Doctor Who – S09E12 – In Teufels Küche

11. Dez. 2015Doctor Who, Episodenführer, Reviews1 Kommentar

Massive Spoilerwarnung

Es folgt eine Zusammenfassung, die massive Spoiler enthält. Wer nichts über den Inhalt wissen will sollte nicht weiterlesen!

Inhalt:

Der Doctor ist wieder auf Gallifrey! Doch es zieht ihn nicht sofort in den Regierungssitz, die Zitadelle, sondern er kehrt in die Badlands zurück, dem Ort wo die Scheune steht, in der er so oft übernachtet hatte. Die ortsansässigen Leute spendieren ihm erstmal eine Suppe wohlwissend, dass in der Zitadelle gerade alle Alarmglocken die Rückkehr des Kriegshelden ankündigen.

Der Präsident, ein regenerierter Rassilon, tut alles um ihn in den Palast zu zitieren, doch er muss schon selbst zum Doctor kommen um mit ihm zu sprechen. Erst als Rassilon abdankt und ins Exil fliegt begibt sich der Doctor in die Zitadelle. Der Doctor verliert keine Zeit. Als wieder eingesetzter Präsident fordert er sogleich den Einsatz der Extrahierungskammer, mit dessen Hilfe er Clara vor dem Tod durch den Raben aus dem Schattenquartier retten will. Die junge Dame staunt auch nicht schlecht, als vor ihrem letzten Herzschlag die Zeit stehenzubleiben scheint und ihr der Doctor die Hand entgegenstreckt. Sie ist entsetzt, dass der Doctor ihr den Tod nicht gönnt und wieder mal riskiert, dass das Raumzeitgefüge aus den Angeln gehoben wird.

Dem gallifreyischen General ist sichtlich nicht wohl in seiner Haut und muss hilflos mit ansehen wie der Doctor mit Clara in das Klostergewölbe  gehen will um dort einen verborgenen Ausgang zu nutzen. Während der Doctor nach dem Ausgang sucht erklärt er Clara, dass sich die Zeit selbst heilen wird und sie schon bald ihren vertrauten Pulsschlag spüren wird. Weder der General noch Ohila, von der Schwesternschaft von Karn, können ihn von seiner Absicht abbringen. Die Timelords glauben, dass der Doctor während seines Martyriums in der Beichtscheibe, das sich immerhin über 4 Milliarden Jahre erstreckte, einen seelischen Schaden erlitten hat.

Doch der Doctor glaubt es besser zu wissen, öffnet den Geheimgang um erneut eine TARDIS zu stehlen, mit der er Clara abholt. Doch irgendwie scheint seine Annahme, dass Claras Puls zurückkehrt, sich nicht zu erfüllen. Auch ein Gespräch mit Ashildir, die sich immer noch „Ich“ nennt, bringt ihm nicht viel. Sein letzter Plan muss einfach funktionieren! Von Gallifrey hatte er einen Neural-Manipulator auf Menschen programmieren zu lassen. Wenn Clara sich nicht mehr an ihre Vergangenheit erinnert, so glaubt er, sei sie vor dem „Raben“ sicher. Allerdings hat Clara zwischenzeitlich mit der Schall-Brille etwas an den Einstellungen verändert….

„I will be back!“

(Bild: BBC)

Allein gegen den Rest der Welt

(Bild: BBC)

Ratlos auf Gallifrey – Was will der Doctor?

Fakten:

„Hell Bent“ ist ein Wortspiel, das man kaum ins Deutsche übersetzen kann. Am dichtesten wäre wohl die Formulierung „Vom Teufel geritten“ und beschreibt im Englischen Leute, die rücksichtslos etwas durchziehen, ob sie dafür in der Hölle landen oder nicht.  Das beschreibt vielleicht am Besten, was der Doctor in dieser Folge durchzieht. Clara ist für ihn die wichtigste Bezugsperson und ihr sinnloser Tod in der Folge „Das Schattenquartier“ läßt ihn Wege erfinden sie zu retten, egal ob er damit das Raum-Zeitgefüge erschüttert oder nicht.

