Es gibt TV-Serien, die man als Jugendlicher sieht und dann nie mehr vergisst. So passierte es mir mit einer Parodie auf Superheldenfilme, die in den Sechziger Jahren ausgestrahlt wurde. Sie hieß „Immer wenn er Pillen nahm“ und schilderte die Erlebnisse eines Tankwarts, der als Einzige eine Superpille vertrug, die ihm für eine Stunde besondere Kräfte verlieh.

Als Schüler wurde ich oft dazu animiert mir Gedichte zu merken. Die meisten habe ich jedoch wieder vergessen. Nicht jedoch den Text der TV-Serie, in dessen Einleitung ein Gedicht in die Situation der halbstündigen Episoden einleitete:

„Ein Chemiker, um die Natur zu verbiegen,
wollte schlichtweg den Schnupfen besiegen.

Er quirlte, rührte und mixte
und fand eine Pille, doch eine verflixte:
Denn ein Schäfchen, das sie zufällig schluckte,
sich kurz darauf als Löwe entpuppte.
Der Schwerkraft es ein Schnippchen schlug
und startete zum Höhenflug.

Kein Stahlgerüst hielt seiner Schlagkraft stand.
Das war der Tag, da man die Superpille fand.
Doch Menschen schienen nicht empfänglich,
die Pille machte sie eher kränklich.
Mit vielen Computern, mächtig und klug,
suchte man einen, der sie vertrug.

Man brauchte tagelang, bis man ihn endlich fand:
Tankwart Stanley Beamish war der einzige im Land.
Stanley, ein zarter und schwacher Gnom,
die Pille machte ihn zum Phantom.
Er konnte wie ein Adler fliegen
und jeden Bösewicht besiegen.

Denn seine große Stunde kam
immer, wenn er Pillen nahm!“

Der Text wurde in einigen Episoden am Ende anders gesprochen. Dabei handelt es sich um eine werksgetreuere Übersetzung, die den Namen „Mister Terrific“ aus dem Original übernahm.

„Kurzum: Stanley Beamish, sonst schlapp und lahm,
wurde Mr. Fabelhaft – Immer wenn er Pillen nahm.“

Inhalt:

Wie der Vorspann schon sehr gut erklärt ist ausgerechnet der einfach gestrickte Stanley Beamish der Einzige in Amerika, der die Superpille schlucken kann, die ihm Superkräfte verleiht. Leider erlischt die Wirkung der Pille bereits nach einer Stunde weswegen Stanley bei einigen Einsätzen noch ein paar Extrapillen mit kurzer Wirkung dabei hat. Sein bester Freund, mit dem er die Tankstelle betreibt, ist natürlich etwas misstrauisch als ständig Regierungsvertreter zur Tankstelle kommen und Stanley kurz darauf immer verschwindet.

Die Fälle sind bunt gemischt und die Bösewichte sind comichaft überzeichnet. Egal ob es Mafiabosse sind oder laszive Frauen, die spionieren. Wenn Stanley ermittelt kommt er mit einer Welt in Kontakt, die ihn oft in präkere Situationen bringen. Wenn er dann die riesige Pille runterwürgt durchläuft er das ganze Farbspektrum. Der Geheimdienst hat ihm auch noch ein hübsches, silbernes Cape und eine Fliegerbrille verpasst damit man ihn als Superhelden erkennen kann.

Stanley ist keineswegs dumm – er muss sich auch immer für Hal Ausreden einfallen lassen, wieso er mal wieder stundenlang weg war.

Analyse:

Die Serie spiegelt sehr schön die humoristische Zeit im amerikanischen Fernsehen wieder. „Mister Terrific“, wie die Serie im Original heißt, ist keineswegs die einzige Serie mit dem Superheldenthema. In „Das Geheimnis der blauen Tropfen“ (Original: „Mister Nice“) ist es ein spezieller Trank, der einen Durchschnittsbürger zum Superhelden macht. Beide Serien liefen nahezu zeitgleich und wurden auch nicht über eine erste Staffel verlängert. Ähnlich gelagert ist auch eine Serie namens „Renn Buddy, Renn!“, in der ein Durchschnittsbürger Zeuge eines Mordkomplotts wird und infolgedessen in jeder Episode vor einer Verbrecherorganisation fliehen muss. Den Serien gemein war der überzeichnete slapstickartige Stil mit der die Bösewichte und der Protagonist aufeinandertrafen.

Der sommersprossige Stanley Beamish wurde von dem Komiker Stephen Strimpell verkörpert, der nach dieser Serie nur noch sporadisch in Film und Fernsehen auftrat. Wesentlich bekannter wurde sein gutaussehender Freund Hal, der von Dick Gautier gespielt wird. Gautier wurde später in der Serie „Mini-Max“ („Get Smart“) als Roboter „Hymie“ weltberühmt.

Die Serie wurde 1970 im ZDF ausgestrahlt und erzielte damit recht gute Einschaltquoten. Da lediglich 13 Episoden gezeigt wurden konnte RTL 1992 noch vier weitere Folgen zeigen, die dem deutschen Publikum bis dahin vorenthalten worden waren.

Wie gesagt, als Zehnjähriger habe ich diese Serie wirklich genossen und wegen des Vorspanns tief in meinem Herzen verankert. Als vor ein paar Jahren die DVD herauskam landete sie natürlich sofort in meinem Regal – und auch „Das Geheimnis der blauen Tropfen“, das jedoch noch etwas alberner daherkommt. Fast tut es mir ein bischen leid, dass dem Schauspieler Stephen Strimpell nicht mehr Ruhm zuteil wurde, aber vermutlich war die Rolle des Stanley Beamish für seine Karriere eher abträglich, da man sein Gesicht nun auf ewig mit dem etwas tollpatschigen Tankwart verbindet.

BESETZUNG:

  • Stephen Strimpell: Stanley Beamish
  • John McGiver: Barton J. Reed
  • Dick Gautier: Hal Walters
  • Paul Smith: Harley Trent
  • 17 Episoden a 25 Minuten
  • US-Erstausstrahlung: 9.Januar 1967 bis 27.August 1967
  • DE-Erstausstrahlung: ab 20.Januar 1970

PRODUKTIONSTEAM:

Produzent: Jack Arnold

Autorenteam:

  • Byron Chudnow
  • Arthur Lubin
  • Jack Arnold

Musik: Gerald Fried