Doctor Who – S09E02 – Hexenkunst

30. Sep. 2015Doctor Who, Episodenführer, Reviews0 Kommentare

Massive Spoilerwarnung

Es folgt eine Zusammenfassung, die massive Spoiler enthält. Wer nichts über den Inhalt wissen will sollte nicht weiterlesen!

Inhalt:

Natürlich sind Clara und Missy nicht gestorben. Missy erklärt es Clara: Sie hat dem Doctor abgeguckt wie man einen Vortex-Manipulator so umprogrammiert, dass ein Laserschuss einen Notfalltransport auslöst. So konnte Missy auch bei ihrem letzten Zusammentreffen entkommen. Clara würde gerne in die Hände klatschen, doch aus unerfindlichen Gründen hat Missy sie kopfüber mit einem dicken Seil an ein einen Felsvorsprung geknotet.

Sie befinden sich noch immer auf Skaro, vor den Toren von Dalek-City und suchen nun nach einem Zugang zur Stadt, in der der Doctor noch immer mit dem dahinsiechenden Davros spricht. Die beiden Frauen begeben sich in die Kanalisation unter der Stadt, die allerdings keinen Abfall transportiert sondern eine Lagerstätte für sterbende Dalek-Mutanten ist.

Währenddessen kann der Doctor immer noch nicht glauben, dass Davros auf einmal sentimental geworden ist. Als dieser mit letzter Kraft seine verklebten Augen öffnet um seinen letzten Sonnenaufgang zu erleben kann es der Doctor nicht mit ansehen und spendet ihm Regenerationsenergie. Doch darauf hat der listige Davros nur gewartet. Sein Gehilfe „Kolonie Sarff“ hat fesselt den Doctor an die Energieleitungen und so ergießt sich die Regenerationsenergie nicht nur in Davros Lebenserhaltungssystem sondern auch in die, auf Skaro anwesenden, Daleks. Missy und Clara kommen gerade noch zurecht um den  Doctor zu retten. Doch dieser wirkt nicht demoralisiert. Angeblich hat er Davros Schachzug vorausgesehen. Die Regnerationsenergie hat sich auch in die Kanalisation in die sterbenden Dalek-Mutanten ergossen, die sich nun gegen ihre älteren Kollegen wenden.

Der Doctor und Clara entkommen dem Chaos der einstürzenden Stadt. Nur Missy, die Clara auf eine besonders perfide Weise loswerden wollte, bleibt, umringt von Daleks, zurück. Doch sie hat bereits einen neuen Plan….

 

In der Höhle des Löwen

(Bild: BBC)

Auf dem Schlachtfeld

(Foto: BBC)

Fakten:

Die zweite Hälfte der Geschichte ist sicherlich nicht ganz so abwechslungsreich wie der erste Teil. Dafür darf Steven Moffat einmal wieder zeigen zu welch meisterlichen Dialogen er fähig ist, wenn er Zeit hat ein Gespräch zu entwickeln. Der Dialog zwischen dem Doctor und Davros erinnert ein wenig an die Folge vom letzten Jahr „Into the Dalek“, in der der Doctor bestätigt bekam, dass er ein guter Dalek wäre. In einer Szene nimmt der Doctor sogar in Davros Lebenserhaltungsgefährt platz und wird auch optisch halb zum Dalek, halb zum Timelord. Dabei schlürft er sogar noch eine Tasse Tee, die so deplaziert ist, dass der Doctor sagt: „Woher habe ich wohl eine Tasse Tee? Ich bin der Doctor! Akzeptiert es einfach!“.

Da der Doctor fast die ganze Episode lang mit Davros zu tun hat ist es an Clara und Missy den amüsanten Part zu übernehmen. Missy zeigt in jeder einzelnen Szene, wie gering sie Clara einzuschätzen scheint. Sie fesselt Clara kopfüber in der Wüste, stürzt sie in Gruben, bedroht sie mit einem spitzen Stock und sorgt schließlich noch dafür, dass sie in die Hülle eines Daleks schlüpfen muss – in der Hoffnung, dass der Doctor das Gefährt vernichtet.

