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[/media-credit] Raumschiff Christa

Wer in der amerikanischen TV-Landschaft überleben will muss ordentliche Einschaltquoten erzielen. Doch wenn der Sender die selbst produzierten Serien ohne Werbung, auf wechselnden Timeslots und dann noch gegen Football ausstrahlt muss sich nicht wundern wenn eine ambitionierte Serie floppt. So geschehen bei Nickelodeon und einer Serie, die zwar „nur“ für Kinder gemacht wurde, aber trotzdem seiner Zeit voraus war. Die Rede ist von „Space Cases“, einer Serie, die von Bill Mumy („Lost in Space“) und Peter David erfunden und produziert wurde.

EINLEITUNGSTEXT (Gesprochen von Harlan Ellison)

The Eye of the Future Sees Them:
Five Clever Space Cadets
Snuck Aboard an Alien Ship,
Flung Through a Weird Hole in Space
Thousands of Light Years from the Academy.
Yeah, it seemed like a good idea at the time…
But will they ever get home?
Or are they forever destined to be…
Space Cases?!

Highlight im Kinderfernsehen

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[/media-credit] Sieben Jahre Heimreise

Ich lernte die Serie im deutschen Kabelfernsehen kennen als der Sender Nickelodeon zum ersten Mal Ende der neunziger Jahre ins deutsche Kabelnetz eingespeist wurde. Der besondere Kick der Serie bestand in dem teilweise enormen Staraufgebot, das hier seine Gastauftritte absolvierte. Peter David, war als Drehbuchautor bereits für „Babylon5“ aktiv als Lennier-Darsteller Bill Mumy ihn von der Idee begeisterte eine eigene Serie auf die Beine zu stellen, die von den inzwischen erschwinglichen Computeranimationen profitierten sollte, wie sie in „Babylon5“ schon benutzt wurden.

Worum geht es?

Die Serie „Space Cases“ handelt von einer Gruppe Kinder, die an einer Weltraumschule unterrichtet werden. Eines Tages schleichen Sie an Bord eines fremdartigen Raumschiffs namens „Christa“, das nach einer Fehlfunktion plötzlich startet und die Kids durch eine galaktische Spalte weit ins All hinausbefördert. Eine Rückreise würde siebeneinhalb Jahre dauern. Die Gruppe ist nun auf sich allein gestellt und muss die lange Rückseite ohne die Hilfe von außen bewältigen. Immerhin sind zwei Erwachsene an Bord, die allerdings auch nicht unbedingt immer eine Stütze sind. Immer wieder wird das Raumschiff von Außerirdischen bedrängt. Doch mit ihren vereinten Kräften und einigen Superfähigkeiten der Alien-Kids schaffen sie es immer wieder den Bedrohungen zu entkommen.

Fehlbehandlung bei Nickelodeon

Jewel Staite

[/media-credit] Jewel Staite spielt Catalina

Die Serie wurde 1996 von Nickelodeon erstmals ausgestrahlt. Der gewählte Zeitpunkt war jedoch äußerst unglücklich gewählt weil parallel das Superbowl-Finale gesendet wurde. Außerdem verzichtete man darauf die Serie großartig zu bewerben. Infolgedessen fielen die Einschaltquoten sehr überschaubar aus und verbesserten sich auch nicht als man die Serie im Programm auf verschiedenen Sendeplätzen ausprobierte.

