Doctor Who – S09E03 und E04

17. Okt. 2015Doctor Who, Reviews0 Kommentare

Massive Spoilerwarnung

Es folgt eine Zusammenfassung, die massive Spoiler enthält. Wer nichts über den Inhalt wissen will sollte nicht weiterlesen!

Inhalt:

Die TARDIS bringt den Doctor und Clara in eine Förderstation auf dem Boden eines Sees. Offenbar ist „The Drum“, so der Name der Station, verwaist und auch die TARDIS fühlt sich nicht wohl, wie der Doctor überrascht feststellt. Doch ganz so verwaist ist die Station dann doch nicht. Der Doctor und Clara stoßen auf zwei Wesen, die sich als „Geister“ entpuppen. Sie tun ihnen zwar nichts, führen die Beiden aber in einen Hangar, in dem ein außerirdisches Raumschiff steht.

Der Doctor merkt sofort, dass etwas nicht stimmt: Ein Energiezylinder fehlt und die Cryokammer des Piloten ist auch nicht da. Außerdem gibt es in der Wand merkwürdige Zeichen, die von der TARDIS nicht übersetzt wurden. Und plötzlich versuchen die Geister nun doch mit Harpune und Hammer auf sie loszugehen. Als der Doctor und Clara durch die Station finden treffen sie schließlich in einem abgeschirmten Raum auf Überlebende, die sich vor den Geistern verstecken. Der Doctor erkennt schließlich, dass die Geister offenbar von jemanden geschaffen wurden um als „Funkbarke“ eine Leitsignal an jemanden zu richten.

Er will mit der TARDIS in der Zeit zurückreisen um herauszufinden wie alles begonnen hat. Leider werden sie auf dem Weg zur TARDIS getrennt und während für den Doctor und zwei Crewmitglieder  der Weg frei ist, bleibt Clara mit zwei anderen Mitgliedern zurück. Der Doctor muss allein zurückreisen. Doch Clara fährt der Schreck in die Glieder als sie durch ein Fenster einen weiteren Geist erspäht: Es ist der Doctor!

Den Doctor und seine neuen Freunde hat es inzwischen in ein Militärcamp auf britischen Boden ins Jahr 1980 verschlagen, das früher einmal Ausbildungslager für Agenten war, die in Russland eingeschleust werden sollten. Hier ist das Raumschiff gelandet und ein Alien der Rasse Tivoli bereitet gerade die Bestattung eines weiteren Außerirdischen, dem sogenannten „Fisher King“,  vor, der sich allerdings als nicht so tot erweist, wie er annahm.

Nachdem der Doctor die Situation erfasst hat versucht er über sein Spezialtelefon mit Clara in Kontakt zu kommen, die ihn zitternd von seinem Ableben informiert. Der Doctor ist schockiert und akzeptiert, dass er wohl sterben muss. Er muss sich allerdings vor dem gruseligen „Fisher King“, verstecken bevor er einen Plan aushecken kann. Wieder einmal muss der Doctor die Regeln für Timelords neu auslegen um den Sensenmann von der Schippe zu springen.

 

Die Tardis fühlt sich nicht wohl

(Bild: BBC)

Der Doctor simuliert ORION-Gürtelsterne

(Bild: BBC)

Wo ist der Pilot?

(Bild: BBC)

Fakten:

Die beiden Episoden „Under The Lake“ und „Before The Flood“ einzeln zu besprechen macht irgendwie keinen Sinn. Daher werde ich diese und die kommenden Doppelfolgen jeweils zusammen rezensieren. Toby Whithouse hat bereits mehrere Episoden für „Doctor Who“ geschrieben und bewies dabei, dass er durchaus mit Chefautor Steven Moffats Stil mithalten kann.

Der Zweiteiler regt zum Mitdenken an, da wieder ordentlich mit Paradox-Situationen hantiert wird, die dem Zuschauer einiges abverlangen. Die beiden Teile sind stilistisch durchaus unterschiedlich. Während der erste Teil mit den Geistern eher an die klaustrophobischen Situationen aus dem Film „Alien“ erinnern konzentriert sich der zweite Teil mehr auf das Geschehen rund um den „Fischer King“ und dem Versuch des Doctors seines sicheren Todes zu entrinnen.

Wieso das Alien den Namen „Fisher King“ trägt wird nicht eindeutig geklärt, denn eigentlich entstammt der Name der Arthus-Legende und erzählt von einem König, der von einer Lanze unter der Gürtellinie verletzt ist und seitdem zeugungsunfähig ist. In den Parcival-Mythen wird der „Fisher King“ beschrieben und war auch bereits in Terry Gilliams gleichnamigen Film eine Albtraumgestalt.