Dabei kann man Michelle Gomez bei der Darstellung der durchgeknallten Missy nur gratulieren. Anders als der letzte Master-Darsteller John Simm, der nur wilde Grimassen schnitt, ist Missy eher verspielt, unvorhersehbar und gefährlich. „Mary Poppins böse Schwester“ wäre vielleicht die Bezeichnung, die man ihr geben sollte. Als sie verlangt zum Supreme-Dalek gebracht zu werden sagt sie, der Dalek solle ausrichten „The bitch is back!“. Die Ähnlichkeit des anzüglichen Begriffs „Bitch“ (Schlampe) zu „Witch“ (Hexe) war es wohl auch, die Folge „The Witch’s familiar“ („Die Hexe ist uns bekannt“) zu nennen. Woraus man ableiten kann, dass Missy, in ihrer weiblichen Inkarnation, auch schon auf die Daleks getroffen sein muss.

Übrigens ist der Begriff „The Witch’s familiar“ auch als begleitendes Wesen einer Hexe (ein Dämon oder Geist oder ein Tier) etabliert. Das hieße, dass der Titel sich auf Clara beziehen würde…..

Ebenfalls interessant ist ein Hinweis auf die Brosche, die Missy an ihrem Kragen trägt. Das Material, eine Legierung aus Materie eines „dunklen Sterns“,  ist in der Lage eine Dalek-Panzerung zu durchdringen. Sie sagt dazu, dass der Doctor ihr die Brosche schenkte als ihre Tochter (!)…. und bricht ab als ein Dalek hereinkommt. Eine Tochter? Hmmm…

Für Clara ist das Abenteuer auf Skaro nicht sehr angenehm. Sie muss als „Prügelknabe“ für Missys Streiche herhalten und hat nicht die geringste Chance ihre Souveränität, die sie im Beisein des Doctors sonst hat, auszuspielen. Gegen Missys Sprunghaftigkeit ist sie machtlos. Besonders als sie von Missy in einen Dalek gesperrt wird und ihre Worte vom Sprachverzerrer immer in „Exterminate“ umgewandelt wird, kommt Panik auf. Außerdem erinnert die Situation stark an die Geschichte, in der eine „Verwandte“ namens Oswin in einem defekten Dalek steckte und schließlich den Heldentod starb.

Immerhin erfahren wir durch Missy einige Details über Daleks, die uns bisher nicht bekannt waren. Der Sprachprozessor, der, egal, was man sagt, alles in Kampfgeschrei ummünzt, aber auch, dass der Ruf „Exterminate“ offenbar die Waffen wieder auflädt. Wohlmöglich sind also die Dalek-Mutanten im Inneren selbst auch nur Sklaven der Kampfmaschine, in der sie stecken?

 

 

Albtraum für die Daleks

(Foto: – BBC)

Gnade – Ein Wort, das die Daleks lernen müssen

(Foto: BBC)

Fazit:

Es ist nicht einfach der Folge eine Einzelbewertung zu geben, da man sie im Zusammenhang mit der vorigen Episode sehen sollte. Nachdem die erste Episode die Akteure nach Skaro brachte erleben wir hier, was dem Doctor und seinen weiblichen „Fans“ auf Skaro passiert. Dabei ist der Aktionsteil eher auf Missy und Clara fokussiert, die in einer Art Comedy-Act der Geschichte ihre Düsternheit nimmt. Meiner Meinung nach gelingt der Spagat recht gut. Missys Eskapaden erinnern an die Sprunghaftigkeit des Doctors, allerdings in einer sehr aggressiven Weise. Clara erlebt hier wohl, wie es wäre wenn der Doctor kein „guter Mann“ wäre.

