Doctor Who – 10te Staffel

18. Jul. 2017Blog, Doctor Who1 Kommentar

Schwanengesang

Das war sie also, die zehnte Staffel der Neuauflage von Doctor Who. Während die deutschsprachigen Zuschauer noch auf eine Ausstrahlung warten müssen hatten die Briten bereits Gelegenheit die letzte Staffel mit Peter Capaldi als „Doctor“ zu schauen. Dabei galt es zunächst auch eine neue Begleitung für den Doctor zu etablieren und in das Geschehen einzuführen. Die dunkelhäutige, junge Frau Pearl Mackie trat in der Rolle der Serviererin und Studentin Bill Potts in die Fußstapfen von Jenna Coleman, die im letzten Jahr die Serie verlassen hatte. Überraschenderweise hat der Doctor diesmal noch einen zweiten Begleiter in der Gestalt von Matt Lucas, der als „Nardole“ bereits im letzten Weihnachtsspecial zu sehen war – und dort eigentlich seinen Kopf verlor….

Die neue Staffel, die bezeichnenderweise den Titel „Pilot“ trägt, führt uns die junge, quirlige Bill Potts vor, die zwar eigentlich in der Kantine einer Universität an der Essensausgabe steht, allerdings auch die Vorlesungen eines Mannes besucht, der auf eine sehr markante Art Geschichte und Quantenphysik unterrichtet.  Sie ist fasziniert von dem Mann, der angeblich schon 90 Jahre an der Universität lehren soll und nimmt freudig das Angebot an Privatstunden zu bekommen. In seinem stilvollen Büro stört eigentlich nur die blaue Polizeinotrufzelle mit einem „Außer Betrieb“-Schild.  Der Dozent, den alle nur als den „Doctor“ kennen, scheint in den Katakomben unter der Uni auch noch etwas im Schilde zu führen, denn dort befindet sich eine merkwürdig modern aussehende Tür, die er und sein Gehilfe zu bewachen scheinen.

Bill hat auf dem Unigelände allerdings auch noch eine andere Person kennengelernt. Eine junge Frau, deren Pupille wie ein Stern geformt ist. Da Bill eher homosexuell eingestellt ist bahnt sich hier eine Liebschaft an, die jedoch gestört wird als die junge Frau offensichtlich von einer nicht trocknen wollenden Pfütze verschluckt wird. Als der Doctor in dieser Hinsicht ermittelt ist dies der Startschuss für Bills Reisen mit dem Doctor.

 

Der Doctor im Einsatz

Analyse:

Neue Figuren in einer Serie zu etablieren ist sicherlich nicht leicht. Nach der kecken, aber sehr resoluten Clara Oswald kommt nun die etwas naive, wenngleich aber auch wissbegierige Bill Potts ins Spiel. Ihre Schlagfertigkeit sorgt für einige Lacher wenn der Doctor sich nur wundern kann wenn Bill mit Wissen aus  Science Fiction Filmen Dinge begreift, die sonst bei Skeptikern eher auf Unverständnis stoßen würden. Die Zuschauer werden jedenfalls sehr schnell warm mit ihr weil sie – auf andere Weise als andere Companions – immer wieder ins Staunen gerät. Glücklicherweise gibt es in der Serie nun aber auch Matt Lucas, den Freunde des englischen Humors aus der Serie „Little Britain“ kennen. Die Zuschauer erfahren in einem Nebensatz, dass der Doctor ihm ein neues Leben verschafft hat nachdem sein Haupt in einem Weihnachtsspecial auf einen Roboterkörper versetzt wurde. „Nardole“ spricht im englischen Original mit einem breiten Akzent und sorgt mit seinen trockenen Kommentaren immer wieder für Lacher. Dabei scheint er inzwischen ein richtiges Faktotum an Bord der TARDIS geworden zu sein und kann diese auch „fahren“. Zu Beginn der Staffel wacht er jedoch darüber, dass der Doctor nicht mit der TARDIS herumfliegen kann, weil „ein Versprechen gegeben hat“. Im Laufe der Staffel zeigt sich, dass der Doctor tatsächlich ein Versprechen gegeben hat. Er beherbergt in dem „Tresor“ eine Person, die dort 1000 Jahre schmachten soll um für ihre Taten bestraft zu werden.

