[media-credit name=“BBC“ align=“alignright“ width=“250″]Listen362[/media-credit]Wenn Showrunner Steven Moffat eine Folge selbst schreibt kann man sich auf hochwertige Unterhaltung freuen. Seine Geschichten haben Wendungen, starke Charakterzeichnungen und oft werden in seinen Folgen neue Bedrohungen eingeführt, die der Zuschauer bisher noch nie so wahrgenommen hat. Mit den „weinenden Engeln“ hat er vor Jahren die Welt mit Statuen bedroht. Doch in „Listen“ ist das Grauen eher metaphysisch. Wovor hat man Angst? Was lauert unter dem Bett? Ängste, die man als Kind entwickelt hat und die sich unterschwellig bis ins Erwachsenenalter fortsetzen.

Inhalt:

Der Doctor ist nachdenklich geworden. Alleine in der TARDIS denkt er laut darüber nach, was es wohl ist, das Leute verängstigt, auch wenn scheinbar niemand sonst im Raum ist. Warum hat man als Kind Angst vor Monstren, die unter dem Bett liegen? Warum hat man das Gefühl, dass man verfolgt wird und wenn man sich umdreht ist niemand da? Dieser Frage will er mit der Hilfe von Clara auf den Grund gehen und landet in ihrem Schlafzimmer.
  • Autor: Steven Moffat
  • Regie: Douglas Mackinnon Schauspieler
  • Robert Goodman (Game of Thrones)
  • Samuel Anderson als Orson Pink.

Clara hat indessen andere Pläne. Sie hat sich mit Danny Pink zum Abendessen verabredet und da beide sehr nervös sind wählen sie die falschen Worte. Irgendwann hat Clara genug und verlässt wutschnaubend das Restaurant während Danny mal wieder mit der Stirn auf den Tisch klopft. Was ist falsch gelaufen?

Als Clara zuhause ankommt erwartet sie der Doctor um sie auf seine psychologische Erkundungsreise mitzunehmen. Widerstrebend folgt sie ihm und  der Doctor zeigt ihr in der Konsole ein organisches Bedienelement mit der Clara telepathisch Kontakt mit der TARDIS aufnehmen kann. Der Doctor will wissen, wann sie die Albträume hatte, dass jemand unter dem Bett lauert und würde gerne eigene Beobachtungen anstellen. Leider sind ihre Gedanken noch bei Danny, was durch das Klingeln ihres Telefons noch gesteigert wird. Und so landet man nicht in Blackpool sondern vor dem Heim, in dem Danny als Kind lebte. Der Doctor entschwindet für einen Plausch mit dem Nachtwächter und Clara entdeckt einen verängstigten Jungen am Fenster, dem sie gleich Trost spenden will.

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[/media-credit] Clara bedient die TARDIS

Der Junge stellt sich als Rupert Pink vor und ist offenbar niemand anders als ihr Freund, der später einmal Danny heißen wird (Rupert hasst seinen Vornamen). Sie versucht ihm die Angst vor dem Monster unter dem Bett zu nehmen indem sie sich selbst drunterlegt und ihn dazubittet. Doch plötzlich scheint etwas oben auf dem Bett zu materialisieren. Sie gucken nach und sehen tatsächlich eine Gestalt, die allerdings unter der Tagesdecke versteckt bleibt. Sie sind starr vor Angst, doch der Doctor greift ein und kann die Gestalt tatsächlich wortreich verjagen. Doch niemand kann mit Sicherheit sagen, ob es nun wirklich ein Monster unter der Bettdecke war oder nur ein Kind, das Rupert einen Streich spielen wollte.

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[/media-credit] Danny Pink wundert sich

Zurück in London kehrt Clara zu Danny im Restaurant zurück um von vorne anzufangen. Doch erneut geht das Gespräch in die falsche Richtung und so ist sie fast froh, als plötzlich ein Astronaut in voller Montur aus der Küche kommt und sie per Handzeichen zum mitkommen auffordert. Doch es ist nicht der Doctor, sondern ein Mann namens Orson Pink, den der Doctor in ferner Zukunft aufgelesen hat. Er ist mit einem Zeitreiseschiff an dem Punkt gelandet, an dem das Universum kollabiert. Orson hat es als „ersten Zeitreisenden“ hierher verschlagen. Doch auch er, als letztes Wesen im All, hat Angst vor „dem da draußen“. Der Doctor will wissen, wovor und riskiert einen Blick während sich plötzlich die Außenluke öffnet.

Bevor sie den Astronauten nachhause bringen verschlägt es die TARDIS allerdings auf einen Planeten, der sich als Gallifrey entpuppt. Clara hört einen Jungen weinen, muss sich allerdings unter das Bett verkriechen als zwei Erwachsene hereinkommen. Als der Junge später aus dem Bett schlüpfen will fasst sie ihm reflexartig an die Beine und erschrickt. Sie hat dem Jungen wohl jetzt Angst vor einem Monster unter dem Bett eingejagt. Sie kann durch Flüstern den Jungen dazu bringen sich wieder hinzulegen und ihn zu beruhigen. Als sie später in die TARDIS zurückkehrt schärft sie dem Doctor ein, nicht nachzuforschen, wo sie waren und was sie draußen tat – denn der kleine Junge war niemand anders als der Doctor selbst!