An Ideen mangelte es den Autorenteam nicht. Sie hatten sich schon Gastauftritte der Babylon5-Besetzung gesichert – immerhin war Bill Mumy als Minbari Lennier dort als Schauspieler unterwegs – doch Nickelodeon versagte ihnen die Flugtickets und ein zweites Kamerateam um Szenen in Los Angeles zu drehen („Space Cases“ wurde in Montreal gedreht). Auch ein vereinbarter, möglicher Auftritt von „Weird“ Al Yankovic wurde nicht genehmigt, weil die Zielgruppe diesen Comedymusiker angeblich nicht kannte. Schließlich wurde auch nichts aus Bill Mumys Plan die alte Familie Robinson aus der Serie „Lost in Space“, in der er als Kind den jungen Will gespielt hatte, wieder zur Erde zu leiten. Der Robot war für einen Gastauftritt schon versprochen, doch Nickelodeon wollte auch davon nichts wissen. Am härtesten traf das Autorenteam jedoch, dass man ihnen die Hälfte der Erlöse aus Merchandisingprodukten versprach, dann aber keinerlei Fanartikel auf den Markt warf. Die Hälfte von nichts ist nichts.

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[/media-credit] Bill Mumy und Mark Hamill

„Space Cases“ schaffte es auf zwei Staffeln von jeweils 13 Episoden bevor die Serie, wegen zu geringer Quoten, eingestellt wurde. Dabei sollte sich diese Serie als Sprungbrett für die Jungdarstellerin Jewel Staite erweisen, die später sowohl in der Serie „Firefly“, als auch in „Stargate – Atlantis“ mit ihrer natürlichen Art zu überzeugen wusste. Bill Mumy, der in Hollywood seit Kindertagen gute Kontakte hat, konnte zahlreiche Gaststars gewinnen. Darunter Mark Hamill (Starwars), George Takei (Startrek), Katey Sagal (Eine schrecklich nette Familie) und Michelle Trachtenberg (Buffy).

Fazit

Die Serie ist für einen Kinderkanal beinahe schon zu ernsthaft und erinnert manchmal an Startrek-Themen. Trotzdem kommt der Humor nicht zu kurz. In einer Episode findet ein Junge einen, im Weltall treibenden, Plüschteddybären, der sich später zu einem Problembären entwickelt. Peter David hatte kurz vorher für „Babylon5“ eine Episode um Merchandisingartikel geschrieben und dem Produzenten einen solchen Teddybären geschickt. Doch J.Michael Straczinsky „hasst“ Niedliches und ergänzte sein Script um eine Szene, in der Captain Sheridan sein tierisches Ebenbild kurzerhand ins All befördert.

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[/media-credit] Mister Sulu hat auch schon Mal besser ausgesehen

„Space Cases“ war eine charmante Serie mit teilweise recht skurrilen Humor, aber auch ernsten Themen und nahm auch das Thema einer langen Heimreise vorweg, das später von „Startrek – Voyager“ wieder aufgegriffen werden sollte. Bill Mumy baute in die Serie zahlreiche Hinweise auf andere Scifi-Serien ein, indem er Figuren Bova und Harlan nannte (nach den Scifi-Autoren Ben Bova und Harlan Ellison). Und auch in den Dialogen fließen immer wieder Reminiszenzen an „Lost in Space“, „Babylon5“ und andere Scifi-Serien ein. Die Serie wurde leider zu früh abgesetzt und damit ereilte die „Christa“ dasselbe Schicksal wie schon Bill Mumys Raumschiff „Jupiter2“ aus der Serie „Lost in Space“: Sie kam niemals zurück.

Nachsatz:

Als die Serie damals im Kabelfernsehen ausgestrahlt wurde konnte man in Hamburg nur eine Staffel sehen. Dann wurde Nickelodeon in Norddeutschland nicht mehr angeboten sodass der Rezensent die zweite Staffel nicht mehr sehen konnte. Seitdem hofft er auf eine Wiederholung in dem wieder eingespeisten Nachfolgesender „Nick“ oder eine DVD mit deutschem Ton. Bisher jedoch vergeblich.

Bill Mumy ist noch immer aktiv als Sänger unterwegs. Sein neuester Song zeigt auch kurze Szenen aus „Lost in Space“:

https://www.youtube.com/watch?v=AdHslTquGoI

Weitere Informationen:

Englischsprachige Informationsseite