Seine Lösung ist zwar einigermaßen kreativ, läßt den Zuschauer allerdings ein wenig ratlos zurück. Wie soll man sich das vorstellen, dass Clara irgendwie weiterlebt – ohne Herzschlag – während in der Trapstreet ein Rabe gerade auf sein Opfer zufliegt und die Zeit dort stillzustehen scheint? Starker Tobak.

Natürlich wird sich Autor Steven Moffat wegen dieses Schachzugs mal wieder auf die Schulter klopfen können. Einerseits haben wir Clara bis zum Ende der Staffel gesehen und andererseits wurde sie aus der Serie rausgeschrieben ohne wirklich richtig tot zu sein. Wenn sie nun mit „Ich“ als Companion in einer neuen TARDIS unterwegs ist um auf dem „langen Weg“ nach Gallifrey zurückzukehren damit sie in ihren totgeweihten Körper zurückkehren kann, dann birgt dies gleichzeitig auch Chancen Jenna Coleman als Gaststar in künftigen Folgen nochmals auftreten zu lassen. Trotzdem fühlt man sich als Zuschauer sicherlich ein wenig verschaukelt weil man zwei Wochen lang um die „Verstorbene“ getrauert hat.

Aber schauen wir einmal auf die anderen Aspekte der Folge. Steven Moffat beweist in einer starken Einstiegssequenz, dass er nicht nur starke Dialoge schreiben kann, sondern auch spannende, wortlose Szenen spielen kann. Die Art und Weise wie der Doctor die Verantwortlichen auf Gallifrey zu sich „bittet“ hat etwas von Clint-Eastwood-Western. (Der Doctor ist nicht der erste Zeitreisende, der sich als „Clint Eastwood“ darstellt). Umso stärker sind seine ersten gesprochenen Worte: „Verschwinde von meinem Planeten!“. Nachdem Rassilon den Planeten verlassen hat kann der Doctor wieder aufdrehen um Clara zu retten.

Immerhin kann er seinen bereits früher bekleideten Posten als Präsident von Gallifrey wieder einnehmen und Befehle erteilen. Sein militärischer Berater scheint ein Fan zu sein. Ulkigerweise zieht dieser es vor als Frau zu regenerieren. Damit wird nun auch endgültig bestätigt, dass Timelords auch das Geschlecht wechseln können. Interessanterweise muss der Doctor mal wieder eine TARDIS zu stehlen um sich mit Clara zu verdünnisieren. Seine eigene steht ja noch in der Trapstreet. Von dort hatte ihn Ashildir ja in die Beichtscheibe verbannt. Offenbar scheint auch bei ihr der Chamäleon-Schaltkreis defekt zu sein, wie man später erfährt. Als der Doctor seine eigene TARDIS wiedererhält befinden sich auf der Außenseite Graffitis des Künstlers Rigsy, die aber dann abblättern als der Doctor seine Aggregate startet. Immerhin spendiert ihm die TARDIS auch noch einen funkelnagelneuen Schallschrauber. Die Spielzeugindustrie freut sich jedenfalls schon mal auf neue Vermarktungschancen.

Eines ist bei Steven Moffats Geschichten auch hier wieder überdeutlich. Sein Lieblingsthema scheint der Tod zu sein und wie man ihm von der Schippe springt. Dabei reizt Moffat das Thema Zeitreisen bis zum Äußersten aus. Die Rettung innerhalb von Nanosekunden, in denen man mal soeben die Energie eines Blasterschusses nutzt um einen Vortexmanipulator mit Strom zu versorgen, das ist schon ungewöhnlich. Auch der Begriff „phasenverschoben“ wird sehr oft verwendet um Dinge zu verbergen. Was dialogtechnisch Sinn macht stellt die Fantasie der Zuschauer schon manchmal auf eine harte Probe. Ebenso die Vorstellung, dass man einen Planeten versteckt indem man ihn an „das Ende des Universums“ verschiebt. Eigentlich fehlt noch eine Sendung in der mal geklärt wird, was mit den „Unsterblichen“ passiert wenn das Universum zuende geht. Ashildir scheint dafür nun immerhin eine Lösung gefunden zu haben: Unterwegs mit dem „unmöglichen Mädchen“ in einer gestohlenen TARDIS.

