Falling Skies – Serienrückblick

Falling Skies – Spielbergs Lieblingsprojekt?

Nach fünf Staffeln wurde die Serie „Falling Skies“ nun nach einem (fulminanten) Finale zuende gebracht. Die Serie um das Leben nach einer Alieninvasion hatte viele Fans, allerdings auch viele Kritiker, da die Drehbücher nicht immer optimal waren.

Wir schauen auf eine der wohl dreckigsten Serien der SciFi-Geschichte zurück.

Worum geht es?

Eine Alienrasse hat die Erde überfallen. In der Einleitung erfahren wir durch eine Kinderstimme anhand von Kinderzeichnungen was passiert ist. Der ehemalige Literatur- und Geschichtsprofessor Tom Mason und seine drei Söhne verstecken sich mehr schlecht als recht vor den Invasoren. Eklige spinnenartige „Skitter“ durchkämmen die Städte um die Menschen zu vernichten. Dabei werden sie von schwer bewaffneten Robotern unterstützt. Scheinbar werden ihre Aktionen von Overlords koordiniert und überwacht.

Schnell finden Tom, seine Frau Anne und seine Söhne eine Gruppe von Soldaten, die sich als die „2nd Massachusetts“ oder kurz „2nd Mass“ vorstellen. Der belesene Tom Mason entpuppt sich als guter Stratege weil er durch seine Kenntnisse der amerikanischen Bürgerkriege nicht nur den Ablauf von Schlachten vorhersehen kann sondern auch in der Lage ist durch motivierende Reden die Menschen, ganz gleich ob Soldat oder Zivilist, zu Höchstleistungen anspornen kann. Wenngleich zunächst nur das Überleben im Vordergrund steht, so entwickeln Tom und sein bester Freund Colonel Daniel Weaver immer neue Strategien um den Aliens zu entkommen.

Das langfristige Ziel ist dabei die Fremden irgendwann zu besiegen und von der Erde zu tilgen. Interessanterweise stellt sich dabei heraus, dass es auch noch andere Alienrassen auf die Erde geschafft haben, die den Menschen jedoch wohlgesonnen sind und sie gegen die Besatzer unterstützen. Doch manchmal sind es auch die Menschen selbst, die eine Bedrohung für die „2nd Mass“ darstellen. Und ein Kampf gegen die eigenen Leute ist mitunter schwerer als Aliens niederzuschießen.

 

Serienposter

Bild: TNT

Die Produktion

Wenn der Name Steven Spielberg im Vorspann einer Serie auftaucht kann man sich darauf einstellen, dass man es nicht nur mit Aliens zu tun bekommt sondern auch mit einer Familie, deren Mitglieder füreinander einstehen. Wenn es Eines gibt, das die meisten Spielberg-Produktionen verbindet, dann  dass die Prämisse „Die Familie steht über Allem“ im Vordergrund steht.

Und so ist es auch kein Wunder,  dass Spielbergs aktuelle Produktion „The Whispers“ dieses Element auch wieder betont. Im Jahre 2005 drehte Steven Spielberg mit Tom Cruise den Film „Krieg der Welten“ und folgte zum Ende auch der H.G.Wells Vorlage indem Bakterien die Aliens auf der ganzen Welt vernichten. Doch was wäre, wenn die Invasion nicht beendet worden wäre?

„Falling Skies“ wird zwar offiziell nicht als Fortsetzung von „Krieg der Welten“ bezeichnet, doch man kann sich leicht vorstellen, dass Spielberg insgeheim dieser Annahme folgte als er die Serie produzierte. Es sind alle Elemente da: Eine vollbrachte Invasion, Menschen, die ums Überleben kämpfen, Hochbeinige Roboter mit Todesstrahlen und Aliens, die mit Menschen experimentieren. Sogar die Lösung für die Finalepisode hätte aus dem H.G.Wells-Roman stammen können.

