Nach acht Monaten Fernsehabstinenz kehrt Doctor Who wieder auf die Bildschirme zurück. Die erste Folge soll aber nicht nur unterhalten sondern will auch einen neuen Schauspieler als Doctor einführen. Erstmals in der Neuauflage wird der Doctor von einem etwas älteren Schauspieler,  Peter Capaldi, dargestellt. Doch wie führt sich der routinierte Darsteller in das Who-Universum ein? Die Antwort gibt die erste Folge „Deep Breath“ („Tief luftholen“).

Inhalt

DW_DeepBreath02Wir befinden uns im viktorianischen London wo die Bevölkerung gerade einen ungewöhnlichen Besucher hat. Einen voll ausgewachsenen Dinosaurier. Die „Paternoster-Gang“ (benannt nach ihrer Wohnstraße) bestehend aus der echsenhaften Silurianerin Madame Vastra, dem Sontaraner Strax und der Menschenfrau Jenny Flint gesellt sich zu den Schaulustigen am Rand der Themse. Die Polizei erhält von Madame Vastra erst einmal elektronische Sperrkreuze, die den T-Rex am weiterziehen hindern soll. Doch woher kommt der ungebetene Gast. Der Saurier beginnt zu würden und spuckt die TARDIS aus, die in der Nähe landet. Offenbar hatte der Doctor eine Begegnung in der Vorzeit infolgedessen die TARDIS verschluckt wurde und den Saurier mit nach London beförderte.

Vastra, Jenny und Strax klopfen an die Tür und sind verblüfft als ein veränderter Doctor herausstürmt. Er hat gerade erst regeneriert und leidet noch unter den Nachwirkungen. Seine Worte sind wirr und er hat noch Schwierigkeiten sich mit seinem neuen Aussehen anzufreunden. Man verfrachtet ihn erst einmal ins Bett damit er sich erholen kann.

Madame Vastra und ihre Freunde haben indessen noch ein anderes Problem. Überall in London kam es in der Vergangenheit zu „spontanen Selbstentzündungen“. Doch Jenny vermutet ganz richtig, dass jemand einfach Körper verbrennt um seine Spuren zu vernichten. Nachdem der Doctor auch von den Fällen erfahren hat geht er undercover und eine Spur führt ihn in ein Restaurant, in dem er auf Clara trifft, die einem Hinweis in einer Zeitung gefolgt ist. In diesem Etablissement kommen sie hinter ein Geheimnis, das den Doctor dazu bringt sich möglicherweise seiner „Grundprogrammierung“ zu widersetzen. Clockwork-Droiden, die schon in der Folge „The Girl In The Fireplace“ auftraten, treiben ihr Unwesen in London. Der Anführer sucht nach dem „versprochenen Land“ und geht dabei über Leichen.

DoctorWho_Vastra

Madame Vastra

Ein neuer Doctor

Capald_300iDas lange Warten hat ein Ende und endlich kann Peter Capaldi zeigen was in ihm steckt. Dabei ist er dem Who-Universum durchaus schon länger verbunden. Schon als Jugendlicher hatte er einen Zuschauerbrief an die Fernsehzeitschrift „Radiotimes“ geschrieben in dem er sich für ein Doctor Who Special bedankte und die Arbeit von Dalek-Erbauern lobte.

In einer Folge von DoctorWho war er auch als römischer Bürger in „The Fires of Pompeji“ zu sehen (In derselben Folge trat auch Amy Pond-Darstellerin Karen Gillian in einer kleinen Rolle  auf). Höchste Beachtung erfuhr er auch im Who-Spinoff „Torchwood – Children of Earth“.

Da man für die Rolle des Doctors einen älteren Darsteller suchte, der Matt Smith ablösen sollte, entschied man sich für ihn.

 

Capaldi verfügt über beeindruckende Augenbrauen, die auch für Witze in der Folge eingebaut werden. Als er sein neues Gesicht im Spiegel sieht sagt der Doctor von sich selbst: „Sehen Sie diese Augenbrauen? Das sind Angriffsaugenbrauen. Damit kann man Flaschen öffnen!“ Überhaupt scheint der Doctor von seinem älteren Aussehen gar nicht begeistert zu sein. Auch wenn er inzwischen um die 2000 Jahre alt ist, trauert er nun seinem jugendlichem Aussehen seiner letzten Inkarnation nach. Und auch seine Begleiterin Clara Oswald hat Schwierigkeiten sich mit dem Mann abzufinden, der so ganz anders aussieht als der stets lächelnde, jugendlich aussehende Matt Smith Doctor.

