Christopher gespielt wird. Das ist bereits der zweite Alien-Charakter, den er darstellt. In „Buck Rogers in the 25th Century“ war er „Hawk“, der Falkenmann, der leider nicht wirklich zu einem vollen Einsatz kam.

Der Film hat viele Actionszenen, die in wiederverwendeten Kulissen aus „Sador“ stattfinden. Ebenso wurden die visuellen Raumschiffeffekte und die Filmmusik recycelt. Wenn man keinen Knallerfilm mit neuen, visuellen Eindrücken erwartet, dann geht das aber in Ordnung. Insgesamt wirkt der Film zwar ein wenig lieblos, hat aber eben doch sein Charme durch die gut harmonisierende Crew. Schade nur, dass das Ende ein wenig traurig macht.

Space Raiders

Scifi aus der Recycle-Tonne. Immerhin sympathisch. (Bild: New World Pictures – 1983)

Die Mannschaft tut alles für Peter

(Bild: New World Pictures)

Kämpfen ohne Rücksicht auf Verluste

(Bild: New World Pictures)

Credits

Bildercopyright: New World Pictures

Alle Aushangfotos: http://www.kino-50er.de/

Odd Thomas – Geheimtipp für Gruselfreunde

Odd Thomas – Geheimtipp für Gruselfreunde

Odd Thomas - Romanverfilmung mit Niveau

Inhalt:

Der junge Odd Thomas wirkt wie ein normaler, junger Mann. Allerdings hat er eine Fähigkeit. Er kann mit Toten sprechen, die immer noch auf der Welt herumirren und er kann Wesen sehen, die in dem Moment auftauchen wenn sich der Tod eines Menschen ankündigt. Diese „Bodachs“ dürfen natürlich merken, dass er sie wahrnimmt, sonst wird Odd selbst zum Opfer.

Eigentlich wünscht er sich ein normales Leben mit seiner Freundin „Stormy“, die in einer Eisdiele in einem Einkaufszentrum arbeitet. Doch dann merkt er, dass sich immer mehr Bodachs um einen Menschen scharen, der offenbar Böses im Sinn hat.

Er will dies verhindern und gerät so in einen Strudel von Ereignissen, der in einem Anschlag auf ein Bowlingcenter und das Einkaufszentrum gipfelt.

Doch kann er die Katastrophe verhindern?

Covermotiv

(Bild: Ascot)

Analyse:

Der Autor Dean Koontz hat seit seinen Anfängen im Jahr 1970 zahlreiche Horrorbücher geschrieben und einige davon wurden auch verfilmt. Dabei legt er Wert auf besondere Werktreue und verfasste auch schon selbst ein Drehbuch. Bei „Odd Thomas“ schrieb er das Drehbuch zwar nicht selbst, Regisseur Stephen Sommers („Die Mumie“, „Predator 2“) versprach aber, dass er sich soweit wie möglich an die Vorlage halten würde. Das ist auch gelungen und Koontz war mit dem Endergebnis sehr zufrieden.

Als Hauptdarsteller kann Anton Yelchin brillieren, den viele vor Allem als „Mister Chekov“ aus den neuen Enterprise-Filmen kennen. Und mit Willem Dafoe ist ein weiterer bekannter Schauspieler dabei, der die Rolle eines Polizisten und Freundes von Odd Thomas spielt. Odds Freundin „Stormy“ wird von Addison Timlin gespielt, die auch in der Serie „Californication“ an der Seite von David Duchovny zu sehen war.

Sehr überzeugend sind im Film auch die computergenerierten „Bodachs“ geworden, die weniger als „Schatten“, wie im Buch, sondern eher wie glänzende, diabolische Horrorgestalten herüberkommen. Wenn sie einzeln oder in Rudel, scheinbar unbemerkt durch Szenerie geistern kann einem schon mal eine Gänsehaut über den Rücken laufen.

Der Film übernimmt aus dem Buch auch die Erzählung von Odd Thomas, der dem Zuschauer erklärt, was es mit den Wesen auf sich hat. Das muss auch so sein, denn es wäre schwierig – und nicht ohne weitere Handlungserweiterungen möglich gewesen das Auftreten der Bodachs sonst darzustellen. Der routinierte Regisseur setzt das Buch damit sehr genau um ohne sich allzu viele Freiheiten herauszunehmen. Damit wirkt der Film auch sehr harmonisch und fesselt von der ersten bis zur letzten Minute.

„Odd Thomas“ ist eine Buchreihe, die der Autor David Koontz im Laufe der Jahre auf immerhin sieben Bände erweitert hat. Das endgültig Letzte „Saint Odd“ erschien 2015 unter dem Titel „Opferweg“ auch in Deutschland. Leider scheint der Kinofilm an den Kassen gefloppt zu sein. Bei einem Budget von 27 Millionen Dollar spielte der Film lediglich knapp 700.000 US-Dollar ein. Einer der Gründe war das desaströse Marketing weswegen man auch vor Gericht zog. Mit einem vernünftigen Werbeaufwand hätte mit dem Film sicherlich noch ein größeres Einspielergebnis erzielt werden können. So sah der Film seinen Ersteinsatz auf den Philipinen und Finland bevor es eine Videoauswertung in Deutschland  und England gab. In den USA ist der Film inzwischen auch über Netflix buchbar.

 

Fazit:

Der Film hätte wirklich ein größeres Publikum verdient. Gerade nachdem Hollywood jedes Jahr zu Halloween lauter Horrorfilmremakes raushaut hätte man mit „Odd Thomas“ sicher ein noch größeres Einspielergebnis erzielt. Am Film lag es nicht, dass der große Reibach ausblieb. Ein routinierter Regisseur, sehr gute Darsteller und gelunge Effekte. Dazu eine ungewöhnliche und reizvolle Story, die nicht unbedingt als Splattermovie, dafür aber als guter, übersinnlicher Thriller gelten kann. Damit ist der Film auch ohne Gore-Effekte in keiner Minute langweilig. Im Gegenteil, man wird ständig in Atem gehalten und fiebert nicht nur irgendwelchen Gewalttaten entgegen.

Nachdem ich den Film gesehen hatte musste ich mir gleich noch das eBook kaufen und verbrachte tatsächlich, nach langer Zeit mal wieder, Nächte damit zu die Romanvorlage und danach die Fortsetzungen zu lesen. Die anderen Geschichten hätten dabei durchaus Potential ebenfalls verfilmt zu werden. Allerdings könnte ich sie mir als TV-Eventmovie besser vorstellen als im Kino präsentiert zu werden.

Auf jeden Fall möchte ich den Lesern dieses Blogs nahelegen sich diesen Film anzuschauen, da er unterhaltsam und ungewöhnlich ist und zudem äußerst sympathische Darsteller hat. Besonders die schnuckelige „Stormy“, das Love-Interest des Protagonisten, ist resolut und toll anzuschauen. Ich hätte gern noch mehr von ihr gesehen….

Odd Thomas arbeitet in einem Imbiss

(Bild: Ascot)

Ein Eis mit Stormy im Einkaufszentrum

(Bild: Ascot)

Gruselige Bodachs suchen nach Opfern

(Bild: Ascot)

Das Wetter: „Stormy“ mit Aussichten

(Bild: Ascot)

Credits

Besetzung:

  • Anton Yelchin: Odd Thomas
  • Addison Timlin: Stormy
  • Willem Dafoe: Chief Wyatt Porter
  • Kyle McKeever: Officer Bern Eckles
  • Nico Tortorella: Officer Simon Varner
  • Morse Bicknell: Kevin Goss
  • Melissa Ordway: Lysette
  • Gugu Mbatha-Raw: Viola
  • Gäste: Patton Oswalt, Arnold Vosloo

Das beste kommt zum Schluss:

Die DVD und BluRays sind bei AMAZON zum absoluten Niedrigpreis von knapp 6 Euro zu haben. Wer hier nicht zugreift ist selbst schuld….