Der Look

Anders als bei anderen TV-Serien hat man in „Falling Skies“ der Serie ein äußerst dreckiges Design gegeben. Einerseits bewegen sich die Figuren ständig durch matschiges Gelände und zerstörte Hausschluchten. Zum Anderen sind sämtliche Szenen zudem noch bewusst auf bläulich-kühl getrimmt. Lediglich ein paar Rückblenden und „Paradies“-Szenen haben kräftige Farben.

Die Effekte der Serie bewegen sich auf einem sehr hohen Niveau. Bei den Aliens kommen überwiegend lebensechte animatronische Puppen zum Einsatz. Lediglich bei Kreaturen, die sich schnell in der Totale bewegen wird auf CGI zurückgegriffen Die Animation der spinnenartigen Skitter ist dabei recht gut gelungen. Im Laufe der Serie werden immer mehr Kreaturen eingeführt, die ebenfalls aus einem gelungenen Mix von Puppen und CGI inszeniert werden.

Lediglich die Roboter sehen zu Anfang etwas unecht aus. Die Mechs wirken ständig irgendwie fehl am Platze und bewegen sich ab und zu noch irgendwie merkwürdig. Fast könnte man meinen, die Animateure hatten keinen Spaß daran diese einzusetzen.

In der Serie gibt es kaum Raumschiffszenen. Doch wenn Fluggeräte der Aliens zu sehen sind, dann wirken sie – auch schon wegen des ungewöhnlichen Designs – durchaus überzeugend. Besonders gelungen sind einige Szenen als es der 2nd Mass gelang einen Gleiter zu erbeuten und man ihn aus nächster Nähe betrachten konnte.

Basisstation

Die Aliens residieren in hochbeinigen Basisstationen, die an die dreibeinigen Monster aus „Kampf der Welten“ erinnern.

Bild: TNT

Die Charaktere

Tom Mason ist die zentrale Figur in „Falling Skies“. Seine Qualitäten sind nicht von der Hand zu weisen. Allerdings gilt für ihn und seine Familie ein ungeschriebenes Gesetz, das den Einzelepisoden viel von ihrer Bedrohlichkeit nimmt. Egal, was den Masons widerfährt. Man kann sie anschießen, mit Stacheln ausstatten oder mit Augenwürmern infizieren. Am Ende wird keiner von ihnen bleibende Schäden davontragen. Dafür dürfen Randfiguren durchaus mal ins Gras beißen.

Wenn man in der Serie eines vermisst, dann dass man auf sämtlichen Humor verzichtet hat. Dadurch ist es schwierig mit den Hauptfiguren eine emotionale Bindung aufzunehmen. Lediglich der rebellische Outsider Pope bringt etwas Galgenhumor in die Serie. Leider wird seine Figur von den Drehbuchautoren sehr schlecht behandelt. Anstatt Pope durchgehend als heimliche Sympathiefigur zu behalten entwickelt er sich zu einem Gegner für Tom Mason und auch zum Ende haben es die Autoren vermieden ihn mit einem würdevollen Abgang auszustatten.

Dramaturgie

In den fünf Staffeln lässt sich erkennen, dass die Produzenten wohl eine Allegorie auf den zweiten Weltkrieg im Sinn hatten. Partisanenkampf, Ghettodasein und schließlich die Befreiung mithilfe von Aliierten. Wenn man das frühzeitig erkannte, war für den Zuschauer schnell klar wo die Reise hingeht. Dummerweise verstanden es die Drehbuchautoren nicht die Einzelepisoden wirklich spannend zu machen.

Stattdessen handelten Personen völlig unlogisch oder untypisch. Auch hier muss man John Pope erneut als Beispiel heranziehen. Seine Geschichten dienen fast nur dazu die Staffelhandlung unnötig in die Länge zu ziehen. Fast könnte man glauben, dass man ihn in der ersten Staffel einführte, dann aber keine Verwendung mehr für ihn hatte weil er in der großen Serienbibel nicht erwähnt wurde. Das Serienfinale fiel dementsprechend ein wenig mager aus. Während man in der letzten Staffel alles dransetzte die neu formierten Militärgruppen für einen finalen Angriff auf Washington zusammenzuziehen war es allein Tom Mason, der am Ende die bösen bösen Aliens außer Gefecht setzte.