DoctorWho_Undercover

Clara und der Doctor Undercover

Die erste Folge der nun schon achten Staffel nimmt sich Zeit Claras Zweifel, und die des Doctors, zu thematisieren. Ist er immer noch derselbe Mann, der er vor der Regeneration war? Madame Vastra hat natürlich einen Rat für Clara. Sie soll sich nicht durch seinen Schleier vor dem Gesicht täuschen lassen. Innerlich ist er noch derselbe Mann, den sie aber erst wieder erkennen muss. Und während auch der Doctor durch den aktuellen Fall sichtlich seine Souveränität zurückerlangt erkennt schließlich auch Clara, dass er weiterhin der Doctor ist – und dass dieser unbedingt eine Begleiterin braucht, die ihn ab und zu anleitet oder korrigiert. Ihre unglaubliche Fähigkeit als Lehrerin und Aufpasserin, wie wir sie noch aus Matt Smiths Zeiten kennen, ist ganz besonders jetzt gefragt, da der Doctor erst einmal seine Identitätskrise überwinden muss.

Kritik

Steven Moffat gelingt es mal wieder eine höchst amüsante Folge mit viel Wortwitz, aber auch vielen weisen Ratschlägen zu produzieren. Die Handlung um die Clockwork-Droiden, die nach dem „versprochenen Land“ suchen, ist beinahe schon nebensächlich. Im Mittelpunkt steht die Einführung des neuen Doctors und die Zweifel, ob er immer noch der gute Mann ist, der die Menschen beschützt und dabei möglichst gewaltfrei die Gegner durch argumentieren bezwingt.

ClockworkDroid

Clockwork Droid

Auffällig ist außerdem, dass Clara Oswald mehr in den Vordergrund rückt. Ihre Rolle in der siebten Staffel wirkte teilweise, als ob die verschiedenen Autoren noch nichts mit ihr anfangen konnten. Nun bekommt sie eine Aufgabe und ist für den Doctor umso wichtiger.

Es ist immer wieder schön die „Paternoster Gang“ in Aktion zu sehen, gerade auch weil der Sontaraner Strax immer noch Männchen und Weibchen durcheinanderbringt und haarsträubende kriegerische Lösungen vorschlägt. Er bringt Situationskomik in die Folge, die sonst wohl ein wenig zu düster geraten wäre. Warum der Doctor allerdings mit der TARDIS immer gerade diese Zeitepoche ansteuert bleibt wohl ein Rätsel.

Sehr amüsant sind auch die Bezüge zu früheren Inkarnationen. Bei einem Gespräch mit einem Mann in einer Seitenstraße erklärt er dem verdutzten Fremden, dass sein Gesicht neu sei, aber es schon mal irgendwo gesehen habe (als neunter Doctor in Pompeji, was ihm noch nicht klar ist). Außerdem hätte er gerne einen Schal bis er merkt, wie dämlich der damals aussah (als er ihn als vierter Doctor trug). Außerdem scheint der vierte Doctor noch präsent zu sein, denn plötzlich imitiert er einen typischen Gesichtsausdruck von Tom Baker und dessen tiefes Grollen wenn er mal wieder einen Gesprächspartner beeindrucken will. Hätte Capaldi nicht so ein hageres Gesicht könnte er auch durchaus als älterer Tom Baker durchgehen. (krause Haare, auffällige Augenpartie). Allerdings sah man Baker ja im 50erJahre-Special und konnte sehen, dass er in letzter Zeit wohl zuviele Jellybabies gegessen hat.

tombaker_impersonator

Capaldi imitiert Tom Baker

FAZIT

Eine brillante Einstiegsfolge für Peter Capaldi und reichlich Screentime für Clara. Der Doctor ist nicht mehr der Sonnyboy von früher und muss nun damit klarkommen, dass andere, jüngere Männer ihn wohl nicht als Konkurrenz ansehen werden. Die Nachwirkungen der Regeneration sorgen für einige Lacher und Capaldi gelingt auch das Kunststück einige Gesichtsausdrücke zu produzieren, die fatal an Tom Baker in seinen besten Jahren erinnern. Sowohl Fans, als auch Neueinsteiger in die Serie werden diesen neuen Doctor wohl schnell akzeptieren und man muss sich am Ende fragen, ob der Doctor wirklich so gewaltfrei ist, wie er in den vergangenen Staffeln zu sein schien.

Deep Breath
90.2 Gesamtwertung
93.3 Lesermeinung (3 votes)
Pro

Tolle Einstiegsfolge
Eindrucksvolles Spiel von Doctor und Clara
Gute Effekte

Kontra

Für Neueinsteiger gewöhnungsbedürftig

Dramatik
Humor
Logik
Optik
Musik/Sound
Regie/Drehbuch
Was die User sagen 0 Ihre Wertung?

Sein Sie der Erste, der bewertet

Ihre Wertung?