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Team

  • Regie     Stephen Sommers
  • Drehbuch     Stephen Sommers
  • Produktion     John Baldecchi, Howard Kaplan, Stephen Sommers
  • Musik     John Swihart
  • Kamera     Mitchell Amundsen
  • Schnitt     David Checel

    USA 2013
    Länge: 97 Minuten

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Star Wars 7 – Das Erwachen der Macht

Star Wars 7 – Das Erwachen der Macht

Wir sind zuhause!

Inhalt:

30 Jahre nach dem Ende des Imperiums formieren sich Überbleibsel in einer Bewegung namens „Der erste Orden“. Der Anführer namens Snork ist mit der Macht vertraut und hat einen früheren Jedi-Padawan auf die dunkle Seite gezogen, der nun als „Kylo Ren“ Kommandeur über die Flotte des Ordens ist. Als dieser einen besonders menschenverachtenden Befehl gibt hält es einer der Sturmtruppler, FN-2187, der später Finn genannt wird, nicht aus und nimmt die erste Gelegenheit wahr zu fliehen indem er einen Gefangenen des Ordens, einen Piloten namens Poe Damaron aus dem Verhörraum befreit.

Damaron hatte zuvor eine Karte in einem Roboter deponiert, der den Weg zu einem absoluten Angstgegner des Ordens, einen alten Jedi namens Luke Skywalker. Damaron und Finn suchen nun nach dem kleinen Droiden BB-8 um die Karte ins Hauptquartier der Republik zu bringen. Gehetzt von den Truppen des Ordens begegnen sie auf dem Wüstenplaneten Jakku einer jungen Frau namens Rey, die über erstaunliche Fähigkeiten zu verfügen scheint, die sie selbst gerade an sich  entdeckt. Wird es den Flüchtigen gelingen die Karte zu finden bevor der „Erste Orden“ es tut?

Fakten:

Lange hat es gedauert bis die Fans von Starwars mit neuem Stoff versorgt wurden. Dass es überhaupt noch eine dritte Trilogie geben würde war nicht unbedingt sicher, da die Geschichte um Anakin Skywalker in Teil 6 „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ mit einem Happy End abgeschlossen wurde. Doch da George Lucas die Rechte an Starwars für immerhin Vier Milliarden Dollar an Disney abgegeben hatte, war klar, dass es weitere Filme geben würde um die Investition für Disney lohnenswert zu machen. Neben den animierten TV-Serien sind es vor allem die Merchandisingartikel, mit denen das meiste Geld verdient wird.

Tatsächlich plant Disney aber noch mehr als nur die Saga auf 9 Teile zu erweitern. Zwischen den einzelnen Teilen sollen noch losgelöste Spielfilme gedreht werden, die das Starwars-Universum erweitern werden. Für den Teil 7 – „Starwars – Das Erwachen der Macht“ wurde mit JJ Abrams ein Regisseur verpflichtet, der seit 2009 dem „Raumschiff Enterprise“ mit zwei Spielfilmen neues Leben eingehaucht hat. Dass Abrams nun ausgerechnet auch noch Starwars wiederbelebt ist irgendwie amüsant, da zwischen Startrek- und Starwarsfans häufig eine harte Rivalität besteht. In dem Independentfilm „Fanboys“ wurde dies nur all zu deutlich persifliert. Was kommt nun also dabei raus wenn ein Startrek-Regisseur nun auch noch StarWars-Filme macht?

Eines ist schon mal sicher. „Starwars – Das Erwachen der Macht“ hat den erfolgreichsten Start der Filmgeschichte hingelegt. Er hat sogar den Rekordhalter „Jurassic World“ übertrumpft, der 2015 schon zunächst als erfolgreichster Kinostart gefeiert wurde. Der Erfolg ist natürlich auch das Ergebnis eines harten Kalküls: Viele Kopien in vielen Kinos, darunter auch einige Imax-Kinos. Dazu eine Werbekampagne, die mithilfe von Kinotrailern angeheizt wurde, aber auch mit bisher nicht dagewesener Geheimhaltung verbunden war.

Auf dem Kinoplakat fehlt beispielsweise Luke Skywalker, obwohl irgendwann durchsickerte, dass Mark Hamill (64) durchaus am Set war – komplett mit Jedi-Bart. Die Fans mussten nun rätseln, ob er vielleicht zur dunklen Seite der Macht abgewandert war oder gar gestorben war. Zum Glück bewahrheiteten sich diese Befürchtungen nicht und Luke stellt ein anderes, wesentliches Handlungselement dar.

Die Fans hatten allen Grund zur Freude als bekannt wurde, dass man mit Harrison Ford (73) und Carrie Fischer (59), aber auch Anthony Daniels (69), Kenny Baker (81) und Peter Mayhew (71) die Schauspieler aus der Originaltrilogie verpflichtet hatte. Trotzdem war auch klar, dass im Fokus der neuen Geschichte neue Gesichter stehen würden. Die alten Darsteller haben somit im neuen Film die Funktion das Staffelholz an die nächste Generation weiterzugeben. Die Charakterriege ist dabei sehr talentiert. Ähnlich wie damals, 1975, als man Starwars drehte, setzt JJ Abrams auf unverbrauchte Gesichter, die aber eine unglaubliche Präsenz besitzen und mühelos in die Fußstapfen treten, die ihre Vorgänger hinterlassen haben.

Starwars 7 – Das Erwachen der Macht

(Bild: Disney/Lucasfilm)

Han Solo – Bindeglied zwischen den Generationen

(Bild: Disney/Lucasfilm)

Analyse

Ich muss sagen, dass ich nicht mehr damit gerechnet hätte überhaupt nochmal einen Han Solo oder eine Leia Organa zu sehen. Für mich war die Saga mit „Starwars 6 – Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ abgeschlossen. Zwar war mir klar, dass George Lucas vor vierzig Jahren neun Teile im Sinn hatte und der „Krieg der Sterne“ eigentlich Teil 4 „Eine neue Hoffnung“ heißen sollte. Aber da unsere Darsteller immer älter werden war irgendwann klar, dass man nichts mehr erwarten kann. Umso überraschter und erfreuter war ich, als ich las, dass die alten Darsteller wieder mit dabeisein würden wenn es zu einer weiteren Trilogie kommen würde.

Beim ersten Gucken des neuen Films wird man zunächst von den gewaltigen Bildern erschlagen. Regisseur J J Abrams gelingt es recht gut das alte Starwars-Feeling wieder aufkommen zu lassen. Dabei vermeidet er Fehler, die George Lucas bei den Teilen eins bis drei machte. Damals war Lucas so sehr darauf bedacht die politischen Umstände zu schildern, die zu Anakin Skywalkers Weg zur dunklen Seite der Macht führten, dass er irgendwie vergaß sich mehr um sympathische Charaktere zu kümmern.

In StarWars 7 haben wir wieder sehr herzliche Hauptfiguren, die einen saloppen Umgang miteinander pflegen. Besonders sticht jedoch Harrison Ford hervor, der trotz seines Alters die ganze Show an sich reißt. Seine Sprüche und Gesichtsausdrücke sind wirklich göttlich und man kann nur hoffen, dass in künftigen Teilen dies von Poe Dameron geleistet wird. Dabei hat man bei Harrisons Gesicht manchmal das Gefühl, als wäre er der Einzige, der eine Knautschgummi-Alienmaske trägt. Herrlich sein Gesichtsausdruck als erstmals Chewies Armbrustwaffe benutzen darf und für gut befindet.

