Doctor Who – S09E07 und E8

13. Nov. 2015Doctor Who, Episodenführer, Reviews0 Kommentare

Massive Spoilerwarnung

Es folgt eine Zusammenfassung, die massive Spoiler enthält. Wer nichts über den Inhalt wissen will sollte nicht weiterlesen!

Inhalt:

Nach den Geschehnissen des Jubiläumsspecials hat die Erdregierungen 20 Millionen Zygonen erlaubt menschliche Gestalt anzunehmen und sich unter die Weltbevölkerung zu mischen. Doch innerhalb der Zygonen fühlen sich einige Vertreter nicht wohl und planen eine große Demaskierungsaktion. Mithilfe der sogenannten „Osgood-Box“ sollen sich alle getarnten Aliens in ihre Ursprungsgestalt zurückverwandeln, Panik unter den Menschen verursachen sodass ein Krieg ausbricht und die Zygonen schließlich als Sieger hervorgehen. Natürlich haben die Gestaltwandler ihre Rechnung ohne den Doctor gemacht.

Und auch die totgeglaubte Osgood taucht wieder auf um dem Doctor und UNIT zu helfen die bevorstehende „Invasion der Zygonen“ abzuwenden.  Während der Doctor in London nach den abtrünnigen Zygonen sucht versucht Kate Stewart von Unit ihr Glück in einem Dorf in New Mexico, das den schönen Namen „Wahrheit oder Konsequenzen“ („Truth or consequences“) trägt.

Der Doctor muss leider feststellen, dass die Gestaltwandler nicht davor zurückschrecken eine Person zu imitieren, die ihm alles bedeutet. Nun ist es an ihm den Anführer der Revolte dazu zu bringen Vernunft walten zu lassen und von einer Invasion abzusehen.

Zwei Osgoods – eine Box?

Nein, zwei Boxen!

Fakten:

In dieser spannenden Doppelfolge vemag es Autor Peter Harness eine logische und spannende Fortsetzung der Jubiläumsfolge anzubieten. Man wird in einer Rückblende sogar an die entscheidenden Momente im „Schwarzen Archiv“ erinnert, als die beiden Doctoren 9 und 10 die Zygonen und Kate zwingen Frieden zu schließen.

Harness baut  sehr düstere Szenarien auf, allerdings hat es sich Chefautor Steven Moffat nicht nehmen lassen besonders wichtige Dialog/Monolog-Passagen, die für die Serienmythologie notwendig sind, selbst zu verfassen. Davon gleich mehr.

Die Folge führt erfreulicherweise auch Osgood auf die Spielbühne zurück, die bei den Fans, trotz ihrer wenigen bisherigen Auftritte, sehr gut bei den Fans ankam. Zum Glück ist in einem SciFi-Universum alles möglich und die Erklärung für ihr Überleben ist wieder sehr mystisch und lässt das Interesse bis zum Schluss nur noch steigern. Man kann nur hoffen, dass die sympathische UNIT-Mitarbeiterin in zukünftigen Folgen wieder zu sehen sein wird.

Die Idee, die Gestaltwandeler, die Zygonen, wieder auftreten zu lassen, ist ein geschickter Schachzug. So hat der Showrunner immer ein Hintertürchen offen, wie man eine Figur umbringen kann und trotzdem in weiteren Folgen wieder auftreten zu lassen. Wer hätte gedacht, dass die etwas lächerlichen Blubbermonster aus der Zeit des vierten Doctors mal zu einem wichtigen Element in den neuen Folgen werden würde?

Die Doppelfolge nutzt erneut UNIT und zeigt, dass die eigentlich so „unpersönliche“ Armee doch aus Menschen besteht. Wenn ein Soldat von einem Double seiner (verstorbenen) Mutter angesprochen wird, merkt man, dass UNIT eben doch „menschlich“ ist und nicht, wie in Actionserien üblich, eine gesichtslose Ansammlung von Stuntmen ist, die möglichst dekorativ umfallen sollen.

Interessant auch die Verzweiflung im Blick des Doctors als Kate Stewart zwei Zygonen erschießt und offenbar auch in „Truth and Consequences“ einige Zygonen erledigt hat. Für den Doctor sind Leben halt nun mal unersetzlich und er trauert um jedes Leben, egal ob Mensch oder Alien.

Dies wird auch in der flammenden Rede deutlich, die er „Bonnie“, der menschgewordenden Kommandantin der abtrünnigen Zygonen (aber auch Kate) entgegenwirft. Die Rede dürfte dafür sorgen, dass die zweite Folge „Die Umkehrung der Zygonen“ nicht nur für das Drehbuch sondern auch für die schauspielerische Leistung von Peter Capaldi für Fernsehpreise nominiert wird.

Zwar ähnelt dieser Höhepunkt ein wenig dem Finale der Jubiläumsepisode, doch hier ist es vor allem die rhetorische Kraft, die die Zygonen zum Aufgeben bringt. Peter Capaldi spielt die Szene mit einer unglaublichen Brisanz, dass man sich auf eine Shakespeare-Bühne versetzt fühlt. Und die Worte, die ihm Steven Moffat in den Mund gelegt hat, werden durch seine Performance umso deutlicher. Selbst das niedergeschriebene Zitat hinterlässt nicht den Eindruck, den sein Auftritt erzeugt.

