Der Geist und Mrs. Muir

Wenn man als Kind der Sechzigerjahre das Fernsehen einschaltete, dann meistens um schöne Familienserien zu gucken. So viel Auswahl gab es in den Sechzigern auch nicht. Krimis liefen nur abends und nachmittags gab es halt leichte Kost mit viel Humor. Eine Serie hat sich mir eingeprägt und ich fragte mich gerade, ob sie jemals wiederholt wurde. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Die Rede ist von einer Serie namens „Der Geist und Mrs. Muir“, die zwischen 1968 und 1970 in Amerika ausgestrahlt wurde und im März 1970 auch nach Deutschland kam.
„Das Gespenst auf Freiersfüßen“ USA 1947 – Regie: Joseph L. Mankiewicz

Worum geht es?

Die junge Witwe Carolyn Muir zieht mit ihren beiden Kindern, Candy und Jonathan, und ihrer Haushälterin Martha Grant in ein schmuckes Häuschen in Schooner Bay, Maine, ein. Der Makler versucht beim Einzug zwar noch die Familie daran zu hindern, aber die resolute Frau hat sich bereits in das hübsche Cottage verliebt und ist auch entzückt als sie die stilvolle Einrichtung sieht. Erstaunlich ist auch, dass so gut wie nirgends Staub liegt. Nachdem der Makler abgezogen ist sollen ein paar Räume neu gestrichen werden, aber der Anstreicher kennt den Ruf des Hauses und läßt sich nur mit einem Bonus überreden ein Zimmer zu streichen. Kurz darauf wird er bereits das Opfer von Scherzen und verläßt in Panik das Haus. Der kleine Jonathan erkennt auf einem großen Portraitgemälde des Vorbesitzers einen Mann wieder, den er beim Einzug als Einziger gesehen hat. Den stattlichen Captain Daniel Gregg. Der Witwe bleiben die Streiche des Geistes nicht lange verborgen aber statt Angst zu haben fordert sie ihn auf sich endlich zu zeigen und so erscheint er ihr auch zur nächtlichen Stunde. Gregg war sehr angetan, wie sie das Haus gegen den Makler verteidigt hat und gestattet ihr und ihren Kindern – auf Probe – zu bleiben. Sie freut sich, bringt aber deutlich zum Ausdruck, dass sie nicht mit einem Geist unter einem Dach wohnen wolle. Der Geist müsse verschwinden! Als der Captain auf seinem Hausrecht beharrt packt Carolyn die Koffer und will mit ihrer Familie mitten in der Nacht ausziehen. Doch merkwürdigerweise scheint das Auto ihr nicht mehr zu gehorchen. Captain Gregg will sie nicht ziehen lassen und zwingt sie zur Umkehr. Und so entsteht eine wunderschöne Freundschaft, die über 50 Episoden zu immer wieder lustigen Szenen mit Besuchern führt. Und vielleicht kann man ja auch den Fluch des Captains aufheben lassen?

„Der Geist und Mrs.Muir“ Edward Mulhare und Hope Lange haben das Ruder fest im Griff – Bild: ABC

Hintergrundinfos

Die Serie „Der Geist und Mrs.Muir“ basiert auf dem Spielfilm „Gespenst auf Freiersfüßen“ von 1947, Regie: Joseph L. Mankiewicz. Damals spielte Rex Harrison den Captain und Gene Tierney war Mrs. Lucy Muir. Als Vorlage diente jedoch der Roman „Der Geist des Captain Gregg“ von R.A.Dick. Der Kinofilm hatte zwar auch lustige Momente, war aber eher melancholisch angelegt. In der TV-Fassung von 1968 spielte Edward Mulhare den Captain Gregg. Fans der TV-Serie „Knight Rider“ kennen den Schauspieler mit den beeindruckenden Augen als Devon Miles. Außerdem war er immer als Gast in verschiedenen TV-Serien zu sehen, wo er meist britische Aristokraten verkörperte. Die resolute Mrs.Muir wurde von Hope Lange gespielt. Die Darstellerin war zunächst Mannequin bevor sie in „Bus Stop“ neben Marilyn Monroe eine Rolle innehatte. Sie spielte immer wieder in Topfilmen mit. Darunter auch „Blue Velvet“, „Nightmare on Elm Street 2“ und neben Harrison Ford in „Das Kartell“. Sie erhielt zweimal in Folge einen Emmy für ihre Rolle der Carolyn Muir. Trotz der Emmy-Auszeichnung konnte sich die Serie nicht gegen die gleichzeitig laufenden Konkurrenzserien behaupten und hatte mit den Einschaltquoten zu kämpfen. Nachdem NBC die Serie 1969 einstellte wurde sie von ABC übernommen und konnte sich auch da gegen die CBS-Hitserie „Family Affairs“ nicht behaupten. Im Frühjahr 1970 stellte ABC die Serie komplett ein. Ironischerweise musste CBS im Folgejahr auch wegen sinkender Quoten „Family Affairs“ einstellen. In Deutschland lief die Serie im Vorabendprogramm der ARD vom 18.März 1970 bis 15. Juli 1970 wobei nur 43 der insgesamt 50 Episoden ausgestrahlt wurden. Der Spielfilm von 1947 lief in Deutschland nie im Kino. Erst 1989 wurde das Werk mit deutscher Synchronisation im ZDF ausgestrahlt.