In den Dialogen zwischen dem Doctor und Davros gelingt es dem Autor Steven Moffat so etwas wie Mitgefühl für den verunstalteten Wissenschaftler zu erzeugen. Als er „mit eigenen Augen“ den Sonnenaufgang auf Skaro sehen will klingt das zwar irgendwie an Anakin Skywalkers letzte Worte in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Doch hier drückt Davros bewusst auf die Tränendrüse des Doctors. Seitdem der Doctor ihn als Kind aus dem Hand-Minenfeld rettete weiß er, dass der Doctor eine große Schwäche hat: Mitgefühl. Als Zuschauer ist man dann natürlich entsetzt als sich Alles wieder nur als übler Trick entpuppt, der dem Doctor die Regenerationskräfte entziehen soll und Davros und den Daleks eine Chance zum Überleben geben soll.

Die Folge ist kurzweilig und überrascht immer wieder mit skurrilen Einfällen wie der Teetasse des Doctors (möglicherweise eine Verneigung vor Douglas Adams Roman: „Dirk Gently: Der lange Fünfuhrtee der Seele“). Ebenso überraschend dürfte für die Fans der Umstand sein, dass der Doctor angeblich keine Schallschrauber mehr nutzt weil er die Tasche immer ausbeult. Stattdessen zieht er „Wearables“ vor, sprich eine dunkle Sonnenbrille, die irgendwie an Arnold Schwarzeneggers Brille erinnert. Ich warte noch auf den Satz „I’ll be back!“.

Andere Überraschungen sind natürlich Missy zuzuschreiben. Warum sie sich einen spitzen Stock schnitzt oder Clara wie eine Jagdtrophäe an einen Felsen hängt wird nicht erklärt.

Die Folge war sicherlich nicht der aufwändige Actionkracher, lebte aber von grandiosen schauspielerischen Leistungen. Nicht nur Peter Capaldi und Michelle Gomez brillierten hier sondern auch Julian Bleach, der es mit dem schweren Davros-Makeup sicherlich nicht einfach hatte. Die Fans sind allerdings ein wenig verwundert, dass Davros auf einmal seine Augen öffnen konnte. Bisher hieß es, dass er bei einer Bombardierung seine Augen verloren hatte und deshalb nur mit einem künstlichen Stirnauge sehen konnte. Aber vielleicht hat Steven Moffat dieses Detail geändert um den Schauspieler die Möglichkeit zu geben sein Talent besser auszuspielen.

Die ersten beiden Folgen waren super. Jetzt hoffe ich, dass die anderen Autoren mit den „Routinefolgen“ auch gute Ergebnisse abliefern.

Claras Probefahrt

(Foto: BBC)

Brille statt Schallschrauber

(Foto: BBC)

Besetzung

  • Colony Sarff  –  Jami Reid-Quarrell
  • Junger Davros   – Joey Price
  • Davros – Julian Bleach
  • Stimme der Daleks –   Nicholas Briggs
  • Dalek  –  Barnaby Edwards
  • Dalek  –  Nicholas Pegg

Team

  • Autor    Steven Moffat
  • Regisseurin    Hettie McDonald
  • Produzent    Peter Bennett
  • Ausführender Produzent   Steven Moffat
  • Ausführender Produzent   Brian Minchin
S09E02 - Hexenkunst
73.1 Gesamtwertung
Pro
- starke Schauspieler - gute Dialoge - Viel Humor - Neue Infos über Daleks
Kontra
- Logiklöcher - Veränderung der Mythologie
Zusammenfassung
Mit der Folge gelingt es Autor Steven Moffat den Schauspielern Peter Capaldi und Julian Bleach zu brillieren. Aber auch die humoristischen Einlagen von Missy sind köstlich anzuschauen. Leider ist Clara hier nur in einer Opferrolle zu sehen.
Dramatik
Humor
Logik
Optik
Musik/Sound
Regie/Drehbuch