Man merkt der Doppelfolge an, dass hier einige Szenen, wie Kates Ausflug nach New Mexico, nur eingefügt wurden um die Handlung auf zwei Folgen auszudehnen. Aber so konnte man noch ein paar Szenen eines Dorfes auf Teneriffa einfügen, das als Double für die Wüstenstadt fungieren musste. Mitunter wünscht man sich, dass man statt Doppelfolgen lieber 90-minütige Eventmovies produziert hätte um Füllerszenen zu vermeiden.

Clara in der Hand von Zygonen

(Bild: BBC)

Rede des Doctors

(Bild: BBC)

Fazit:

Die beiden Folgen sind „aus einem Guss“ und bieten alles, was Doctor Who ausmacht. Fiese Aliens, Verschiedene Schauplätze, Komik, Theatralik und ein Hauptdarsteller, der mit seinem Schlussplädoyer wohl auch noch dem letzten Zweifler überzeugt, dass er die Rolle des Doctors und Pazifisten verinnerlicht hat. Die Story hat einige Höhepunkte und einen Cliffhanger, der wieder einmal auf eine sehr kreative Weise aufgelöst wird.

Erfreulich ist, dass man Osgood wieder dabei hat und ihr Dasein mit einem großen Geheimnis ummantelt hat. Immerhin wissen wir, dass ihr Vorname „Petronella“ ist. Der Doctor gibt zwar auch an, dass sein Vorname „Basil“ sei. Aber da die erste Regel im Umgang mit ihm lautet: „Der Doctor lügt“, kann man sich leicht vorstellen, dass ihm wohl nur irgendein Name eingefallen ist. (Vermutlich „Basil Rathbone“, einem berühmten Sherlock-Holmes-Darsteller).

Doch bei aller Action und Dramatik sticht vor allem die Rede des Doctors hervor, die eindeutig auf Steven Moffats Mist gewachsen ist. Ich persönlich habe die Episode bis zu diesem Zeitpunkt mit mäßiger Spannung verfolgt. Doch die Rede hat dazu geführt, dass ich aufmerksam auf der Sesselkante saß und mir die Szene später nochmal separat angeschaut habe. Welch eine Sternstunde der Fernsehunterhaltung!

Die Episode spielt mit den Unterwanderungsängsten, die momentan in Hinblick auf die Flüchtlingsproblematik so aktuell wie nie ist. Und die Argumentation des Doctors sollte man mal den Machthabern dieser Welt, die so gerne Krieg spielen, vorführen. Daher scheue ich mich auch nicht zu betonen, dass mir allein wegen dieser Szene die Folge in der Staffel bisher am Besten gefallen hat.

„Doctor Disco for World-President!“

 

Doctor Disco im Einsatz

(Bild: BBC)

Junge Frau zum mitreisen gesucht!

(Bild: BBC)

Besetzung

  • Osgood –   Ingrid Oliver
  • Kate –   Jemma Redgrave
  • Jac  –  Jaye Griffiths
  • Claudette – Cleopatra Dickens
  • Jemima – Sasha  Dickens
  • Walsh – Rebecca Front
  • Little Boy – Abhishek Singh
  • Little Boy’s Mum – Samila Kularatne
  • Hitchley – Todd Kramer
  • Lisa – Jill Winternitz
  • Norlander – Gretchen Egolf
  • Hitchley’s Mom – Karen Mann
  • Zygon – Aidan Cook
  • Zygon – Tom Wilton
  • Stimme der Zygons – Nicholas Briggs

Team

  • Autor – Peter Harness
  • Co-Autor Episode 8 – Steven Moffat
  • Regie –  Daniel Nettheim
  • Produzent – Peter Bennett
  • Executive Producer – Steven Moffat
  • Executive Producer – Brian Minchin
S09E07 - Die Invasion der Zygonen
80.3 Gesamtwertung
Pro
- Osgood ist zurück - Starke Invasionsstory - Unerwartete Wendung - Starker Cliffhanger
Kontra
- Unwichtige Nebenhandlung
Zusammenfassung
Die Eingangsfolge nutzt viel Zeit für die Etablierung der Handlung. Bevor sie jedoch in die Langweiligkeit abdriftet kommt es zu einer Enthüllung, die gleich darauf in einem Mega-Cliffhanger endet.
Dramatik
Humor
Logik
Optik
Musik/Sound
Regie/Drehbuch
S09E08 - Die Inversion der Zygonen
82.3 Gesamtwertung
Pro
- Starke Rede des Doctors - Gute Auflösung des Cliffhangers - Starke Dialoge zwischen Doctor und Osgood
Kontra
- Nicht schlechtes
Zusammenfassung
Die zweite Hälfte der Story wird mit einer Mega-Rede des Doctors beschlossen. Aufgrund der Qualität der Rede und der Performance von Peter Capaldi wird diese Folge absolut preisverdächtig.
Dramatik
Humor
Logik
Optik
Musik/Sound
Regie/Drehbuch