Besetzung:

  • Hope Lange ist Carolyn Muir, die verwitwet ist und ihr ganzes Erspartes in den Kauf des Hauses gesteckt hat um dort in Ruhe ihrer Arbeit als Autorin nachgehen zu können.
  • Edward Mulhare ist Captain Daniel Gregg. Der Captain agiert als waschechter Poltergeist, der Dinge bewegen kann und dessen Einfluss sich nicht auf das Haus beschränkt. Normalerweise wird er nur für Menschen sichtbar, denen er es gestattet. Allerdings kann Sohn Jonathan ihn auch so sehen.
  • Charles Nelson Reilly ist Claymore Gregg. Der etwas tölpelige Mann bekleidet die Rolle des ortsansässigen Notars und ist gleichzeitig Carolyns Vermieter. Als Nachkomme des Captains hat er die Verfügungsgewalt über das Grundstück und ist daher die bevorzugte Zielscheibe des Captains.
  • Reta Shaw spielt Martha Grant, die Haushälterin.
  • Kellie Flanagan spielt die neunjährige Tochter Candace „Candy“ Muir.
  • Harlen Carraher spielt Jonathan Muir, Mrs. Muir’s Sohn. Von Anfang an kann er den Captain sehen und mit ihm sprechen.
  • Scruffy Mrs.Muirs Fox Terrier.
Hauptbesetzung „Der Geist und Mrs.Muir“ Captain Daniel Gregg (Edward Mulhare), Carolyn Muir (Hope Lange), Anwalt Claymore Gregg (Charles Nelson Reilly) Haushälterin Martha Grant (Reta Shaw ) und „Scruffy“, der Hund Candance „Candy“ Muir (Kellie Flannagan) und Jonathan Muir (Harlen Carraher) Bild: ABC

Memory Lane

Es gibt Serien, die man gleich wieder vergisst, nachdem man sie gesehen hat. Bei „Der Geist und Mrs.Muir“ war das natürlich anders. Als Zehnjähriger habe ich wohl nicht jede Handlung direkt verstanden. Dafür war es natürlich immer sehr lustig wenn der Captain mal wieder seine Späße mit aufdringlichen Besuchern spielte. Wasser, das über Köpfe gekippt wird, Eimer, die durch die Luft schweben oder Autos, die plötzlich nicht mehr zu steuern sind. Auf solche Slapstickmomente reagiert man als Kind natürlich. In sofern war die Serie eine prächtige Familienunterhaltung. Heute würde man „Sitcom“ zu so etwas sagen. Und wenn ich mir die heutigen Sitcoms so anschaue, mit all den sexistischen Anspielungen, dann wünsche ich mir lieber den Captain Daniel Gregg zurück. Ich entsinne mich noch, dass ich mich immer freute, dass Mrs.Muir sich durch kein Hindernis davon abhalten ließ ihren Willen durchzusetzen. Da konnte der Captain Türen zuschlagen, ihr  Barrieren in den Weg legen. Carolyn ließ sich nichts gefallen. Und der kleine Jonathan verblüffte immer wieder, dass er den Captain wohl als Einziger ständig sehen konnte. Auch die Haushälterin ließ sich vom Captain nichts gefallen, sehr zum Frust des Geistes. Und dann war da ja noch der Makler, der immer für Comic Relief einsprang. Er war das bevorzugte Ziel des Captains und reagierte auch immer äußerst heftig wenn Gregg ihn mal wieder mit irgendetwas piesackte. Der Hund „Scruffy“ stand immer daneben und bellte aufgeregt. Es gibt ja inzwischen eine Menge Geisterfilme und Serien. Aber keine strahlte solche Wärme aus wie „DGuMM“. Alle Hauptfiguren waren sympathisch und hatten das Herz am rechten Fleck. Die Störungen (und potentielle Opfer für Schabernack) kamen meistens von außen. Dabei fand ich es damals auch immer schön, dass der Captain immer auf der Seite von Carolyn war. Diese Serie hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass ich Serien bevorzuge, wo zwischen den Figuren eine gute Chemie besteht. Wenn ich so manche heutige Serie sehe, wo intrigiert wird, gestritten wird und Streiche manchmal sehr schmerzhaft aussehen, dann graust es mir all zu oft. Leider gibt es zu der Serie noch keine deutschsprachigen DVDs und offenbar wurde die Serie seit 1970 nie wieder ausgestrahlt. Schade.

Der Geist und Mrs. Muir
3.5
Spannung
8.5
Humor
4.5
Optik
3.5
Sound
4
Musik
6.5
Drehbuch
6.5
Regie
Gesamtbewertung 5.3
Zusammenfassung
Während der erste Kinofilm eher eine melancholische Seite anschlug regiert hier der Humor. Die Situationskomik ist aber trotzdem auf den Punkt. Lediglich einige Szenen sind etwas zu albern. Aber das nimmt man gern in Kauf. Für Edward Mulhare war dies der Beginn einer Karriere im Fernsehen. Kein Wunder.
Gregg läßt sich gern in die Karten gucken Anwalt Claymore Gregg (Charles Nelson Reilly) und Scruffy Bild: ABC