Wer in dieser Gefängniszelle sitzt soll hier nicht verraten werden. Die Episoden selbst sind eine Ansammlung verschiedener Einzelgeschichten mit denen vor allem Bill ihre Probleme bekommt. Ob man in „Smile“ Roboter ausschalten muss, die auf Emojis reagieren oder eine von Icewarriors entführte Brigade viktorianischer Soldaten, die auf dem Mars nach Goldvorräten schürfen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Showrunner Stephen Moffat und sein Autorenteam bringen im Laufe der Staffel verschiedene Themen zur Sprache bevor man im zweiteiligen Finale mal wieder die Emotionen hochkochen lässt. Am Ende der regulären Staffel wird bereits der Regenerationsvorgang des Doctors eingeleitet, der sich vorläufig noch wehren kann. Die Zuschauer müssen jetzt tapfer sein, denn erst dann, im Weihnachtsspecial, wird die Regeneration abgeschlossen.

 

Bill Potts begleitet den Doctor

Nardole ist skeptisch

Fazit:

Beim betrachten der Staffel kann man sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass Showrunner Steven Moffat sein Pulver nun verschossen hat. Die Einzelepisoden anderer Autoren sind durchaus sehenswert – auch für Who-Einsteiger – allerdings bleibt irgendwie ein Nachgeschmack. Vielleicht liegt es daran, dass man nie wirklich mit dem Doctor mitzittern kann oder dass Bill sich noch nicht stark genug mit den Zuschauer verbandelt hat.  Zum Anderen vergibt die Staffel eine Chance zu berühren als man mittendrin einen Dreiteiler beginnt, der dann allerdings merkwürdig uneinheitlich wirkt. In der ersten Folge „Extremis“ scheint man tatsächlich eine ernsthafte Bedrohung für den Doctor und die Welt aufzubauen, die sich dann allerdings mit einer lächerlichen Erklärung auflöst. In der zweiten Folge stagniert die Handlung und baut erst zum Ende eine emotionale Spannung auf, während im dritten Teil sich der Stil wieder komplett ändert und dem Zuschauer ratlos dastehen lässt. Man merkt dem Dreiteiler an, dass hier drei Autoren am Werk waren, die wohl eigene Stories im Sinn hatten, diese aber durch einen Handlungsfaden verbinden mussten.

Zum Glück gibt es in der Staffel auch ein paar Lichtblicke. Dem Rezensenten gefiel beispielsweise „The Emperess of Mars“. In dieser Episode verbeugt sich Autor Mark Gatiss sehr tief vor den Autoren viktorianischer Science Fiction Literatur. Zahlreiche Reminiszenzen und einige humorvolle Dialoge machen diese Episode zu einem Highlight der Staffel. Dort wird an Edgar Rice Burroughs „John Carter: Prinzess of Mars“ erinnert, aber auch an H.G. Wells „The first men IN the Moon“. Die Verfilmung dieses Romans dürfte auch Vorlage für einige Kostüme und Sets gewesen sein.

Ein weiteres Highlight der Staffel war „The Eaters of Light“, in der wir im fernen Schottland auf Monstren treffen, die eine legendäre Legion der Römer ausgelöscht zu haben scheint. Hier werden historische Fakten mit einer fantasievollen Inszenierung verknüpft und dabei auch tolle Landschaftsaufnahmen von Wales (das als Double für Schottland herhalten musste) zeigt.

Ähnlich fasznierend ist die Geschichte von „Thin Ice“, in der die Fernsehzuschauer vom letzten Jahrmarkt auf der zugefrorenen Themse erfahren. Auch wenn die Erklärung, wieso dies der letzte Jahrmarkt dieser Art war, anders ist als die wirkliche (Klimaerwärmung), so nimmt der Doctor hier für das Fernsehen mal wieder einen Bildungsauftrag wahr indem er den Zuschauern einige wahre Fakten einbringt.

