Doctor Who – S09E05 und E06

30. Okt. 2015 | Doctor Who, Episodenführer, Reviews | 0 Kommentare

Massive Spoilerwarnung

Es folgt eine Zusammenfassung, die massive Spoiler enthält. Wer nichts über den Inhalt wissen will sollte nicht weiterlesen!

Inhalt „Das Mädchen, das starb“:

Der Doctor und Clara werden von Wikingern gefangen genommen und in ihr Dorf gebracht. Um nicht getötet zu werden versucht der Doctor sich als „Odin“ auszugeben, wird aber vom „echten“ Odin unterbrochen. Der Doctor ist verwirrt, denn er weiß, dass Götter sich normalerweise nicht wirklich zeigen.

Tatsächlich sind es Außerirdische namens „The Mire“, die sich die stärksten Wikinger schnappen um aus ihnen einen stärkenden Trunk zu bereiten. Ein junges Mädchen im Dorf, die von Clara ermutigt wird, erklärt den „Mire“ den Krieg. Der Doctor hat einen Tag Zeit um aus den Schwächlingen eine Armee zu machen.

Zwar gelingt es ihm die „Mire“ mit einer List zu vertreiben, doch das Mädchen Ashildir stirbt dabei. Der Doctor nutzt einen Medi-Chip der „Mire“ um sie wieder zum Leben zu erwecken – und verurteilt sie damit „unsterblich“ zu werden.

Inhalt „Die Frau, die lebte“:

Der Doctor ist einer Energiesignatur auf der Spur und landet im 17.Jahrhundert in England, wo er einen Kutschenüberfall vereitelt, der von einem „Highwayman“ verübt wird, der sich als „The Knightmare“ vorstellt. Überrascht muss der Doctor feststellen, dass die bewaffnete Gestalt niemand anderes als die „Unsterbliche“ Ashildir ist, die die letzten 800 Jahre Geschichte hautnah miterlebt hat.

Ashildir, die sogar ihren eigenen Namen vergessen hatte und nur noch als „Lady Me“ bekannt ist, würde gern mit dem Doctor reisen, was dieser allerdings ablehnt, da es „nicht richtig“ sei. Tatsächlich hat Ashildir bereits einen anderen Kandidaten, der sie von der Erde mit nehmen könnte. Ein gestrandetes Alien in der Form eines feuerspuckenden Löwenmenschen.

Um ein Portal zu öffnen benötigen die Beiden jedoch ein besonderes Amulett, das auch den Doctor angelockt hatte. Nach einem Einbruch gelangt das Juwel „Die Augen des Hades“ zwar in ihren Besitz, doch es gibt einen Preis um das Portal zu öffnen. Jemand muss sein Leben lassen um mit seiner Energie den Strahl zu erzeugen, der dafür nötig ist.

Nächtlicher Überfall

(Bild: BBC)

Wenn Dich jemand fragt, ob Du ein Gott bist, dann sagst Du „Ja“.

(Bild: BBC)

Fakten:

Die beiden Folgen „Das Mädchen, das starb“ und „Die Frau, die lebte“ sind zwar eigentlich zwei unabhängige Folgen, aber sie verbindet die Figur der Ashildir, die von der talentierten 18-jährigen Maisie Williams dargestellt wird. Die Schauspielerin wurde in den letzten Jahren durch ihre Rolle als Arya Stark in der Fantasy-Serie „Game Of Thrones“ sehr populär. Ihre Figur dort ist eine der wenigen dieser Serie, die man intensiv ins Herz schließt. Kein Wunder also, dass die BBC sich freut, diese Darstellerin für DoctorWho gewinnen zu können. Als „Unsterbliche“ kann sie natürlich auch in künftigen Folgen und Staffeln durchaus erneut auftreten.

Die beiden Episoden unterscheiden sich sehr stark. Im ersten Teil, „Das Mädchen, das starb“, ist der Grundton eher humoristisch angelegt und erinnert auch ein wenig an die RobinHood-Folge vom letzten Jahr, in der der Doctor auf eine Roboterarmee im Mittelalter traf. Damals war Tom Rileys Figur des Robin Hood allerdings etwas zu stark angelegt – quasi als Spiegelbild des Doctors. Kein Wunder, dass viele Fans diese Episode damals eher negativ empfanden. In dieser Wikingerfolge hat der Doctor wieder alle Fäden in der Hand, wenngleich seine Methoden auch sehr skurril sind. Ein Yo-Yo als Zeichen, dass er der Gott Odin sei?