Der Fernsehzuschauer, der eine große Materialschlacht erwartete, sah ein eher „intimes“ Ende. Immerhin war es wieder Toms jüngster Sohn Matt, mit dessen Kinderstimme die Serie begann, seiner Aufgabe als Chronist folgte und mit weiteren Zeichnungen und seinen abschließenden Worten die Zuschauer aus dem Seriengefüge entließ.

Familienbilder

Die Mason-Jungs sahen vor fünf Jahren irgendwie recht kindlich aus….

Bild: TNT

Familienbilder

Die Mason-Jungs werden erwachsen…

Bild: TNT

FAZIT:

Die Serie „Falling Skies“ war sicherlich kein SciFi-Überflieger. Der Look der Serie war mir persönlich zu dreckig, die Hauptfiguren zu unsympathisch und die Einzelepisoden manchmal einfach zu langatmig. Dafür, dass eine Staffel aus jeweils nur zehn Episoden bestand waren erstaunlich viele Füllerepisoden dabei. Normalerweise haben Kurzserien ja jeweils 13 Episoden. Wenn man also nur zehn Episoden macht um das Budget für Effekte auf weniger Folgen verteilen zu können, dann erstaunt das schon. Die Schauspieler sind durchaus gut gewählt.

Von Hauptdarsteller Noah Wyle kannte man seine langjährige Rolle in „Emergency Room“ und inzwischen belebt er  das fantastische Genre als Bibliothekar in der Serie „The Quest/The Librarians“ neu. Man kann kaum glauben, dass der ernste Tom Mason und der flippige Flynn Carson vom selben Schauspieler dargestellt wird (allerdings gefällt er mir als Bibliothekar besser). Interessant ist bei den drei Söhnen, dass sie in den fünf Jahren, die die Serie dauert, wesentlich gealtert sind. Da verwundert es nicht, dass ab und zu in einer Serie mal ein Zeitsprung eingebaut werden musste.

Ich muss zugeben, dass ich mich teilweise sehr durch die letzten Staffeln quälen musste. Bei den ersten Staffeln hatte man ja noch die Hoffnung, dass man mit fortschreitender Dauer mehr und mehr von Aliens sehen würde und man nach und nach immer stärker gegen die Besatzer vorgehen würde. Doch dann wurde mir klar, dass die Serie den Verlauf des zweiten Weltkriegs nachstellt. Leider war dann Vieles vorhersehbar. Selbst das hätte man noch akzeptieren können wenn es nicht die vielen Füllerepisoden gegeben hätte.

Für mich schien die Serie „Falling Skies“ ein persönliches Projekt von Steven Spielberg zu sein, das er auf jeden Fall durchziehen wollte. Es wäre sicherlich auch ziehmlich suboptimal gewesen hätte man die Serie ohne Abschluss einfach eingestellt. So bleibt der Eindruck, dass die Serie zwar in sich „rund“ war, leider aber Defizite in Logik, Spannung und Unterhaltungswert hatte.

 

Noah Wyle

Eine ungewöhnlich ernste Rolle für den lustigen „Bibliothekar“ aus „The Quest“

Bild: TNT

Falling Skies - Serienreview
35.3 Gesamtwertung
Pro
Durchgängige Handlung Gute Effekte Interessantes Konzept
Kontra
Wenig sympathische Figuren Figuren zu unbesiegbar Schwache Drehbücher
Zusammenfassung
Die Serie hätte Potential zu einem absoluten Actionkracher gehabt. Scheinbar musste man aus Budgetgründen aber zuviele Eingeständnisse machen um jede Woche spektakuläre Action anbieten zu können. So verzettelt sich die Serie oft in charakterlichen Auseinandersetzungen. Man hätte mehr draus machen können.
Dramatik
Humor
Logik
Optik
Musik/Sound
Regie/Drehbuch