Weltraumabenteuer aus der Cormanfactory

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Als 1977 der Film „Krieg der Sterne“ ein Vermögen an den Kinokassen einspielte wurden auch andere Studios wach. Dass man mit SciFi Geld verdienen konnte war bis zu diesem Zeitpunkt nicht denkbar. Und während die Top-Studios ihre Schubladen nach eingelagerten Drehbüchern abklapperten zogen auch Billigfilmer nach und produzierten ihre eigenen Weltraumabenteuer. Neben zahlreichen italienischen und spanischen Studios wollte sich auch Produzent Roger Corman nicht lumpen lassen und ließ in seinen Produktionsstätten ebenfalls Weltraumopern produzieren.

Roger Corman ist ein Filmemacher, der sich bereits seit den sechziger Jahren einen Ruf als „Billigfilmer“ erarbeitet hat. Legendär ist die Geschichte von „Der kleine Horrorladen“, ein Film der nur entstand weil man noch schnell eine Kulisse verwenden wollte, die ansonsten abgerissen worden wäre. Mit zahlreichen, günstig produzierten Filmen erarbeitete er sich nicht nur einen guten Ruf, sondern war auch in der Lage eine Filmschule einzurichten.

Viele heute bekannte Regisseure wie Joe Dante, Ron Howard, James Cameron und andere Filmschaffende haben in der „Roger Corman Filmschool“ ihre ersten Sporen verdient. Aber auch Schauspieler wie Sylvester Stallone feierten hier ihr Spielfilmdebüt. Die Studenten nutzten dabei häufig Archivaufnahmen von Stunts oder Spezialeffekte aus anderen Filmen um ihre Werke aufzuwerten und Geld zu sparen.  Immerhin ging es in erster Linie darum das Handwerk zu erlernen. Dass man mit den Arbeiten auch noch Geld verdienen kann war für Corman die treibende Feder. Dabei setzte er auf Action, tolle Typen und auch die eine oder andere springende Damenbrust. Und das Konzept ging auf.

Sador – Herrscher im Weltraum

(Bild: New World Pictures – 1980)

Sador – Herrscher im Weltraum – 1980

Als sich abzeichnete, dass „Star Wars“ für die großen Studios ein großer Reibach werden würde investierte Corman in programierbare Konstruktionsroboter, an denen er Filmkameras befestigen ließ um ähnlich hochklassige Effekte zu erzielen wie das große Vorbild. Corman führte nicht selbst Regie sondern überließ es einem Regisseur namens Jimmy T. Murakami auf dem Regiestuhl platz zu nehmen.

Das Drehbuch schrieb John Sayles, der sich an der bereits mehrfach verfilmten Geschichte „Die sieben Samurai“ orientierte. Das Ergebnis war „Battle Beyond The Stars“, dessen deutscher Titel „Sador, Herrscher im All“ recht unpassend daherkommt. Roger Corman investierte für den Film nicht nur in die Tricktechnik sondern auch in namhafte Schauspieler, deren Gagenforderungen einen Hauptanteil des Budgets ausmachten. Die reinen Produktionskosten betrugen (geschätzt) 2 Millionen Dollar, ein Schnäppchen gegenüber der für „Star Wars“ veranschlagten 9,6 Millionen Dollar. Der Film spielte 11 Millionen Dollar wieder ein.

In „Sador – Herrscher im Weltall“ ging es um eine Weltraumkolonie, die von einem Bösewicht mit einem Riesenraumschiff erpresst wird ihre Ernte herauszugeben. Da man den Forderungen Sadors nicht mehr nachkommen kann wird der junge Shad (dargestellt von „John-Boy Walton“ Richard Thomas) mit einem Raumschiff namens „Nell“ losgeschickt um Söldner zu engagieren, die den Planeten beschützen sollen und die Bewohner an den Waffen ausbilden sollen. Es gelingt Shad sieben Söldner zusammenzutrommeln, die sich aus verschiedener Motivation bereiterklären die Mammutaufgabe zu übernehmen. Es sind einige Schlachten und Verluste hinzunehmen bevor Sador endgültig geschlagen wird.

Die Schauspielerriege ist durchweg prominent besetzt. Mit Robert Vaughn, George Peppard und John Saxon versammelten sich so einige Darsteller, die sich wohl ähnlich in Erinnerung bringen wollten wie die Söldner, die sie darstellten. Hinter den Kulissen werkelten zahlreiche Spezialisten daran die Effekte von „Star Wars“ nachzuahmen. Das Ergebnis kann man als durchaus gelungen bezeichnen.