Einer der Geister, ein Bewohner des Planeten Tivoli, entpuppt sich im zweiten Teil als skurriler Totengräber, der die Leiche des „Fisher King“ bestatten sollte. Paul Kaye, der unter der Alienmaske nur schwer zu erkennen ist, spielt hier wieder den übertrieben herumwieselnden Typen, ähnlich wie in „Jonathan Strange & Mister Norrell“, was wohl auch sein Markenzeichen ist. Als „Geist“ im ersten Teil hat er wenig Gelegenheit sein eigentliches Talent zum Vorschein zu bringen. Erst in „Vor Der Flut“ wird der bekannte Schauspieler seinem Image gerecht.

Die Schauspielerriege der „Drum“ ist sicherlich sehr talentiert. Interessant dabei ist der Einsatz einer taubstummen Figur, deren Lippenlesefähigkeit hier wichtig wird. Die Schauspielerin Sophie Stone ist seit ihrer Geburt taub, kann aber trotzdem sehr gut verständlich sprechen. Sie schaffte es die Schauspielschule dank Fördermitteln zu besuchen und trat sowohl auf der Bühne als auch in Film und Fernsehen auf. Ihr Spiel in „Doctor Who“ ist sehr intensiv und sogar ihre Zeichensprache drückt Entschlossenheit aus.

In den Folgen steht ihr Zaqui Ismail zur Seite, der für sie übersetzt. Im echten Leben hat Zaqui eine ebenfalls taube, ältere Schwester. Daher kommt seine Zeichensprache auch gut rüber und wirkt nicht wie „geschauspielert“.

Das Setting für die Unterwasserstation „The Drum“ ist gut gelungen. Die Gänge, die verschiedenen Räume und schließlich auch der Ausblick durch Panoramafenster in der Messe bringen eine gehörige Portion Klaustrophobie in die Story. Interessant dabei ist, wie unterschiedlich die Station im Tag- und Nachtmodus wirkt. Tagsüber hell und Sicherheit ausstrahlend, gibt es im Nachtmodus überall dunkle Passagen, die nur durch Licht aus Sichtfenstern beleuchtet werden.

Interessanterweise merkt man kaum, dass man an Effekten gespart hat. Wenn ein ferngesteuertes U-Boot die versunkene Kirche durchsucht sehen wir nur eine grafische Darstellung des Bootes auf dem Bildschirm, eine Außenansicht des suchendes Bootes wird nicht angeboten. Sehr geschickt gemacht, wie ich finde.

Bestimmt hatte das Trickteam auch alle Hände voll zu tun die Geistereffekte zu realisieren. Immerhin wird im zweiten Teil ein Staudamm gesprengt und muss sich, von der optischen Wirkung her, nicht vor Kinofilmen verstecken.

Der „Fisher King“ beeindruckt in seiner Größe und seinem Design. Der Darsteller Neil Fingleton ist über 2,32 Meter groß und spielte früher Basketball. Aufgrund seiner Körpergröße wird er gern für Film und Fernsehen gebucht. Zuletzt sah man ihn als Riese „Mag“ in „Game Of Thrones“ und in „Jupiter Ascending“. Die Stimme des „Fisher King“ stammt von  Peter Serafinowicz, für den Schrei wurde dagegen eigens Corey Taylor von der Rockgruppe „Slipknots“ engagiert.

Kommen wir nun zum zentralen Thema der Schlussepisode: Der Doctor wendet sich im Teaser direkt an den TV-Zuschauer und bereitet es damit auf seinen Trick vor, mit dem er den „sicheren Tod“ entgehen will. Er nennt es das „Bootstrap Paradox“ (und fordert die Nation zum googeln auf). Der Begriff beschreibt ein beliebtes Thema bei Zeitreisen: Kann man sich an den eigenen Schnürsenkeln aus dem Dreck ziehen? Der Doctor zieht als Vergleich Beethoven heran: Wenn ein Zeitreisender Fan von Beethoven ist und in dessen Zeit reist um sich Autogramme zu holen, dann aber feststellt, dass dieser nirgends bekannt ist. Wenn nun der Zeitreisende dem Unbekannten nun Noten seiner Werke vorlegt, die dieser abschreiben soll damit das Werk überhaupt geschaffen wird.

Wer, so fragt der Doctor, hat das Werk überhaupt erschaffen? Und er unterlegt seine Ausführungen mit den Eingangstakten der „Fünften Symphonie“, gespielt auf seiner Rockgitarre. Tatsächlich ist die Lösung, die der Doctor ergreift um den „sicheren Tod“ zu entgehen ein heftiger Verstoß gegen die Regeln der Timelords und die TARDIS sabotiert sogar seinen Plan und läßt die warnende Klosterglocke läuten.

