Olympus – Staffelreview

Neue Fantasy-Serie

Ich bin ja eigentlich immer für historische Serien zu haben. „Spartacus“, „Atlantis“ oder „The Bible“ sind sehr gut gemachte Serien, denen man zwar manchmal ansieht, dass der Kollege Computer bei den Effekten geholfen hat, insgesamt aber ein positives Beispiel der Fernsehunterhaltung abliefern.

Allerdings lief jüngst auf dem amerikanischen SyFy-Channel die Serie „Olympus“, die auf erschreckende Weise demonstrierte, wie man Geld zum Fenster rauswerfen kann wenn die Machart vorne und hinten nicht stimmt.

Die Vorfreude

Normalerweise gebe ich jeder Serie eine Chance sich bei mir zu profilieren. Es braucht meistens zwei bis drei Folgen bis man sich an das Setting und die Figuren gewöhnt hat. Danach kann man die meisten Serien genießen. Viele finden ihren eigentlichen Stil sowieso erst wenn alle Hauptfiguren erst ein paar Episoden lang eingeführt wurden. Bei „Olympus“ war jedoch von Folge eins bis dreizehn nie das Gefühl da, dass ich die Serie mögen könnte. Ich bin jedoch tapfer drangeblieben, in der Hoffnung, dass die Serie noch die Kurve kriegt.

Dabei sahen die Daten der Serie im Vorwege nicht schlecht aus: Nick Willing, der Serienschöpfer, hatte bereits mit ungewöhnlichen Neuinterpretationen von „Alice“ (im Wunderland)  und „Tin Man“ („Der Zauberer von Oz“) von sich reden gemacht. Auch „Neverland“ rollte das Peter Pan Thema auf eine ungewöhnliche Art neu auf. Daher hatte ich eigentlich Grund zur Annahme, dass mit „Olympus“ eine Art „Kampf der Titanen“ sein würde, was ja nicht unbedingt schlecht sein musste. Willing führte bei einigen Folgen Regie, andere Folgen wurden von Amanda Tapping inszeniert, die man ja noch als „Major Carter“ aus „Stargate SG1“ und auch aus „Sanctuary“ kennt. Auch Regisseur Martin Wood und Andy Mikita sind altgediente „Stargate“-Regisseure.  Warum also sollte die Serie versagen? Ich bekam allerdings bereits ein mulmiges Gefühl als ich den ersten Trailer im Internet sah.

 

Griechenland am Abgrund

 

Zyklop malt dem Helden die Füße blau

(Warum bloß?)

Comiclook oder hat der CGI-Künstler versagt?

Die erste Folge beginnt recht vielversprechend: Ein junger Recke wird von einem ungewöhnlichen Zyklopen durch ein Labyrinth gejagt. Nachdem der Held sich des Monsters entledigt hat befreit er drei Frauen, die behaupten, sie seien das „Orakel der Gaia“. Auf dem Weg nach draußen kann der Held das wahre Orakel erkennen und entledigt sich der Hochstaplerinnen. Bis hierhin denkt man noch. „Gar nicht schlecht, soweit.“

Doch dann treten Held und Orakel nach draußen. Und anstatt nun eine echte Naturkulisse zu sehen, erblicken unsere Augen eine CGI-Landschaft, die deutlich als solche zu erkennen ist. Und damit nimmt das Unheil seinen Lauf!

Jede einzelne Szene! Und damit meine ich auch JEDE (!) Außenszene entstammt dem Computer. Die Darsteller sind mit einem diffusen Studiolicht beleuchtet und agieren vor Greenscreens damit sie später in die Szene integriert werden können. Im Prinzip spricht auch nichts dagegen, wären die Landschaften nicht mit einem unnatürlichen Schimmer ausgestattet und bestimmte Merkmale bewusst auf unecht getrimmt. Wann werden CGI-Künstler endlich lernen die Reflexionen oder den Glanzfaktor bei ihren Objekten lieber etwas herunterzuregeln? Ein Fehler, den ich in vielen Filmen und Serien beobachte und die sogar Szenen ruinieren, wo man eigentlich nur eine natürliche Kulisse unbemerkt erweitern wollte. Hier allerdings scheint es so zu sein, als ob dieser künstliche Look sogar gewollt ist. Doch mit den beiden „300“-Kinofilmen können die Szenen nicht konkurrieren. Dazu sind sie zu unentschlossen, ob sie nun einen Comiclook haben wollen oder realistisch wirken sollen.

Welch eine Wohltat dagegen ist die BBC-Produktion „Atlantis“, wo man immerhin meistens auf wirkliche Außenaufnahmen setzte und nur die fantastischen oder historischen Elemente (Stadtansichten, Tempel, Kreaturen) digital ergänzte. Doch so hoch war das Budget von „Olympus“ wohl nicht.