Die jungen Darsteller sind sehr gut gewählt. Daisy Ridley spielt „Rey“, deren filmische Eltern hier ja noch nicht erwähnt werden, ist äußerst ausdrucksstark und agiert fast schon oscarreif wie sie in sich die Macht erwachen fühlt. Besonders hervorzuheben ist hier der Moment wenn Kylo Ren versucht ihr per Gedankenverschmelzung die Lagekarte zu entreißen und sie sein Eindringen nicht nur abwehrt sondern wohl selbst in Kylos Gedanken an Erinnerungen gelangt. Sie ist außerdem äußerst agil und sie springt dermaßen behende in den Pilotensitz des Millenium Falcon, als ob sie nie etwas anderes getan hätte.

Und auch Finn führt sich hier großartig ein. Darsteller John Boyega ist ja bereits Alien-erfahren – Er spielte in „Attack the Block“ einen jugendlichen, der Aliens aus seinem Wohnhaus vertreiben musste. Man sollte auch ein paar regietechnische Kniffe in StarWars7 erwähnen, die wirklich klasse sind. Als ein Verletzter seine Uniform mit blutigen Handabdrücken verunstaltet kann man ihn deutlich von den anderen schneeweißen Sturmtrupplern unterscheiden. Darsteller John Boyega ist in seiner Rolle gewissermaßen der Avatar des Zuschauers, dem man erklären muss, was sich in den letzten dreißig Jahren getan hat. Auch er beeindruckt mit einer guten darstellerischen Leistung zwischen Erstaunen und Willenskraft, die mich manchmal an Sidney Poitier denken ließen.

Poe Dameron, der auf Standbildern immer ein bischen düster aussieht, kann in den ersten Minuten bereits überzeugen. Seine herzliche Art und sein gutes Verhältnis zu Roboter BB-8 und später Finn erwecken gleich den Eindruck, als ob er mit Han Solo konkurrieren wollte. Ich freue mich schon, ihn in Teil8 wiedersehen zu können. Leider können wir von ihm hier noch nicht soviel sehen…..

In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass ich mich sehr über den Kurzauftritt von Max von Sydow als untergetauchten Jedimeister gefreut habe. Der Charakterdarsteller, der auch schon mal als „Ming der Gnadenlose“ im Film „Flash Gordon“ von 1980 agierte, wirkt hier wie ein heimlicher Bruder von Alec Guiness.

Kommen wir aber zu Kylo Ren, dem Oberschurken. Er wirkt in seiner Maske zunächst ein wenig wie „Darth Vader für Anfänger“ und so ist es dann auch. Irgendjemand hat ihm wohl von Endor die verbrannte Maske von Darth Vader besorgt und wenn er schwört, dass er beenden wird, was Darth begann, dann nehmen wir erstaunt zur Kenntnis, dass er offenbar dessen Neffe ist. Das Publikum kommt ins Grübeln: Ist Kylo Ren der Sohn von Luke? Hat Luke sich ins Exil begeben weil er eine, für Jedi verbotenen, Liebschaft nachgegangen ist? Wessen Sohn er ist wird erst im Verlauf des Films enthüllt.

Von den Fans wurde mit Schrecken registriert, dass Kylo Ren irgendwann seine Maske abnahm und ein normales menschliches Gesicht zum Vorschein kam. Man ist irgendwie schon enttäuscht, denn meistens büßen Schurken ihre Ausstrahlung ein sobald sie sich demaskieren. Für einen Schauspieler ist es sicher schön, wenn er nicht nur als Body wahrgenommen wird, aber für den Film wäre es besser gewesen wenn man diesen Moment noch weiter hinausgezögert hätte. Allerdings muss man auch bedenken, dass nun die emotionale Zerrissenheit von Kylo besser dargestellt werden kann. Zum einen als er sich auf einen mentalen Macht-Kampf mit Rey einläßt, zum anderen als er auf seinen Vater trifft und schon beinahe wieder zur guten Seite wechselt…..

Rey – Schrottsammlerin mit Charisma

(Bild: Disney/Lucasfilm)

C3-PO, R2-D2 und BB-8

(Bild: Disney/Lucasfilm)

Der optische Eindruck Einen riesigen Pluspunkt hat der Film: Er nutzt die heutzutage perfektionierte Tricktechnik bis zum äußersten aus. Die Beleuchtung sämtlicher Szenen ist sehr realistisch und mitunter vergisst man tatsächlich, dass es nicht wirklich fliegende TieFighter gibt. Im Gegensatz zu Episode 1-3, wo alle VisualFX eine Art Comiclook hatten, sind die Raumschiffe und Landschaften von einem hohen Realismus geprägt.

Auch die rein digital erzeugten Alienwesen fügen sich harmonisch ins Gesamtbild ein. Die größte Überraschung des Films ist dabei der Roboter „BB-8“ (Ball-Bot Eight). Ein Droide, dessen Körper nur aus einer Kugel besteht, auf der ein freibeweglicher Kopf thront. Als man den ersten Trailer sah dachten wohl Viele, dass dieser Droide als Computermodell in die Szene eingefügt wurde. Dass diese Konstruktion aber wirklich echt ist und tatsächlich am Set war erfuhr man auf einem Panel auf einem StarWars-Kongress, wo BB-8 unter dem Johlen des Publikums auf die Bühne fuhr und R2D2 die Show stahl.

Tatsächlich kann man inzwischen bereits kleine, ferngesteuerte Modelle dieses Droiden im Spielwarenhandel kaufen. BB-8 ist aber nicht nur eine rollende Kugel. Es ist schon beeindruckend, wie die „Puppenspieler“ dem Droiden Leben und scheinbar Emotionen einhauchen. Auch die Robotersprache ist deutlich näher an echter Sprache als es das Piepsen von R2D2 jemals war. Sowohl Rey als auch Poe Dameron sind in der Lage den Droiden ohne Übersetzer zu verstehen. Der Kleine, der hier als Bewahrer der Sternkarte fungiert, hat sich bestimmt schon in die Herzen der Zuschauer gespielt.

Interessant ist, dass der Film so gut wie überhaupt keine Weltraumszenen zeigt. Sämtliche Raumschiffschlachten spielen sich an der Oberfläche von Planeten ab. Damit werden die Szenen deutlich dynamischer und bekommen eine größere Raumtiefe für den 3D-Zuschauer als es ein leerer Weltraum könnte. Gleichzeitig gibt es dadurch wesentlich mehr Hindernisse zu umfliegen und die Piloten- und -tinnen können ihr Talent unter Beweis stellen.

Ich muss zugeben, dass ich mich sehr gefreut habe als Rey plötzlich den Millenium Falcon in halsbrecherischer Weise über Jakku steuerte. Das Raumschiff scheint wirklich einiges auszuhalten. Man kann kaum zählen wie oft es irgendwo aneckt. Selbst Han Solo ist von Reys Verständnis für den Falcon begeistert und bietet ihr einen Job an….

Wiedervereinigung – Leia und Han

(Bild: Disney/Lucasfilm)

Charakterposter

(Bild: Disney/Lucasfilm)

Die Handlung

Leider muss ich sagen, dass die Handlung des Films nicht unbedingt innovativ ist. Man hat mehrfach den Eindruck, als ob man hier die Episode 4 genommen hat und einfach die Schlüsselszenen nochmal spielt. So ganz möchte ich mich in den Chor der Kritiker, die DIES bemängeln, nicht einklinken. George Lucas hat schon zum Start von Episode1 gesagt, dass die Trilogien wie Gedichte zu verstehen sind. Alles reimt sich…. Manches wiederholt sich….

Genau genommen wüsste ich auch nicht, was für eine Actionhandlung man hätte konstruieren sollen um wirklich innovativ zu sein. Ebenfalls von Lucas stammt der Hinweis, dass die Saga eher eine Familiengeschichte ist und man sich lieber um die Charaktere sorgen soll. Was das betrifft, kann Episode 7 punkten. Einerseits weil wir einen neuen „Möchtegernbösewicht“ erleben, der möglicherweise durch seine letzte Tat nun den Weg geht, den seinerzeit der Imperator Luke im Todesstern2 vorschlug um seinen Weg zur dunklen Seite abzuschließen. Zum Anderen sehen wir die junge Rey, in der die Macht wohl auch sehr stark ist. Ihre Eltern werden noch nicht enthüllt, aber man kann schon fast glauben, dass wir diese schon längst kennen.