Gibt es die auch von Fielmann?

(Bild: BBC)

Was weiß ich denn?

(Bild: BBC)

Fazit:

Ich muss zugeben, dass mir die Episode insgesamt sehr gut gefallen hat. Das liegt einseits an einigen grandiosen Szenen (Der Doctor bei seiner Scheune) und andererseits an der Tatsache, dass man Gallifrey wieder auf dem Spielfeld hat. Andererseits finde ich es ein wenig unfair, dass man auch Clara nicht endgültig hat sterben lassen sondern mal wieder einen „schnippidi-schnapp“-Trick anwendete um sie möglicherweise nochmal einsetzen zu können.

Allerdings ist dafür die Rahmenhandlung recht gut gelungen, in der der Doctor die Handlung der Folge als „Geschichte“ erzählt. Hierbei stellt sich die Frage, ob sich wirklich alles so zugetragen hat, oder ob die Erzählung des Doctors reine Fiktion ist. Immerhin scheint Clara und Ashildir tatsächlich mit einer TARDIS unterwegs zu sein und der Zuschauer wird mal wieder aufs Glatteis geführt wessen Erinnerungen gelöscht wurden. Für solche Dinge liebe ich Steven Moffat und verzeihe daher auch so manche schwer verdauliche Handlungselemente.

Für die Fanboys und – girls war es sehr schön die TARDIS von Gallifrey zu sehen, die äußerlich nicht mehr als ein Zylinder ist. Und auch das Innere, im 60er-Jahre Stil, sah auf wunderbare Weise vertraut aus. Fast wünscht man sich eine Ablegerserie namens „Clara Who“.

Was Clara selbst betrifft hätte ich mir für ihr Überleben eine andere Lösung gewünscht. Ich schrieb es schon in meinem Review zu „Das Schattenquartier“. Als der Rabe in ihre Brust eindrang nahm sie die typische Timelord-Pose ein, als ob sie gleich regenerieren würde. Das hätte einen schönen Überraschungseffekt gegeben. Da man in Fankreisen schon lebhaft diskutierte wie ähnlich Clara dem Doctor geworden ist, hätte ich mir vorstellen können, dass sie auch TARDIS-Energie aufgenommen hätte und irgendwie regenerieren könnte. Entweder in eine neue Person oder einfach als gleiche, aber geheilte Clara. Vielleicht wäre das eine Idee für die zehnte Staffel. Clara kann auf ihren „langen Umweg“ nach Gallifrey vielleicht ein paar Informationen sammeln wie sie dem Raben entgeht.

Abschließen möchte ich noch anmerken, dass mir die letzte Folge „Heaven Sent“ irgendwie völlig überflüssig vorkommt. Anstatt diese Episode einzufügen hätte man lieber „Das Schattenquartier“ („Face the Raven“) und diese Episode zum zweiteiligen Finale machen sollen. Das wäre in sich stimmender gewesen.

Clara Who?

(Bild: BBC)

Mach es zu Deinem Projekt!

(Bild: BBC)

Besetzung

  • Ich/Ashildir Maisie Williams
  • Der Präsident    Donald Sumpter
  • Der General    Ken Bones
  • Weiblicher General    T’Nia Miller
  • Gastron    Malachi Kirby
  • Ohila    Clare Higgins
  • Die Frau    Linda Broughton
  • Plumper Mann    Martin T Sherman

Team

  • Autor – Steven Moffat
  • Regie –  Rachel Talalay
  • Produzent – Peter Bennett
  • Executive Producer – Steven Moffat
  • Executive Producer – Brian Minchin