Die Episode

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[/media-credit] Reflexreaktion

Steven Moffat gelingt das Kunststück die Zuschauer von der ersten Minute an zu fesseln. Die Ängste, die der Doctor anspricht, hat wohl schon Jeder einmal erlebt und die Genialität dieser Folge besteht darin, dass man auch nie sieht, was da so furchterregend ist. Selbst als sich unter der Decke des jungen Rupert eine Gestalt erhebt bleibt es dem Zuschauer überlassen zu spekulieren, ob es wirklich ein „Außerirdischer“ oder nur ein Kind aus dem Nachbarzimmer gewesen ist. Als besonderes Bonmot erfahren wir, dass die Ängste des Doctors von dem Monster unter dem Bett wohl auf Clara zurückzuführen sind. Es ist mal wieder sehr fasznierend, dass die Worte, mit denen Clara den Jungen beruhigt („Angst verleiht Dir Superkräfte…!“) vom alten Doctor stammen. Eine Kausalschleife nach dem Schema „Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn? ergibt sich auch hier. Hätte der Doctor anders gesprochen wenn Clara andere Worte gewählt hätte?

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[/media-credit] Der Doctor am Ende der Welt

Mit „Listen“ kann Moffat das Kunststück wiederholen, das ihm schon bei „Blink“ („Nicht blinzeln“) in der dritten Staffel gelungen ist. Eine spannende Geschichte zu erzählen, die mit unseren Urängsten spielt. Es ist aber auch schön zu sehen, dass der Doctor sehr einfühlsam gegenüber Kindern ist. Er widersteht dem Verlangen die Tagesdecke auf Ruperts Bett wegzuziehen um nachzugucken, ob da wirklich ein Monster ist. Stattdessen fordert er alle Beteilligten dazu auf, dem Angstgegner den Rücken zuzudrehen und ihn zu ignorieren – damit nimmt er dem „Geist“ die Macht sodass dieser die Chance ergreifen kann um zu verschwinden. Das Unbekannte im Augenwinkel ist ein Motiv, das Moffat schon in der Debütfolge von Matt Smith verwendet hat. Als Amy Pond in ihrem Haus die Türen zählen soll offenbart sich ihr eine weitere Tür erst als sie sie über den Augenwinkel anvisiert. Prisoner Zero hatte hier ein gutes Versteck gewählt.

Obwohl die Folge sehr gruselig ist hat sie aber auch lustige Momente. Danny Pink, der sich im Restaurant fragt, was beim Rendevous falsch gelaufen ist und auch der Doctor, der Claras dreiteiligen Spiegel sieht und folgert, dass sie ein so breites Gesicht hat, dass sie drei Spiegel braucht. Der Dialogwitz sorgt für ein paar erheiternde Momente bis man sich wieder in die Welt der Poltergeister und Urängste begibt.

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[/media-credit] Orson Pink in Berufskleidung

Sam Anderson, der nicht nur den erwachsenen Danny Pink, sondern auch den Zeit-Robinson Orson Pink spielt, bekommt erstmals mehr Screentime als in vorangegangenen Folgen. Der Doctor sieht in dem Zeitreisenden keine Konkurrenz und lacht sogar herzlich, wo er ihn – dank Claras TARDIS-Programmierung – gefunden hat (Zitat: „Seid Ihr irgendwie entfernt verwandschaftlich verbunden?“). Am Ende des Universums. Eine Begegnung zwischen Danny und dem Doctor steht allerdings noch aus.

Die Folge „Listen“ („Hör zu!“) ist sicherlich ein Höhepunkt in der Serie und Steven Moffat verdient wegen des Drehbuches sicherlich wieder einen Preis. Er scheint überhaupt Fehler aus der siebten Staffel diesmal zu vermeiden. Die siebte Staffel, die als „Blockbuster-Staffel“ tituliert wurde, litt unter der Tatsache, dass es keinen übergreifenden Handlungsbogen gab und die Autoren auch nichts mit Clara anfangen konnten. Sie war damals die Standard-Begleiterin ohne eine wirkliche Aufgabe zu haben. In der achten Staffel kristallisiert sich langsam heraus, dass Clara als „Nanny“ oder „Lehrerin“ für den Doctor sehr wichtig ist um die guten Eigenschaften hervorzubringen. Mit der inzwischen vierten Episode scheint der Doctor vollends zurückgekehrt zu sein, braucht aber ab und zu noch die Anleitung durch seine Begleiterin. Viele Drehbücher der achten Staffel listen Steven Moffat als Co-Autor auf und man kann vermuten, dass er die Elemente dieser Folgen, die zur Charakterbildung und für den großen Handlungsbogen dienen, entwickelt und schreibt. Nur weiter so.

Fazit:

Neben „Deep Breath“ ist „Listen“ bisher ein Höhepunkt der Serie und braucht sich auch nicht hinter „Blink“ aus der dritten Staffel verstecken. Die Folge ist gespenstisch und hat eigentlich nur Höhepunkte. Dazu kommen einige skurrile Drehbucheinfälle wie ein Astronaut im Restaurant und die herrlichen Dialoge, die sich zwischen Clara, dem Doctor und Danny Pink abspielen.

Eine sehr gelungene Folge, die einmal auf das „Monster der Woche“ verzichtet und auch vom Regisseur sehr stimmungsvoll umgesetzt wurde.

Listen
88.2 Gesamtwertung
100 Lesermeinung (3 votes)
Pro

Spannende Atmosphäre
Interessante Grundidee
Tolle Wendungen

Kontra

Ein klein wenig unlogisch...

Dramatik
Humor
Logik
Optik
Musik/Sound
Regie/Drehbuch
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