Man könnte sich also an den Ähnlichkeiten zu Episode4 stören. Genau genommen gab es ähnliche Elemente aber auch bei Episode 1.  Allerdings kam ich ein wenig ins Grübeln nachdem der Film zuende war. Regisseur J J Abrams letzter großer Film war ja „Star Trek: Into Darkness“, was eine Neuinterpretation von „Star Trek 2: Der Zorn des Khans“ war. In der ursprünglichen Reihenfolge der alten Star Trek Kinoreihe kam als nächstes „Star Trek 3: Auf der Suche nach Mister Spock“. Was passierte da?

Kirk stiehlt die Enterprise um das Bewusstsein Spocks, gespeichert in McCoy, zum Genesisplaneten zu bringen, wo der verschollene Körper von Mister Spock wartet. Am Ende hat Kirk einen tödlichen Zweikampf mit einem Klingonen, der zuvor seinen Sohn töten ließ, während der Planet um sie herum auseinanderbricht.

Hier haben wir Rey, die den Millenium Falcon stiehlt um die, in BB-8 gespeicherten Informationen, zum Widerstand bringen will um den verschollenen Luke zu finden. Im letzten Akt kämpft sie gegen den Bösen, der gerade einen vertrauten Menschen umgebracht hat, während um sie herum der Starkiller-Basisplanet auseinanderbricht.

Die Ähnlichkeiten sind schon recht groß. Aber ich möchte wirklich nicht meckern. Der neue Film ist optisch und emotional rundherum gelungen und macht Lust auf mehr. Auffällig ist, dass die Charaktere der letzten Trilogie, inklusive C3-PO und R2D2 nur Randfiguren bleiben und ebenfalls im nächsten wohl eher eine untergeordnete Rolle spielen werden. „Das Erwachen der Macht“ führt stattdessen starke, neue Charaktere ein und mit dem „Bot Ball 8“ (BB-8) hat man auch einen wirklich schnuckeligen neuen Droiden eingeführt, der sicherlich auf dem Wunschzettel so mancher Kids stand.

Eins steht jedenfalls fest: Diesen Film werde ich mir einige Male ansehen müssen um alle Details zu genießen. So muss Starwars sein!

Finn probiert ein Lichtschwert aus

(Bild: Disney/Lucasfilm)

Dreamteam im Einsatz

(Bild: Disney/Lucasfilm)

Fantastic Four – Besser als erwartet?

Fantastic Four – Besser als erwartet?

„Höre nie auf die Propaganda! Glaube nur, was Du siehst!“

Der neue Film „Fantastic Four“ erhitzt momentan die Gemüter, weil er angeblich so schlecht sei. Die Presse hat sich förmlich auf ihn eingeschossen und wie üblich kommen wieder zahlreiche Leser auf die Idee die negativen Aspekte des Films zu bestätigen. Mich machen solche Hasstiraden ja immer neugierig und als mir ein Freund heute einen kostenlosen Kinobesuch in Aussicht stellte sagte ich nicht nein.

So folgtem wir unserem „SchleFaz“-Gemüt und zogen uns den neuen Heldenfilm rein. Interessanterweise fanden wir beide, dass der Film besser ist als sein Ruf. Hätten wir den Film gesehen ohne die ganzen Kommentare in den Medien gelesen zu haben, wären wir vielleicht auch noch ein bischen unvoreingenommener an den Film herangegangen.

Allerdings konnten wir die Kritikpunkte der Medien und Leser durchaus nachempfinden wenngleich wir aber auch fanden, dass der Film nicht ein solcher Totalausfall war wie er überall dargestellt wird.

Vorgeschichte

Die Geschichte der FantasticFour wurde inzwischen schon mehrfach verfilmt und interessanterweise liegen die Rechte nicht allein bei Disney/Marvel sondern auch bei 20th Century Fox sowie der deutschen Constantinfilm. Diese Verwertungsrechte wären automatisch an Marvel zurückgegangen, hätte man die Lizenz nicht innerhalb von zehn Jahren wieder genutzt. Die letzte Verfilmung „Fantastic Four“ wurde 2005 gedreht, die Fortsetzung „Rise of the Silver Surfer“ 2007. In zwei Jahren wäre die Lizenz also verfallen. Und so muss wohl jemand gedacht haben, dass man schnellstens noch einen Film raushauen sollte um am allgemeinen Superheldenboom zu verdienen.

Dummerweise ist das Ergebnis eher suboptimal und weist ein paar Schwächen auf, die den „Avenger“-Action verwöhnten Fans wohl unangenehm auffielen.

Wer jedoch mit einer lupenreinen Originstory leben kann, der kann hier durchaus Gefallen an dem Film finden. Es wäre sicherlich möglich gewesen einfach einen „Fantastic Four – Teil 3“ zu drehen. Doch damals hatte man sich für Darsteller entschieden, die heute als renommierte Schauspieler bestimmt ein paar Dollar mehr gekostet hätten. Außerdem spielte damals Chris Evans  die Rolle „Die Fackel“ aka Johnny Storm – derselbe Darsteller ist im Marvel Cinematic Universe inzwischen fest als „Captain America“ gebucht. Es hätte da wohl ein paar rechtliche Verwicklungen gegeben und wäre verwirrend gewesen wenn der „Cap“ plötzlich auch noch als „Fackel“ unterwegs ist….

Man entschied sich also für jüngere Darsteller, mehr noch, der Darsteller des Johnny Storm, Michael B. Jordan, ist zudem auch noch Schwarzer, was in sofern umso verwirrender ist weil seine Kollegin „Die Unsichtbare“ (Kate Mara) ja eigentlich seine Schwester Sue Storm sein soll.

Charakterposter

Bild: 20th Century Fox

Charaktere

Auch wenn die Wahrheit unbequem ist: Ohne gute Charakterchemie ist selbst der spektakulärste Film absolut seelenlos. Die Zuschauer wollen mit den Figuren mitfiebern. Man will sie sympathisch finden – auch wenn sie sich beleidigen oder Streiche spielen. Das macht die Figuren menschlich und amüsant.

In den früheren Filmen gab es einige neckische Spielchen zwischen Johnny und Ben Grimm („Das Ding“), die auch in den Comics vorkommen. Das sind jedoch Details, die uns die Charaktere näherbringen. Leider ist davon in der ganzen Neuauflage nichts zu spüren. Alle Figuren sind mit absoluter Ernsthaftigkeit unterwegs – gerade von Youngstern würde man etwas mehr jugendlichen Schabernack erwarten. Ausgerechnet das „Ding“, komplett im Computer erzeugt, vermag so etwas wie Gefühle auszudrücken. Dabei fiel frustrierten Fans auf, dass Schauspieler Jamie Bell eigentlich viel zu schmächtig ist um Ben Grimm darzustellen. Allerdings fällt das hier nicht ins Gewicht, weil sein Schauspiel per Motioncapturing auf die CGI-Figur übertragen wurde (Bell hat damit ja Erfahrung – Er spielt auch das lebende Mocap-Vorbild von Tim aus den „Tim und Struppi“-Verfilmungen).

Der Bösewicht „Doctor Doom“ taucht, bedingt durch die Handlung erst eine Viertelstunde vor Ende des 90-minütigen Films auf. Nicht viel Zeit um sich als Bösewicht zu etablieren. Bevor er mal wieder die Welt vernichten will sehen wir ihn ja noch als „Victor van Doom“ als Teampartner. Interessanterweise scheint er während der Vorbereitungsphase der „normalste“ Mensch im Team zu sein und man bedauert eigentlich, dass sein Schicksal, Bösewicht zu werden, schon vorher feststeht.