Der Doctor als Geist!

(Bild:  BBC)

Paul Kaye in Höchstform

(Bild: BBC)

Stumme Unterhaltung

(Bild: BBC)

Fisher King mit eigenem Leichenwagen

(Bild: BBC)

Der Doctor erklärt seinen Trick

(Bild: BBC)

Was ist ein Bootstrap Paradox?

(Bild: BBC)

Fazit:

Auch wenn die beiden Episoden „Under The Lake“ und „Before The Flood“ zusammengehören, so wirken sie doch wie zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Dadurch bleibt die Gesamtstory abwechslungsreich. Toby Whithouse hat sich mit der Geschichte auf jeden Fall als möglicher Showrunner empfohlen falls Steven Moffat mal keine Lust mehr hat.

Die Folge ist voller Anspielungen an frühere Episoden und es ist auch nett, dass man mit „Prentiss“ einmal mehr einen Vertreter des Planeten Tivoli gesehen hat, dem Planeten, der so oft, wie sonst keiner, von Aliens besetzt wurde. In „Der Gotteskomplex“ wurde Darsteller David Walliams („Little Britain“, „Partners In Crime“) von einem Minotaurus gejagt. Schön, dass man diese Aliens mal wieder zu Gesicht bekommt. Paul Kaye vermag es auch im zweiten Teil die Rolle mit Leben zu erfüllen ( so langsam werde ich ein Paul Kaye Fan und hoffe, dass es auch zu einer weiteren Staffel von „Jonathan Strange & Mister Norrell“ kommt, in der er wohl dann sogar Hauptfigur sein wird.)

Mir persönlich gefielen beide Episoden, da sie jeweils andere Schwerpunkte hatten. Die eine mehr als Horror-Movie, die andere mehr als pure Zeitreise-Story. Die erste Episode war allerdings stimmungsvoller und in sich stimmiger. Daher würde ich die erste Folge als leicht besser einstufen. Daran kann man aber auch sehen, dass man erst beide Folgen gesehen haben muss bevor man sich über beide ein Urteil bilden kann.

Allerdings! So ganz glücklich bin ich mit den Zweiteilern nicht, aber ich kann damit leben wenn, wie hier, scheinbar zwei unterschiedliche Settings vorherrschen….

Geisterstunde unter dem See

(Bild: BBC)

Besetzung:

  • Moran Colin McFarlane
  • Cass    Sophie Stone
  • Lunn    Zaqi Ismail
  • O’Donnell    Morven Christie
  • Bennett    Arsher Ali
  • Pritchard    Steven Robertson
  • Prentis    Paul Kaye
  • Fisher King    Neil Fingleton
  • Stimme des Fisher King    Peter Serafinowicz
  • Gröhlen des Fisher King    Corey Taylor

Team

  • Autor    Toby Whithouse
  • Regisseur    Daniel O’Hara
  • Produzent    Derek Ritchie
  • Ausführender Produzent   Steven Moffat
  • Ausführender Produzent   Brian Minchin
S09E03 - Spuk am See
71.3 Gesamtwertung
Pro
- Spannendes, klaustrophobisches Abenteuer - Guter Cliffhanger - Taubstumme Nebenfigur - Gruselige Geister
Kontra
- Stereotypische Charaktere - Eintöniger Schauplatz
Zusammenfassung
Als erster Teil der zweiten Story funktioniert die Folge sehr gut. Die Charaktere sind zwar typisch für das Genre. Herausragend ist allerdings die Darstellung der tauben Darstellerin Sophie Stone. Der Cliffhanger ist tatsächlich erschreckend, auch wenn man sich vorstellen kann, dass es mal wieder einen "Timey-Whimey"-Trick gibt.
Dramatik
Humor
Logik
Optik
Musik/Sound
Regie/Drehbuch
S09E04 - Vor der Flut
70.1 Gesamtwertung
Pro
- Interessantes neues Monster - Gute Einführung des Paradoxons durch den Doctor - Paul Kaye agiert gewohnt überkandidelt
Kontra
- Schwer nachvollziehbarer Trick des Doctors - Setting des Militärcamps nicht ganze stimmig
Zusammenfassung
Durch den anderen Schauplatz verliert das Gesamtkonzept der Doppelfolge an Dramatik. Schon zum zweiten Mal in dieser Staffel muss der Doctor dem "sicheren Tod" entgehen. Dafür beeindruckt das neue Monster durch seine Präsenz. Insgesamt die schwächere der beiden Folgen.
Dramatik
Humor
Logik
Optik
Musik/Sound
Regie/Drehbuch