Insgesamt kann man der zehnten Staffel bescheinigen, dass sie mal wieder „durchwachsen“ war. Einige unterhaltsame Folgen, einige eher lasche Folgen, die allerdings durch das höchst emotionale Ende der Staffel wieder wettgemacht werden. Capaldi ist als Doctor inzwischen so routiniert, dass man sich wünschen würde, er würde bleiben. Allerdings hört nicht nur er auf sondern gleichzeitig Showrunner Stephen Moffat, der seine Sache sehr gut gemacht hat. Zum Ende merkte man der Serie jedoch an, dass Moffat sich eigentlich nur noch selbst zitieren kann und die Serie frisches Blut braucht.

Die Zukunft des Doctors

Mit Chris Chibnall wurde ein neuer Showrunner gefunden, der inzwischen versprochen hat die Serie von Grund auf neu auszurichten. Mit dem Weggang von Steven Moffat und Peter Capaldi werden leider auch Pearl Mackie (Bill) und Matt Lucas (Nardole) die Serie verlassen. Damit wird für Chibnall gewissermaßen „Reiner Tisch“ gemacht und er kann die Serie mit neuen Ideen rebooten. Chibnall ist im Doctor Who Universum kein Unbekannter. Als Autor für „Torchwood“, der Ablegerserie schrieb er einige starke Episoden und in „Doctor Who“ gehen auch einige witzige Episoden auf sein Konto. Mit „Dinosaurier im All“ oder „Zusammengewürfelt“ bewies er, dass er äußerst humorvolle Dialoge schreiben kann.

Doch auch höchst emotionale Episoden in „Torchwood“ gehen auf sein Konto. Zuletzt war er für die brillante Serie „Broadchurch“ veranwortlich, in der er eine höchst ungewöhnliche Kriminalgeschichte in einem kleinen Küstenort schilderte. Bei der Besetzungsliste glaubt man, die Darsteller aus „Doctor Who“ hätten hier ihre zweite Heimat gefunden. Angefangen bei Hauptdarsteller David Tennant (Neunter Doctor) über Arthur Davill (Rory Williams) bis hin zu Olivia Coleman (Mutter in Matt Smiths Debütepisode) oder David Bradley (Solomon, bzw. William Hartnell in einem Who-Dokudrama) und Eve Myles (Torchwood).

Tatsächlich haben sich die Verantwortlichen diesmal für einen weiblichen Doctor entschieden. Es ist Jodie Whittaker, die mit Chris Chibnall bereits in „Broadchurch“ zusammengearbeitet hat und sich durch eine starke Präsenz auszeichnete. Natürlich ging ein Aufschrei durch die Gemeinde als Frau Whittaker in einem Teaser während des Tennisturniers in Wimbledon angekündigt wurde. Aber dass der Doctor durchaus eine Frau sein kann wurde bereits mehrfach in der Serie angedeutet. „Der Master“, der als „Missy“ wieder auftauchte, aber auch ein General auf Gallifrey, der sich freute endlich wieder in einem weiblichen Körper zu stecken („..immer dieses männliche Testosteron…“). Schon in der Classic-Serie probierte Romana gleich mehrere Körper aus um den Tom Baker Doctor zu gefallen. Nun ist es also passiert – der Doctor wird in Zukunft weiblich sein und bietet damit Stoff für amüsante Handlungen. Wie verhält sich ein Timelord wenn er erstmals eine Frau ist? Was zieht er/sie an? Gibt es schminktipps für Timelords? Werden Entscheidungen jetzt mit weiblichem Instinkt getroffen? Wie reagieren andere Aliens auf den neuen Doctor?

Die Fans werden den neuen Doctor auf jedenfall lieben.

Zunächst aber müssen die Fans erstmal auf Weihnachten warten wenn der aktuelle Doctor und Moffat ihre Abschiedsvorstellung geben….

In Deutschland wird die zehnte Staffel ab Dezember bei „FOX Serie“ ausgestrahlt, inklusive dem Weihnachtsspecial vom letzten Jahr „Die Rückkehr von Doctor Mysterio“.

 

Die Mönche auf der Suche nach Wahrheit

(Alle Bilder Copyright: BBC)

Der Doctor mal ganz anders. Jodie Whittaker ist Doctor Who!

(Alle Bilder Copyright: BBC)

Das neue Team in der TARDIS!

Yasmin (Mandip Gill),  Graham ( Bradley Walsh), Frau Doctor (Jodie Whittaker)  und Ryan (Tosin Cole)