Wenn er schließlich zum Bösen mutiert ist wird er durch eine CGI-Figur ersetzt und darf einmal bedrohlich durch einen Gang laufen. Dabei nutzt er seine Kräfte zu einigen unschönen Splattereinlagen, die dem Film eine ungewöhnlich brutale Note geben.

Charakterposter Reed Richards (Mister Fantastic)

Bild: 20th Century Fox

Die Dramaturgie

Ich schrieb es schon eingangs, dass der Film nicht der üblichen Nonstop-Action Maxime der anderen Marvel-Filme folgt. Wo andere Werke die Figuren innerhalb von 30 Minuten einführen nimmt sich der Film fast eine Stunde Zeit um die komplette Herkunftsgeschichte der Figuren unter die Lupe zu nehmen.

Dabei wird durch einen Zeitsprung auch noch die Phase übersprungen, in denen unsere Helden ihre Superkräfte zu kontrollieren lernen. Das wird zwar oft kritisiert, ist aber nicht unbedingt schlecht und passt zum Ton des restlichen Films. Schade nur, dass der Film davor sich unendlich viel Zeit nimmt um die Entwicklung des Teams zu zeigen, dann aber nur in einer kurzen Montage abhandelt wie das Militär sie unter ihre Fittiche nimmt und „Das Ding“ von vornherein als Kampfmonster in Krisengebieten einsetzt. Allerdings hätte es wohl sehr viel Zeit benötigt die drei verbliebenen Helden (Gummimann Reed ist zu diesem Zeitpunkt aus dem Labor ausgebrochen) in ihrer Entwicklung zu zeigen.

Fans werden sicherlich auch mit Grausen sehen, dass die Autoren den Grund für die Superkräfte mal wieder komplett ummodeln. Statt von Strahlung in einer Raumstation gebruzzelt zu werden (wie es auch der Film von 2005 macht), erfindet Reed Richards ein Portal in eine Paralleldimension, wo man von fremden Energien beschossen wird.

Das Portal ist dann gleichzeitig auch Dramafaktor als erst das Militär versucht das für sich zu nutzen und dann Doom um einen interdimensionalen Staubsauger zu bauen, der das Material der Erde ansaugt um daraus „seinen“ Planeten zu terraformen. Merkwürdiger Plan….

Man merkt dem Film an, dass man wohl einen Zweiteiler im Sinn hatte: Ein Teil, der sich auf die Herkunft der Charaktere und deren Kräfte konzentriert. Und ein zweiter, in dem es dann zur Sache geht. Ob die für 2017 geplante Fortsetzung es jedoch noch auf die Leinwände schafft ist fraglich. Die Einspielergebnisse blieben nach den Presseberichten und der Mundpropaganda eher sehr bescheiden.

Charakterposter Johnny Storm („Die Fackel“)

Bild: 20th Century Fox

Der Regisseur und seine Arbeit

Vor ein paar Jahren überraschte der unabhängige Regisseur Josh Trank mit einem Film namens „Chronicle – Wozu bist Du fähig?“. Darin geht es um eine Gruppe von jungen Menschen, die mit ihrer Videokamera filmen, wie sie in eine Höhle eindringen, aus der ein unheimliches Leuchten dringt. Nach dem Besuch der Höhle entdecken sie an sich ungeahnte Superkräfte und halten sämtliche Experimente mit ihrer Videokamera fest. Der Film wies erstaunlich hochwertige Tricks auf und hat wohl die Gewaltigen bei 20th Century Fox inspiriert diesen jungen (und billigen) Regisseur mit dem Film „Fantastic Four“ zu betrauen.

Allerdings konnte man in den Pressemeldungen verfolgen, dass das Studio dem jungen Regisseur wohl ziehmlich zugesetzt hat und immer wieder mit Änderungsverfügungen ankam. Der Film an sieht an sich recht professionell aus. An der reinen Inszenierung gibt es nicht viel auszusetzen. Allerdings scheint der Regisseur und sein Autor noch wenig Erfahrung darin zu haben sympathische, charismatische Figuren zu entwickeln.

Wir hatten im Kino den Eindruck, dass der Film zwar eine eindeutige Richtung vorgab, in den Details aber arg Feinschliff benötigte. Dazu zählt die Zahl der Sets und der Maßstab. So gut wie Alles wurde im Studio gedreht und man hat nur selten die Möglichkeit einen Blick auf eine epische, breite Landschaft zu werfen.

Und so bleibt das Gefühl, dass man einerseits kräftig am Budget gespart hat und andererseits der Regisseur eher zum Spielball der Produzenten geworden ist, als seine eigene Vision der Sache realisieren zu können.

Charakterposter Sue Storm („Die Unsichtbare“)

Bild: 20th Century Fox

Die Spezialeffekte

In einigen Foren ist zu lesen, dass die Effekte nicht so gut seien. Diesen Eindruck hatten wir eigentlich nicht. Allerdings schien es so zu sein, dass das Team mit eher vereinfachten Sets arbeitete. Die Darstellung des fremden Planeten könnte schöner sein. Aber ansonsten sind eigentlich alle Effekte recht gut gelungen.

Dazu zählen auch die animierten Charaktere. Am besten ist da „Das Ding“ geraten. Man merkt hier, dass die Effektkünstler sich sehr viel Mühe gegeben haben aus dem steinernen Monster so etwas wie Emotionen herauszuquetschen. Merkwürdigerweise wirkt diese Figur dadurch lebendiger als die eigentlichen Schauspieler, denen man wohl den Emotions-Chip herausoperiert hat. Auch ein Affe, der zu Testzwecken in die andere Welt geschickt wird, hat mehr Emotionen als die anderen Akteure.

Bei Dr.Doom ist das Gesicht zwar unbeweglich, aber man kann bei den Szenen eigentlich kaum erkennen, ob man einem Schauspieler zusätzliche CGI-Elemente aufgerendert hat oder ob die Figur gänzlich aus dem Computer stammt. Die visuellen Effekte bei der Zerstörung der irdischen Landschaft sind sehr eindrucksvoll, auch wenn man sich arg wenig Zeit lässt die Szenen richtig auszukosten.

Das Finale wirkt sehr gehetzt und als Zuschauer hat man bei den raschen Schwenks und Detailreichtum wenig Chancen die Bilder in sich aufzunehmen. Ein  Problem, dass Effektstudios heutzutage allgemein haben. Dazu zählt auch der finale Kampf der Fantastischen Vier mit Dr.Doom.

Man wirft sich ständig durch die Gegend bis man den Bösewicht einfach in einen Lichtstrahl wirft, in dem er dann verschwindet. Alles geht viel zu schnell und ist nicht unbedingt gut choreografiert.

Außerdem hätte man sich gewünscht, dass der Bösewicht früher auf den Plan getreten wäre und es zu mehreren Aufeinandertreffen gekommen wäre. Dann hätte das Effekteteam mehr zu tun bekommen. Interessanterweise taucht im Trailer eine Szene auf, in der „Das Ding“ Panzer durch die Luft wirbelt. Dies ist im Film nur als Nachrichtenclip auf TV-Bildschirmen zu sehen und gar kein Bestandteil des eigentlichen Filmes. Hier hat wohl eher der Sparstift das Zepter geschwungen…..

Charakterposter Ben Grimm („Das Ding“)

Bild: 20th Century Fox

Fazit:

Auch wenn meine Analyse des Filmes eher so klingt, als wollte ich den Film, wie die anderen Reviewer, in der Luft zerreißen, so möchte ich doch eher ein neutrales Fazit ziehen. Dass der Film nicht gut ist, das bleibt unbestritten. Er hat zuviele Elemente, die den Fans sauer aufstoßen.