Manchmal hat man auch den Eindruck, als würden die Schauspieler während eines Dialogs eine kreisförmige Route laufen (um die Greenscreen-Kulisse auszunutzen). Leider wirkt alles äußerst billig und hölzern, weswegen die Serie von der Optik schon mal gar nicht punkten kann.

 

Keine Sympathie

Die Leistung der Schauspieler hält sich auch in Grenzen. Die Akteure müssen ständig quatschen, sich streiten und miteinander kämpfen. Man merkt oft, dass sich die Darsteller in der grünen Kulisse wohl nicht wohlfühlen und der neutrale Beobachter kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass jeder Schauspieler direkt von einer Schülerbühne gecastet wurde. Da hilft es auch nicht viel wenn der gestandene Schauspieler Matt Frewer als Daedalus das Team später verstärkt. Er ist der Einzige, dem man im Verlauf der Serie etwas Sympathie entgegenbringt. Leider wird es ihm am Ende nicht unbedingt gedankt.

Sofern man bis zum Ende der Staffel durchhält wird man außerdem bemerken, dass der „Held“ immer düsterer wird. Ich bin vielleicht altmodisch, aber sollte man nicht eigentlich Sympathie für die Protagonisten einer Serie empfinden?  Der Weg von „Hero“ und „Orakel“ ist gekennzeichnet von Abneigung, Zwietracht und Verrat. Und der Begriff „lächeln“ ist wohl in keinem Drehbuch enthalten. Daher versagt die Serie sowohl auf Schauspielerebene, als auch auf Sympathieebene.

 

„Hero“ und Daedalus im Clinch

(Alles nur um einen Ring zu erhalten?)

„Hero“  macht sich unbeliebt

Die Story

Die durchgängige Geschichte ist auch nicht unbedingt sehr kreativ. Der junge Held, der aufbricht nach seinem Vater zu suchen hat angeblich einen Namen, der verflucht ist. Wenn man ihn ausspräche würde dies zum Zusammenbruch des Weltgefüges und dem Tod der Götter kommen. Das Orakel, eine junge Frau, die ebenfalls bis zum Schluss ihren wahren Namen nicht verrät, soll „Hero“ helfen den richtigen Weg zu finden. Es stellt sich heraus, dass der Held offenbar der Sohn des Herrschers Aegeus von Athen ist. „Hero“ soll von den Göttern das „Lexikon“ erhalten haben, das in seinen Adern fließt. Daher wird dem Helden auch gerne mal Blut abgezapft um an das „Lexikon“ zu kommen. Angeblich soll es den Weg zu den Göttern zeigen. Hero und Orakel landen schließlich bei Athen, wo gerade eine Belagerung durch König Midas stattfindet. Der angeblich so mächtige Aegeus wird von seiner Frau Medea gerade beeinflusst und daher gibt es im Palast einige Machtspiele um den König zu stürzen und dessen anderen, unreifen Sohn Lykos an die Macht zu bringen. Dieser erweist sich zwar als recht pfiffig, ist dann aber maßlos enttäuscht als Hero auftaucht und als Älterer natürlich in der Thronfolge höher steht.

Hero selbst hat kein großes Interesse den Thron zu besteigen, da er inzwischen erfahren hat, dass er wohl die „Pforte zum Olymp“ durchschreiten müsse. Mit Daedalus, der inzwischen verwitweten Medea und dem Orakel macht er sich auf den Weg. Unterwegs werden sie von allerlei Hindernissen aufgehalten und Bestien belagert (die man großzügigerweise überhaupt nicht zeigt). Zuguterletzt erreichen die Vier tatsächlich den Tempel, wo sich herausstellt, dass die anderen Götter Zeus dort gefangen halten und deshalb Hero brauchen um ihren Vater zu töten, was sie selbst nicht können.

„Hero“  macht sich noch unbeliebter

Fazit:

Die Geschichte mag auf dem Papier vielleicht einigermaßen ansprechend sein, allerdings zieht sich die Story kaugummiartig in die Länge. Schwülstige Dialoge und hilflos starrende Blicke vermögen es nicht den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Auch nerven die ständig gleichen digitalen Kulissen. Einerseits sind diese ja recht fantasievoll gestaltet, andererseits aber immer wieder viel zu deutlich als künstlich erkennbar. Lediglich wenn man in Innenräumen dreht, und dann in richtigen Kulissen, kommt etwas natürliches Feeling auf. Lächerlich wird es auch wenn das Heer der Belagerer die Stadt Athen angreift und man gerade mal sechs Leute miteinander kämpfen sieht.
Ich mag es zwar nicht Serien allzusehr zu kritisieren, aber hier stimmt einfach nichts.