Den Soundtrack zu dem Film komponierte der junge James Horner, für den der Score der erste rein symphonische wurde. Seine Anleihen bei „Star Wars“ sind teilweise schon recht deutlich wahrzunehmen. Glücklicherweise bedeutete dieser Score jedoch gleichzeitig den Beginn seiner Karriere und in den folgenden Jahren etablierte er einen eigenen, markanten Stil, der ihn zahlreiche Aufträge und Oscarnominierungen einbrachte. Für TITANIC erhielt er den Oscar für beste Filmmusik und besten Filmsong. Seine  Musik zu „Battle Beyond The Stars“ wurde jedoch von Roger Cormans Filmstudio auch fleißig in anderen Filmen eingesetzt.

Battle Beyond The Stars – Amerikanisches Cover

(Bild: New World Pictures)

Battle Beyond The Stars

Raumschiff Nell verfügt nicht nur über eine erotische Stimme! Designed by James Cameron.

(Bild: New World Pictures)

Erstmal ein bischen abhängen

(Bild: New World Pictures)

Peter Klöppel bei der Arbeit

(Bild: New World Pictures)

Planet des Schreckens – 1981

Der Film „Planet des Schreckens“ entstand im Gefolge der Horror-Alienwelle, die durch Ridley Scotts Film „Alien“ losgetreten wurde. Nach aufregenden Weltraumschlachten traten im Kino vermehrt Filme auf, in denen es um böse Außerirdische geht, die am liebsten in fremde Körper eindringen – oder diese auffressen. Einer der ersten Vertreter dieses Subgenres ist „Galaxy of Terror“, wie der Film im Original heißt.

Darin geht es um ein Team von Raumfahrern, das auf einem Planeten strandet, auf dem sich zahlreiche abgestürzte Raumschiffe versammelt haben. Der Besatzung ist überhaupt nicht wohl als sie die Wracks durchforstet. Dabei werden sie nach und nach Opfer von Bedrohungen, die sich direkt aus ihren Ängsten zu manifestieren scheinen.

Der Film ist durchaus gruselig und genießt aufgrund einer sehr expliziten Szene, in der ein weibliches Besatzungsmitglied von einer Riesenmade sexuell belästigt wird, Kultstatus. Die Tode spiegeln auf faszinierende Weise die Erwartungen der Zuschauer wieder. Jeden Moment erwartet man – mit den Charakteren – irgendwelche Fallen oder Kreaturen aus dunklen Winkeln springen zu sehen. Und diese Erwartungen (der Raumfahrer) werden dann auch erfüllt. Dabei spielt die gekonnte Kameraführung eine wesentliche Rolle. Leider läßt die Spannung zum Ende zwar ein wenig nach, die Auflösung ist aber dennoch recht kreativ im Vergleich mit anderen Kino-Schnellschüssen.

Die Darstellerriege ist durchaus prominent besetzt. Mit dem „Onkel vom Mars“ Ray Walston und dem späteren Freddie-Krüger-Star Robert Englund hat man zwei, auch heute noch, recht bekannte Gesichter gecastet. Auch der „Held“ der Geschichte, Edward Albert, war in den Achtzigern ein durchaus gefragter Darsteller.

Interessanterweise war wieder James Cameron für das kreative Setdesign verantwortlich. Nachdem er bereits für mehrfach für die Trickabteilung von „New World Pictures“ tätig war erhielt er danach die Regie für die Fortsetzung des Joe Dante Hits „Piranha“.  Zwar floppte die Rückkehr der Killerfische, dafür konnte Cameron aber mit seiner Partnerin Gale Anne Hurd ein weiteres Projekt umsetzen, dass wesentlich erfolgreicher wurde: „Terminator“.

„Planet des Schreckens“ war in Deutschland jahrelang wegen der Madenszene indiziert. Inzwischen ist der Film aber wieder frei auf DVD erhältlich.

Planet des Schreckens

Das deutsche Plakatmotiv hat zwar eigentlich nichts mit dem Film zu tun. Allerdings ist die Szene schon einer gewissen Kultszene recht ähnlich. (Bild: New World Pictures – 1981)

Planet des Schreckens

Das Grauen lauert an jeder Ecke. (Bild: New World Pictures – 1981)

Planet des Schreckens

Vor seiner Freddie Krüger Zeit – Robert Englund als „Opfer“ (Bild: New World Pictures – 1981)

Der Android – 1982

Ein weiterer, bemerkenswerter SciFi-Film aus der Talentschmiede „New World Pictures“ ist der Film „Der Android“ von Aaron Lipstadt. Zwar nahm man den Film in Amerika als eher lahm wahr, in Europa wurde er jedoch wegen seiner interessanten Charakterzeichnung gelobt. SpecialFX gibt es so gut wie keine. Die wenigen, vorhandenen wurden aus „Sador“-Schnipseln zusammengesetzt. Die Story bezieht ihren Reiz aus dem Geschehen auf einer Raumstation, auf der Doctor Daniel (Klaus Kinski) an Robotern herumschraubt. Er hätte sich sehr gerne eine weibliche Androidin als Begleiterin gebastelt und ist entzückt als ein Android namens Max 404 (Don Opper) ein Raumschiff andocken lässt, unter deren Crew sich eine Frau befindet. Doch die Raumfahrer sind entflohene Sträflinge und nutzen die Naivität des funktionierenden Androiden aus, da sie immer noch von der irdischen Polizei Terrapol verfolgt werden.