Mir persönlich ist es egal, ob die Herkunft der F4 sich an den Ur-Comics orientiert oder an den „Ultimate Fantastic Four“, wo wohl das Alter und die Superkräfte ähnlich erklärt wurden. Dass von der Ur-Geschichte weit abgewichen wurde scheint eher vom Studio ausgegangen zu sein als vom Regisseur und Autorenteam. Überhaupt merkt man dem Film an, dass Josh Trank offenbar so sehr außen vor war, dass er die Handlungselemente eher lustlos inszeniert hat.

Da war sein Debütfilm „Chronicle“ wesentlich interessanter, auch wenn es als „Found Footage“ Film konzipiert war. Der damalige Film bestach aber durch erstaunlich hochwertige Effekte und weist handlungstechnisch einige frappierende Ähnlichkeiten auf. Es tut mir für den Regisseur leid wenn man ihn nur als Handlanger eingestellt hat und seine ursprüngliche Vision vom Film nicht realisieren konnte.

Insgesamt wirkt der Film ein wenig altmodisch. Lässt man alle Kritikpunkte mal beiseite und schaut sich den Film unbelastet an, dann bleibt ein 90-minütiges Werk, das die Herkunft der Hauptfiguren und deren Kräfte darstellt und blöderweise ja noch etwas Action am Ende brauchte damit es ein „runder“ Film wird.

Als Pilotfilm fürs Fernsehen hätte das auch gut funktioniert. So drängt sich der Eindruck auf, dass CentFox von vornherein vorhatte einen Zweiteiler auf den Markt zu bringen und doppelt abzukassieren indem man einen Origin-Film und einen regulären Actionfilm produzierte. Ähnliches gab es mit den ersten beiden Superman-Filmen aus den frühen Achtzigern.

Halten wir also fest:

Eigentlich ist der Film handwerklich gut gemacht. Seine Dramaturgie ist nicht auf der Höhe der Zeit. Da, wo ein moderner Film noch eine Stunde Laufzeit drauflegt, bricht der Film hier ab. Die Charakterzeichnung ist zu düster und humorlos und man bekommt eigentlich nur in den Schlussminuten – wenn es um die Findung des Namens geht – den Eindruck, dass man jetzt ein Team vor sich hat. Das ist das große Manko des Films. Hätte man mehr Wert auf ein herzliches Verhältnis der Figuren gelegt, dann würde der Film einen anderen Eindruck hinterlassen.

Es ist schade, dass die „Fantastischen Vier“ bei allen Verfilmungen meist hinter den Erwartungen zurückbleiben. Dabei gilt das Team in der Comicwelt doch eigentlich als Aushängeschild des Marvel-Universums. Der aktuelle Film übertreibt es mit der Ernsthaftigkeit so sehr, dass man beinahe dem Billigfilm von Bernd Eichinger von 1993 mehr Gegenliebe entgegenbringt als dem teuren Film von 2015.

Fantastic Four 2015
26
Dramatik
23
Humor
55.5
Optik
51.5
Musik/Sound
49.5
Drehbuch/Regie
Gesamtwertung 41.1
Zusammenfassung
Der Film leidet eindeutig darunter, dass man Regisseur Josh Trank zuviel diktierte als eine eigene Vision zu entwickeln. Man hat den Eindruck die erste Hälfte eines längeren Films zu sehen. Die Figuren wirken in jeder Szene genervt und schlecht gelaunt. Es werden weder Späße gemacht, noch wird dem Zuschauer sonstiger Humor zugemutet. Wäre der Film ohne das Überangebot von Konkurrenzfilmen auf dem Markt, dann würde das Urteil möglicherweise besser ausfallen, doch so wünscht man sich, dass CentFox es bei dem einen Film belässt.

Verfilmung aus dem Giftschrank:

Bernd Eichinger erwarb 1983 die Rechte an den „Fantastischen Vier“ und beauftragte 1992 das Studio von Roger Corman mit der Umsetzung des Stoffes. Budget: 1 Million Dollar. Gerüchten zufolge hat Eichinger den Film nur drehen lassen um die Rechte an dem Film nicht verfallen zu lassen. Am 31.Dezember 1992 wäre die Lizenz verfallen wenn man nicht mit der Produktion begonnen hätte.

Einer der Verantwortlichen bei Marvel, Avi Arad, bot an die Kosten für die Herstellung des Films zurückzuerstatten damit der Billigfilm nicht das Franchise versaue. Er verlangte, dass alle Kopien zerstört werden sollten. Die Schauspieler und der Rest der Crew wurden indessen im Unklaren gelassen und man sah einer Premiere des Filmes am „Labour Day“ 1993 entgegen. Doch dazu kam es nie – allerdings sind inzwischen Bootlegs bei youTube aufgetaucht.

Besetzung: Alex Hyde-White (Reed Richards), Jay Underwood (Johnny Storm), Rebecca Staab (Sue Storm), Michael Bailey Smith (Ben Grimm).

Crew: Oley Sassone (Regie), Steven Rabiner (Produzent), David & Eric Wurst (Komponisten)

Postermotiv

Bild: Neue Constantinfilm Production

Poltergeist – heute und gestern

Poltergeist – heute und gestern

Vergleich „Poltergeist 1982“ und „Poltergeist 2015“

Der Klassiker

Als der Regisseur Tobe Hooper den Auftrag erhielt den Film „Poltergeist“ zu drehen war dies für ihn eine Art Fahrkarte ins Big Business. Er hatte zuvor mit „Blutgericht in Texas“ („The Texas Chainsaw Massacre“) einen billigen, aber sehr erfolgreichen, Horrorfilm gedreht und danach noch an einigen Horrorfilmen gearbeitet. Die Story zu „Poltergeist“ stammt jedoch von Steven Spielberg selbst, der den Film nicht selbst inszenieren wollte weil er zeitgleich an „E.T.“ arbeitete. Allerdings schien er sich in Hoopers Arbeit sehr stark einzumischen. Das Ergebnis ist daher eher ein Spielberg-Film mit typischen Ingredienzen wie einer kompletten, harmonischen Familie mit Hund, die in einer typischen Vorort-Siedlung leben will. 1982 war für Spielberg gleichzeitig Gründungszeit für seine neue Firma „Amblin Entertainment“ und „Poltergeist“ hätte sicherlich einen guten Einstandsfilm abgegeben.

Der Film spielt auf eine sehr angenehme Art mit dem Horrorgenre. Ohne auf allzu viele Splattereffekte zu setzen zeigte das noch junge, neue Trickkino das Beste an Effekten, was damals möglich war. Im Fokus standen jedoch immer die glaubhaften Charaktere und es wurde besonders der Geist einer funktionierenden Familie betont. Die Schauspieler waren gut gewählt und besonders die kleinwüchsige Zelda Rubinstein, die als Medium für die notwendigen Erklärungen sorgte, beeindruckte durch ihre starke Präsenz. Der Film hat kaum dramaturgische Hänger und nimmt sich auch genug Zeit um den Zuschauer in einer kurzen Nachtszene Gelegenheit zum Verschnaufen zu geben bevor der große Showdown beginnt.

Dank der Dramaturgie des Drehbuches erhalten wir als Bonus zum Schluss noch eine überzeugende Erklärung für die heftigen Vorgänge, die sich im Haus der Freelings abspielen. Und wenn man glaubt, dass die Geister endlich vertrieben sind, holt Spielberg noch einmal aus um den letzten Schlag gegen die Familie zu verüben.

Das Remake

Sam Raimi ist ebenfalls ein horrorerfahrener Regisseur und macht in letzter Zeit mehr durch seine Produktionen von sich reden. Wie Tobe Hooper hatte er seinen ersten großen Erfolg mit einem billigen Horrorfilm namens „Tanz der Teufel“, der für ihn den Weg ins große Filmgeschäft ebnete. Als Regisseur war er auch für die drei Spiderman-Filme mit Tobey McGuire verantwortlich. Er produzierte die Neuverfilmung von „Poltergeist“ und engagierte dafür den, durch den Animationsfilm „Monster House“ bekannten, Regisseur Gil Kenan. David Lindsay-Abaire schrieb das Drehbuch für das Remake.