Fast hat man den Eindruck, als hätte man Nick Willings Serie einfach nur durchgewunken weil sie so billig zu produzieren war. Dass eine Greenscreen-Produktion durchaus funktionieren kann konnte man bei „Sanctuary“ mit Amanda Tapping ja schon sehen. Aber dort waren die CGI-Szenen erträglich, die Charaktere sympathisch und die Stories durchaus spannend. All das fehlt „Olympus“ leider. Ich war heilfroh als die dreizehnte Episode vorbei war. Diese endete mit einem blöden Cliffhanger, der wohl Lust auf eine zweite Staffel machen soll. Allerdings kann ich dazu nur sagen, was ich auch als Gesamturteil für diese Staffel sagen würde: „SO NICHT!“

 

Episoden

No. Titel Regie Drehbuch Erstausstrahlung
1 „The Temple of Gaia“ Nick Willing Nick Willing 2. April 2015
2 „Daedalus“ Nick Willing Nick Willing 9. April 2015
3 „Ring of the Magi“ Martin Wood Story : Grant Rosenberg und Nick Willing
Drehbuch: Nick Willing
16. April 2015
4 „Minos“ Martin Wood Nick Willing 23. April 2015
5 „Blood Brothers“ Amanda Tapping Peter Hume 30.April 2015
6 „The Lexicon“ Amanda Tapping Story: Richard Beattie
Drehbuch: Richard Beattie & Nick Willing
7.Mai  2015
7 „Love and Time“ Nick Willing Gillian Horvath & Nick Willing 21.Mai 2015
8 „Danger and Desire“ Martin Wood Nick Willing 28. Mai 2015
9 „Pandora’s Tomb“ Amanda Tapping Nick Willing 4. Juni 2015
10 „Heritage“ Amanda Tapping Nick Willing 11. Juni 2015
11 „The Speed of Time“ Andy Mikita Nick Willing 18. Juni 2015
12 „Door to Olympus“ Andy Mikita Nick Willing 25. Juni 2015
13 „Truth“ Nick Willing Nick Willing 2. Juli 2015

Stammbesetzung:

  • Tom York als Hero
  • Sonya Cassidy al dass the Orakel von Gaia
  • Sonita Henry als Königin Medea
  • Graham Shiels als King Aegeus
  • Cas Anvar als Xerxes
  • John Emmet Tracy als Pallas
  • Wayne Burns als Prince Lykos
  • Matt Frewer als Daedalus
  • Alan C. Peterson als King Minos
  • Sophia Lauchlin Hirt als Princess Ariadne

Beurteilung

Olympus
1.5
Spannung
1
Humor
0.5
Optik
1
Sound
1
Musik
6
Drehbuch
7
Regie
Gesamtbewertung 2.6
Lesermeinung (0 votes) 0
Zusammenfassung

Selten habe ich einen solchen Totalausfall gesehen. Wenn die Serie versuchte einen gewissen "Look" wie in "300" zu etablieren, dann ist das gehörig in die Hose gegangen. Dazu agieren die Darsteller hölzern und manchmal sehr laienhaft. An den Regisseuren kann es nicht liegen. Störend sind auch die vielen bekannten Namen aus der griechischen Mythologie, die hier wild durcheinander gewirbelt werden. In den Dialogen werden sogar moderne Begriffe verwendet und Daedalus ruft sogar einmal "Oh, Jesus!". Sollte wohl witzig sein.
Man kann nur hoffen, dass der Sender keine zweite Staffel bestellt.

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CREW:

Sender SyFy Channel
Ausführende Produzenten
  • Robert Halmi Jr.
  • Jim Reeve
  • Grant Rosenberg
  • Matthew O’Connor
  • Robert Halmi Sr.
  • Nick Willing
Produzenten
  • Michael O’Connor
  • Tia Buhl
  • Tom Parkhouse
Drehorte Vancouver, British Columbia
Kamera Brian Johnson
Produktionsfirmen
  • Reunion Pictures
  • Great Point Media
  • LipSync Productions
Komponist Rich Walters

Making Of zu „Olympus“

Hier ein Video von youTube, wo die Macher und Schauspieler von der Herstellung der Serie berichten.

Ich möchte mit meiner Kritik auch keineswegs die einzelnen Arbeitsleistungen der Beteilligten schmälern. Leider stimmt nur das Gesamtkonzept der Serie nicht.

Und das macht sich vor allem in der Handlung und der Sympathie mit den Hauptfiguren bemerkbar.