Auch die anderen Ideen, mit denen der Doctor die „Mire“ besiegt sind eher unrealistisch und auf skurril getrimmt. Die Grundsituation erinnert an „Die Drei Amigos“ oder „Die Sieben Samurai“, in der Söldner ein Dorf gegen einen Angreifer fitmachen sollen. Autor Jamie Mathieson sollte hier wohl, nach den eher düsteren Folgen, einen leichteren Ton anschlagen. Es gibt auch einige Szenen, in denen wohl eher Steven Moffat den Text schrieb. In den Gesprächen von Clara und dem Doctor wird klar, dass man hier an einem Storybogen arbeitet, der wohl erst zum Staffelfinale ein dramatisches Ende findet.

Im zweiten Teil, „Die Frau, die lebte“, hatte Torchwood-Autorin Catherine Tregenna die Fäden in der Hand. Die Story verzichtet fast vollständig auf die Anwesenheit von Clara, was dem Duo Maisie Williams und Peter Capaldi Gelegenheit ergibt intensive Gespräche über die Vor- und Nachteile von Unsterblichkeit zu halten. Dabei ist die Rahmenhandlung eher nebensächlich und wirkt oft eher holprig geschrieben. Die Stärken der Folge liegen eindeutig auf den Szenen, in denen Maisie von ihren 800 Jahren Lebenserfahrung berichtet und man auch kurze Rückblenden ihrer Beteilligung in der Geschichte sieht.

Ein großes Lob gebührt der Inszenierung: Der Regisseur Ed Bazalgette versteht es großartig mit Licht und Schatten umzugehen. Die Szenen des nächtlichen Kutschenüberalls, aber auch der Einbruch in der Nachbarvilla sind meisterlich ausgeleuchtet. Man hat wirklich den Eindruck, dass nur eine Kerze den Raum erhellt. In anderen Serien hat man oft, dass die Szenen so hell sind, dass man gar keine Kerze mehr benötigen würde.

Gastdarsteller Rufus Hound erweist sich in einigen Szenen als ausgesprochener „Show Stealer“. Seine liebenswerte Darstellung des ortsbekannten Ganoven und Liebhabers ist wirklich sympathisch und man würde sich wünschen, dass er mit dieser Figur öfters zu sehen sein würde. In Deutschland ist der Theaterschauspieler eher nicht bekannt. Im britischen Fernsehen tritt er desöfteren als Moderator für Musiksendungen auf.

Im Kampf mit den „Mire“

(Bild: BBC)

Lady Me auf Beutezug

(Bild:  BBC)

Bei Sam Swift werden Frauen schwach

(Bild: BBC)

Fazit:

Die beiden Folgen wissen durch ihre jeweils eigene Machart zu überzeugen. Allerdings muss man der zweiten Folge leider auch vorwerfen, dass man zwar sehr viel Gewicht auf die Charakterzeichnung gelegt hat, dafür ist aber die eigentliche Story eher ins Hintertreffen geraten. Es ist überhaupt nicht klar, wieso ein Löwenmensch aus dem Sternbild „Löwe“ kommen muss. Ein Sternbild kann in dieser Form nur von der Erde wahrgenommen werden und wurde nur deswegen so genannt. Selbst wenn man jetzt einen Übersetzungscomputer nutzen würde um den Herkunftsstern als „Delta Leonis“ zu identifizieren, wäre es schon ein ziehmlicher Zufall, wenn die Aliens dann auch noch wie Löwen aussehen würden. Abgesehen davon hatte man immer den Eindruck im Film „Die Schöne und das Biest“ gelandet zu sein.

Schön fand ich, dass Steven Moffat endlich einen Weg gefunden hat zu zeigen, wieso sich der Doctor bei der letzten Regeneration für sein aktuelles Gesicht entschieden hat. Dass man dabei auch noch einen kurzen Ausschnitt von Donna und „Ten“ verwendete empfand ich als besonders gelungen. Dann wäre das also jetzt auch geklärt….

Es ist eigentlich schade, dass bei der guten Inszenierung und den aufschlussreichen Dialogszenen die Story nicht viel hergibt. Im Vergleich zu der eher humoristischen Folge ist der zweite Teil also deutlich schwächer. Trotzdem hat die Folge natürlich eine tiefere Bedeutung weil sie den zukünftigen Weg von Ashildir festlegt und per Handybeweis auch zeigt, dass sie auch 2015 noch präsent ist.

Die Fans des Schallschraubenziehers des Doctors jubilierten sicherlich als das neue Gadget, die „Schall-Sonnenbrille“, im Wikingerdorf zu Bruch ging. Doch der Doctor scheint von denen noch mehr zu besitzen. In der zweiten Geschichte nutzt der sie als „Zorro-Maske“ und zum entzünden eines Kerzendochtes.