Der Film folgt der Geschichte von Steven Spielberg und versetzt die Akteure ins Jahr 2015. Aus dem Röhrenfernseher ist ein Flatscreen geworden. Und man telefoniert nun per iPhone und läßt funkgesteuerte Drohnen ins Jenseits fliegen. Der Anblick der Zwischenwelt wird durch CGI-Monstren dargestellt und auch die Geistererscheinungen in der hiesigen Welt wurden nun digital erstellt. Die Geschichte wurde geringfügig geändert und gibt vor Allem dem Sohn der Familie etwas mehr Screentime und ein intelligenteres Verhalten.

„Poltergeist 2015“ führt mit viel Tempo durch die Story, was dazu führt, dass die Spieldauer auch nur knapp 93 Minuten beträgt. Offenbar sind im Schneideraum sehr viele Szenen geopfert worden. Doch lohnt es sich, dieses Remake anzuschauen wenn man das Original kennt?

Vorwort zur Kritik

Warum Hollywood sein Heil ständig in Neuverfilmungen sucht ist mir, ehrlich gesagt, ein Rätsel. Remakes, Reboots, Literaturverfilmungen oder Comicverfilmungen. All dies sind Beispiele dafür, dass die Studios manchmal lieber auf alte Ideen zurückgreifen als etwas völlig Neues zu kreiren. Wenn ich die Neuverfilmung gleich deswegen kritisiere, dann sollte man auch nicht vergessen, dass Spielbergs Originalstory eindeutig vom realen Fall des „Enfield Poltergeists“ aus England inspiriert war. Allerdings mit sehr viel kreativer Energie. „Poltergeist“ war 1982 nicht nur ein guter Film sondern demonstrierte mit der neu entwickelten Tricktechnik erstmals spektakuläre Geistereffekte mit der „Starwars“-Technik.

Braucht man 33 Jahre nach dem Originalfilm unbedingt ein Remake? Es würde einen Sinn machen wenn man die Geschichte noch sinnvoll erweitern würde oder kreativ modifizieren würde. Was nun allerdings seit Ende Mai 2015 im Kino angeboten wird kann man eigentlich nur als Frechheit bezeichnen. Normalerweise bin ich jedem Film – auch Remakes – gegenüber positiv eingestellt. Doch nachdem ich nun zwei Stunden im Kino verbracht habe hätte ich mir gewünscht, dass unsere Wahl auf einen Film gefallen wäre. Allerdings: Ich war bereits skeptisch, was die Verfilmung betraf, als ich die Ankündigung las, dass es von „Poltergeist“ ein Remake geben würde. Kann man aus einem Kultfilm einen besseren Film machen?

Die Bowen-Familie und Spezialistin Dr. Brooke Powell

(Bild: 20th Century Fox)

Kritik:

Der Film beginnt mit dem Einzug der Familie Bowen in ihr neues Heim, das eine auffällige Weide neben dem Haus besitzt. Die Familie Eric und Amy Bowen haben drei Kinder. Die kleine Madison hört schon kurz nach dem Einzug Stimmen aus dem Fernseher. Die Geschichte folgt grob dem bekannten Verlauf bis zum Finale. Soweit, so gut.

Was leider überhaupt nicht funktioniert ist die Umsetzung der Geschichte, die wesentliche Pluspunkte des Originalfilms auslässt. Dazu zählt einmal der persönliche Bezug zur Familie. Bei Tobe Hooper/Spielberg wurde sehr viel Wert darauf gelegt die Familie positiv und sympathisch einzuführen. Wenn Mister Freeling sich mit dem Nachbarn ein Duell mit TV-Fernbedienungen liefert oder der Familienhund große Augen bekommt als Dianne Freeling unter die Dusche steigt, dann sind das humoristische Momente, die eine Verbindung zum Zuschauer herstellen. Diese Aspekte fehlen der Neuverfilmung völlig. Dafür wird viel gestritten und der Familienvater ist auch kein erfolgreicher Hausverkäufer (was in der alten Version ein brisantes Detail war, da er ja selber in der Siedlung wohnt). Stattdessen ist der neue Familienvater, dargestellt durch Sam Rockwell, ein arbeitsloser und eher streitbarer Zeitgenosse. Seine schöne Frau, die im neuen Haus ein Buch schreiben will, ist durch die Kinder und den Ehemann genervt, weswegen es ständig zum Streit kommt.

Es gibt auch hier die etwas aufmüpfige Tochter, die mit den Geschwistern streitet. Aber sie ist eher blass dargestellt. Einzig der kleine Junge, der hier Griffin heißt, kommt im Vergleich zum Original wesentlich positiver und smarter rüber. Die kleine Madison, die hier dunkle Haare hat, spielt sehr gut und hat auch sehr ausdrucksvolle Augen. Sie wirkt natürlicher als Heather O’Rourke von 1982 mit den unnatürlich weißen Haaren.

An der Schauspielerriege habe ich eigentlich nichts auszusetzen, denn ob ein Film gut oder schlecht ist liegt eher am Drehbuch oder der Regie. Und hier wird es jetzt ernst!

Der Originalfilm von 1982 nimmt sich viel Zeit die Einwirkungen der Poltergeister langsam einzuführen. Als Carol-Anne sich auf dem Küchenboden hin- und herschieben läßt und Dianne Freeling Probleme mit aufgestapelten Stühlen bekommt, dann trägt das nicht nur zur Charakterzeichnung bei sondern läßt die Spannung langsam anziehen. Der neue Film kommt zwar auch erst nach und nach in Fahrt, verzichtet aber auf jedweden Humor. Das zieht sich durch den ganzen Film. Da, wo Hooper 1982 mit Humor für Auflockerung sorgte, werden hier einfach ein paar Effekte abgespult ohne eine emotionale Tiefe zu entwickeln.

An den modernen CGI-Effekten ist prinzipiell nichts auszusetzen. Da man sowas aber auch schon tausendfach in anderen Filmen gesehen hat bleibt der Aha!-Effekt aus. 1982 stellten die Effekte eine Premiere dar – der erste Geisterfilm der von modernen Effekten profitierte!

Während der Film die Handlung abspult kommt es zu einigen Momenten, wo ich mir entsetzt an den Kopf fasste. Griffins funkgesteuerte Drohne mit Kamera wird in das „Jenseits“ gesteuert um die junge Madison wiederzufinden. Das Geisterjägerteam darf eine merkwürdige CGI-Welt bestaunen, die mich persönlich enttäuscht hat. Ehrlich? Ein düsteres Duplikat des Hauses, an deren Innenwände menschliche Skelettwesen herumkrabbeln? Da hat Spielberg seinerzeit nichts aus dem Jenseits gezeigt und überließ es der Fantasie der Zuschauer wie es wohl auf „der anderen Seite“ aussehen würde. Außerdem habe ich mich beim Schauen gefragt, wieso diese düsteren Mumien sich dort tummeln. Im Film von 1982 waren es Verstorbene, die man in einem Video sogar schemenhaft zu sehen bekam. Offenbar waren sie in normaler menschlicher Gestalt und gekleidet wie Siedler im 19.Jahrhundert.

Als weiteren Kritikpunkt möchte ich anmelden, dass diesmal nicht die liebende Mutter durch den Wandschrank am Seil entlangklettert um Carol-Anne zu holen sondern der Junge! Die emotionale Brisanz ist kaum nachzuvollziehen. Im Film von 1982 hatte man hier eine starke Mutter, die alles für die Familie tut – sogar in die andere Welt zu gehen um ihre Tochter zu holen. In der Neuverfilmung ist die Mutter zu sehr damit beschäftigt mit ihrem Mann zu streiten um das Richtige zu tun. Daher entscheidet sich Sohn Griffin für den Weg durch den Einbauschrank. Mannomann….