Klaus Kinski kann hier einmal mehr den Verrückten spielen und den weiblichen Darstellern an die Busen grapschen. Durch die kammerspielartigen Szenen wird man allerdings als Zuschauer schon durch die Performance in den Bann gezogen. Doch auch Don Opper als Android spielt hier glänzend auf. Er ist am Drehbuch beteilligt und spielt hier erstmals einen trotteligen, aber liebeswerten Charakter. Eine Rolle, die er in den verschiedenen Critters-Filmen oft wiederholen konnte.

Kleines Schmankerl am Rande: Die Terrapol-Agentin, die nach den Sträflingen sucht, ist Rachel Talalay, die in den letzten beiden DoctorWho-Staffeln jeweils Regie bei den letzten beiden Episoden führen durfte.

Der Android

(Bild: New World Pictures – 1982)

Kinski bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Ein Artikel über Roger Corman Filmproduktionen wäre nicht vollständig, wenn es keinen Busenblitzer geben würde…. (Sorry, couldn’t resist)

(Bild: New World Pictures – 1982)

Herr und Geschöpfe

Ein Artikel über Roger Corman Filmproduktionen wäre nicht vollständig, wenn es keinen Busenblitzer geben würde…. (Sorry, couldn’t resist)

(Bild: New World Pictures – 1982)

Space Raiders – 1983

Mit dem Auslaufen der SciFi-Welle lieferte „New World Pictures“ noch einen dritten Beitrag ab, der zum Einen recht sympathisch daherkommt, zum anderen aber auch höchst dramatisch ist.

Space Raiders erzählt die Geschichte des kleinen Peter, der sich an Bord eines Raumschiffes schleicht, das von einer Gruppe von Weltraumhasadeuren gesteuert wird. Die bunt zusammengewürfelte Mannschaft ist entsetzt als sie ihren blinden Passagier entdeckt. Der gutmütige Anführer Hawk (Vince Edwards) verspricht Peter zwar, ihn an der nächsten Raumstation abzugeben, doch inzwischen hat sich herausgestellt, das der Junge offenbar Sohn eines hohen Tieres der Transportbehörde ist. Zwar hat die Mannschaft kein großes Interesse an der Belohnung, dafür aber andere Weltraumschmuggler. Bevor Peter wieder nachhause kann gibt es leider so manches Opfer zu beklagen.

Eigentlich ist die Story recht charmant und die Mannschaft wirkt auch sehr freundlich. Dummerweise hat der Drehbuchautor keinen Sinn für Happy Ends und so ist es recht schade, dass die immerhin fünfköpfige Crew nach und nach dezimiert wird. Möglicherweise hätte die Besatzung mit ihrem Schiff das Zeug für eine Fortsetzung gehabt wenn Regisseur und Drehbuchautor Howard R. Cohen nicht auch noch den Sensenmann mit an Bord genommen hätte.

Hauptdarsteller Vince Edwards war jahrelang als „Ben Casey“ in der gleichnamigen Arzt-TV-Serie unterwegs. Nach zahlreichen Einsätzen als Schauspieler ging er auch dazu über Regie zu führen und inszenierte unter anderem einige Episoden von „Kampfstern Galactica“.

Der kleine Junge „Peter“ wurde von David Mendenhall gespielt und ist bis heute als Schauspieler aktiv. Eine der wenigen Jungdarsteller, die dem Beruf treu geblieben sind.

An Bord des Raumschiffs gibt es auch den telepathisch begabten „Flightplan“, der von Thom Christopher gespielt wird. Das ist bereits der zweite Alien-Charakter, den er darstellt. In „Buck Rogers in the 25th Century“ war er „Hawk“, der Falkenmann, der leider nicht wirklich zu einem vollen Einsatz kam.

Der Film hat viele Actionszenen, die in wiederverwendeten Kulissen aus „Sador“ stattfinden. Ebenso wurden die visuellen Raumschiffeffekte und die Filmmusik recycelt. Wenn man keinen Knallerfilm mit neuen, visuellen Eindrücken erwartet, dann geht das aber in Ordnung. Insgesamt wirkt der Film zwar ein wenig lieblos, hat aber eben doch sein Charme durch die gut harmonisierende Crew. Schade nur, dass das Ende ein wenig traurig macht.

Space Raiders

Scifi aus der Recycle-Tonne. Immerhin sympathisch. (Bild: New World Pictures – 1983)

Die Mannschaft tut alles für Peter

(Bild: New World Pictures)

Kämpfen ohne Rücksicht auf Verluste

(Bild: New World Pictures)

Credits

Bildercopyright: New World Pictures

Alle Aushangfotos: http://www.kino-50er.de/