Abschließend möchte ich bemerken, dass die beiden Folgen sicherlich insgesamt besser gewirkt hätten, wenn beide Folgen vom selben Autor geschrieben worden wären. So wirkt es, als ob das Konzept der „Doppelfolgen“ nicht ganz zuende gedacht wurde. Die Stories unterscheiden sich so stark, dass sie problemlos in eine reguläre Staffel mit Einzelepisoden gepasst hätten, wäre da nicht das verbindende Element der Ashildir. Jedenfalls bleibt die Autorin Catherine Trennega erstaunlich oberflächlich was die Serienmythologie betrifft. Sie führt nur den Beweis an, das Ashildir tatsächlich bis in die heutigen Tage überlebt hat und offenbar sehr fleißig war die Menschen seelisch zu betreuen, die den Weg des Doctors gekreuzt haben.

Ob ich Maisie Williams als eine Nachfolgerin für Jenna Coleman sehen möchte weiß ich nicht. Sie darf aber gerne ab und zu mal als Gast wieder den Weg des Doctors kreuzen. Ähnlich wie Captain Jack Harkness, den der Doctor explizit erwähnt und sogar meint, dass er Ashildir möglicherweise eines Tages über den Weg laufen wird. (Catherine Trennega kennt sich mit Jack ja aus, da sie für „Torchwood“ als Autorin tätig war). Drücken wir also die Daumen, dass John Barrowman sich ab und zu mal von der Serie „The Arrow“ losreißen kann.

Partners in Crime

(Bild: BBC)

Maisie Williams ist „Lady Me“

(Bild: BBC)

Besetzung

„Das Mädchen, das starb“

  • Ashildr    Maisie Williams
  • Odin    David Schofield
  • Nollarr    Simon Lipkin
  • Chuckles    Ian Conningham
  • Lofty    Tom Stourton
  • Limpy    Alastair Parker
  • Hasten    Murray McArthur
  • Heidi    Barnaby Kay

„Die Frau, die lebte“

  • Ashildr/Lady Me  Maisie Williams
  • Sam Swift    Rufus Hound
  • Kutscher    Gareth Berliner
  • Lucie Fanshawe    Elisabeth Hopper
  • Mr Fanshawe    John Voce
  • Clayton    Struan Rodger
  • Soldat Lloyd Llewelyn    Gruffudd Glyn
  • Soldat William Stout    Reuben Johnson
  • Leandro    Ariyon Bakare
  • Mann    Daniel Fearn
  • Frau    Karen Seacombe
  • Henker    John Hales

Team

  • Autor    Jamie Mathieson/Steven Moffat (Teil 1) – Catherine Tregenna (Teil 2)
  • Regisseur    Ed Bazalgette
  • Produzent    Derek Ritchie
  • Ausführender Produzent   Steven Moffat
  • Ausführender Produzent   Brian Minchin
S09E05 - Das Mädchen, das starb
74.8 Gesamtwertung
Pro
- Interessanter Neuzugang zum Whoniverse - Schöne Originalschauplätze - Gut geschriebene Dialoge - Der Doctor erinnert sich, woher er sein Gesicht kennt.
Kontra
- Ein wenig albern und unlogisch - Der Doctor zaubert wieder unmögliche Lösungen aus dem Hut - "Odin" sieht aus wie ein Operettengott
Zusammenfassung
Die Story ist nicht sehr innovativ, dabei ist der Tonfall erfrischend heiter. Der Doctor besiegt die "Götter" mit Zitteraalen, die es auf der Nordhalbkugel nicht geben dürfte. Die Figur der Ashildir ist sicher noch sehr naiv angelegt. Das dürfte sich im zweiten Teil ändern. Dafür gibt es wieder interessante Dialoge zwischen Doctor und Clara, die wohl auf ihren Ausstieg hinarbeiten.
Dramatik
Humor
Logik
Optik
Musik/Sound
Regie/Drehbuch
S09E06 - Die Frau, die lebte
75.1 Gesamtwertung
Pro
- Starke Maisie Williams - Tolle Dialoge - Stimmungsvolle Inszenierung
Kontra
- Oberflächliche Story - Aufgesetzte Komik - Unnötiger "Beauty and the Beast" Bezug
Zusammenfassung
Während Maisie Williams hier eine gute Performance abliefert bleibt der "Bösewicht" trotz Feuerspuckens recht zahnlos. Der geschichtliche Bezug zu den berüchtigten "Highwaymen" und die stimmungsvolle Inszenierung machen die Folge indes sehenswert.
Dramatik
Humor
Logik
Optik
Musik/Sound
Regie/Drehbuch