 

 

Carol Anne heißt jetzt Madison

Carol Anne heißt jetzt Madison

Carol Anne heißt jetzt Madison

…dass der Film schlecht ist?

(Bild: 20th Century Fox – Facebookseite)

Carol Anne heißt jetzt Madison

Wer will nicht ins Fernsehen?

(Bild: 20th Century Fox – Facebookseite)

Ärgerliches

Und so ziehen sich durch den ganzen Film zwar effektvolle Szenen, denen aber jegliche Emotionalität fehlt, die den Spielberg-Film so sehenswert gemacht haben. Die holprigen Humorelemente steuert Medium Carrigan Burke (Jared Harris) bei, der die Funktion der Tangina Burrons aus dem ersten Film übernommen hat. Er ist ein Geisterjäger, der eine eigene Fernsehshow hat, in der er seine Erfahrungen mit Geistern verarbeitet. Die wenigen lustigen Elemente gehen von ihm aus. Er erinnert dabei eher an den rauhbeinigen „Quint“ aus dem Film „Der weiße Hai“. Wenigstens darf er, für die Handykamera der ältesten Tochter, seinen Spruch aufsagen „Dieses Haus ist gereinigt!“.

Am ärgerlichsten für mich war jedoch, wie man die Erklärung für die Poltergeister in die Handlung einbaute. In der Originalversion, erfährt Steven Freeling (Craig T. Nelson) von seinem Boss, dass sein Musterhaus der neuen Siedlung wohl auf einem früheren Indianerfriedhof errichtet wurde. Man hätte die Indianer umgebettet, heißt es. Doch nachdem das Haus angeblich „gereinigt“ ist und sich die Familie schon entspannt kommt es zu einem erneuten Übergriff. Mutter Diane wird von einem Geist effektvoll und beängstigend sexuell belästigt und an die Decke gezerrt (fehlt in der Neuverfilmung) und aus dem, vom Regen aufgeweichten, Boden stoßen plötzlich Särge aus dem Erdreich. Damit erkennt Freeling, dass er von seinem Boss belogen wurde. Eine dramatisch sehr wertvolle Wendung. In der Neuverfilmung wird all dies in Nebenbemerkungen verwurstet und bekommt überhaupt keine Dramatik. Wieso die Untoten plötzlich aus dem Jenseits kommen bleibt unerklärt. Wie gruselig war die Szene damals als Diane befürchtete, dass ihr Sohn in der Grube des Swimmingpools ertrunken war, sie hineinstürzte und plötzlich überall Totenschädel und Särge neben ihr auftauchten. Eine mehrminütige dramatische Szene!  In der Neuverfilmung kommt ein Skelett aus dem Boden – Madame schreit kurz auf und besteigt dann das Auto um zu entkommen.

Ich könnte jetzt eigentlich noch viel mehr über die Oberflächlichkeit dieser Neuverfilmung berichten, aber ich will auch niemanden den Genuss des Films vermiesen. Ich möchte noch einmal betonen, dass ich mich auch bei schlechten Filmen eigentlich nie ärgere. Aber wenn man mir eine Neuauflage eines Kultfilms anbietet, dann sollte man sich diesen einmal genauer anschauen und analysieren, was den eigentlichen Erfolg ausmacht.

Carol Anne heißt jetzt Madison

Geister aus der Steckdose?

Carol Anne heißt jetzt Madison

Der Film ist schon nach 90 Minuten vorbei!

(Bild: 20th Century Fox – Facebookseite)

Fazit:

Der Film erweckt in mir den Eindruck einer Nacherzählung, für die man in der Schule eine Fünf bekommen hätte. Da hilft es auch nicht mehr, dass man es sich nicht verkneifen konnte den Film in 3D zu drehen. Die Story wird hastig durchgeboxt ohne sich emotional mit den Figuren zu beschäftigen. Mir fehlten auch Details wie der Familienhund, der im Original für einige Lacher sorgte, sowie Nachbarn! Da gibt es ein Haus, in dem ständig Remmidemmi ist, und es gibt keine besorgten Nachbarn, die mal vorbeischauen?

Dass es auch anders geht, davon konnte ich mich vor ein paar Tagen überzeugen als ich den Film „The Conjuring – Die Heimsuchung“ anschaute. Thematisch fast identisch kann man sofort eine Beziehung zu den Figuren aufbauen und wird von den Geschehnissen in den Bann gezogen. Zwar gibt es keinen Vergleichsfilm, den man hier Szene für Szene dagegenhalten könnte, aber die Elemente aus „Poltergeist“ sind alle vorhanden. Nach dem Erfolg des Films plant das Studio für 2016 einen zweiten Teil „The Conjuring 2 – The Enfield Poltergeist“. Also widmet man sich damit dem realen Fall aus England, der Spielberg als Inspiration diente. Allerdings zeigte der Sender SKY-UK im Frühjahr bereits  ein Dokudrama in drei Episoden, das den Fall aufbereitete. Und das nicht mal schlecht!

„Poltergeist 2015“ zählt eindeutig zur Rubrik „Remakes, die der Mensch nicht braucht“. Stattdessen sollte man sich lieber das Original von 1982 und eventuell auch noch die Fortsetzung „Die andere Seite“ anschauen.

Die Freeling-Familie plus Medium Tangina Barrons

(Bild aus „Poltergeist 2 – Die andere Seite“ 1986 – MGM)

Unser Review

Poltergeist 1982
92
Dramatik
77
Humor
82
Optik
86
Musik/Sound
98.5
Drehbuch/Regie
Gesamtwertung 87.1
Zusammenfassung

Der Film von 1982 war seinerzeit der erste Film, der von der neuen Tricktechnik profitierte und Geister und optische Effekte sinnvoll einsetzte. Trotzdem steht die sympathische Familie im Vordergrund. Die spielbergsche Musterfamilie mit Hund, die im Ernstfall zusammenhält wird hier gezeigt. Und auch die Geisterbeschwörerin Tangina Barrons hat eine starke Präsenz auf der Leinwand. Ein super Komplettpaket und ein Film, den man sich gerne öfters anschaut.

Sehr schön ist auch die Musik von Jerry Goldsmith, die von der Vorstadtidylle zu den spannenden Passagen genau die richtigen Brücken schlägt. Nicht umsonst war die Musik für den Oscar nominiert.

Unser Review

Poltergeist 2015
24.5
Dramatik
23
Humor
56
Optik
19
Musik/Sound
36.5
Drehbuch/Regie
Gesamtwertung 31.8
Zusammenfassung

"Poltergeist 2015" ist ein gutes Beispiel wieso man keine Remakes von Kultfilmen machen sollte. Der Regisseur spult lustlos ein paar Fixpunkte der Originalgeschichte ab, der Humor hält sich in Grenzen und die Familie schafft es nicht den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Einzig die beiden jüngsten Schauspieler vermögen es Sympathie zu erzeugen. Die musikalische Untermalung des Films von Marc Streitenberg ist ebenfalls unspektakulär und bleibt nicht in Erinnerung. Insgesamt ist der Film viel zu oberflächlich und auch die modernisierten Effekte können ihn nicht retten. Stattdessen ist die Darstellung der "anderen Seite" äußerst fragwürdig dargestellt und die lebenden Mumien entsprechen keinesfalls den Erwartungen.

CREDITS

Regisseur

Gil Kenan

Darsteller

Sam Rockwell, Rosemarie DeWitt, Saxon Sharbino, Kyle Catlett, Kennedi Clements, Jared Harris, Jane Adams, Susan Heyward, Nicholas Braun, Karen Ivany, Patrick Garrow, Eve Crawford, L.A. Lopes, Soma Bhatia, John Stoneham Jr.

Studio

20th Century Fox

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Autor

David Lindsay-Abaire

Komponist

Marc Streitenberg

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Jahr und Laufzeit

USA 2015

Laufzeit: 93 Minuten